Attentäter, Anschlagspläne, Spuren, Gefahrenlage Terror-Alarm in München: Was wir wissen - und was nicht

An Silvester sicherten schwer bewaffnete Polizisten den Münchner Hauptbahnhof. Am Donnerstag nahm die Polizei vorsorglich zwei Verdächtige fest. Foto: dpa

Was auch immer hinter den Anschlagswarnungen von München steckt: Sollten Terroristen das Ziel gehabt haben, in der Silvesternacht Panik zu verbreiten, sind sie gescheitert. Am Wochenende werden neue Details zum Terror-Alarm bekannt.

 

Wir haben noch einmal die wichtigsten Fragen und Antworten zu dieser denkwürdigen Nacht und ihren Folgen für Sie zusammengestellt.

Wie ist die Sicherheitslage aktuell in der Stadt?

Die Polizei hat den Terroralarm am Neujahrstag beendet. Man spricht allerdings weiterhin von einer "abstrakten Gefährdungslage" wie auch schon in den Wochen nach den Terroranschlägen von Paris. Soll heißen, Anschläge sind jederzeit möglich.

Was hat es mit den Einsätzen von Samstag auf Sonntag auf sich?

Am Samstagnachmittag ging ein Notruf bei der Polizei ein. Der Anrufer behauptete, dass es am Hauptbahnhof eine Bombe gebe - ein falscher Alarm. Die Polizei konnte den Anruf zu einer Telefonzelle am Hauptbahnhof zurückverfolgen. Mithilfe von Kamerauafnahmen wurde der Anrufer, der anschließend in einen Regionalzug stieg, ermittelt. Bei der Durchsuchung des Zuges in Mammendorf konnte der Mann allerdings nicht gefunden werden.

Solche Trittbrettfahrer machen es den Sicherheitkräften schwer, zwischen realer Bedrohung und Panikmache zu unterscheiden. Polizeipräsident Hubertus Andrä hat aber bereits angekündigt, mit voller Härte gegen solche Straftäter vorzugehen.

Zudem wurde in der Nacht zum Sonntag eine manipulierte Telefonzelle am Bahnhof Pasing entdeckt. Ein hinzugezogener Sprengstoffhund schlug an. Der Südteil des Bahnhofs wurde gesperrt, die Abdeckung des Telefons kontrolliert gesprengt. Auch hier wurden weder Sprengstoff noch andere Verdächtige Gegenstände entdeckt.

Was unternimmt die Polizei, um die mutmaßlichen Attentäter zu fassen?

Zu den normal in München eingesetzten Polizeikräften stehen zusätzlich nochmals rund 100 Beamte bereit. Sie sollen in der Stadt Präsenz zeigen. Die Streifen sind in Gruppen von vier bis sechs Mann in der Innenstadt sowie rund um den Hauptbahnhof und in Pasing unterwegs.

Zudem fahnden die Sicherheitsbehörden mit Hochdruck nach verdächtigen Personen. Außerdem werden Internet- und Telekommunikationsdaten ausgewertet, gespeicherte Daten verglichen und Verdächtigenlisten abgearbeitet.

Nach wie vielen Tatverdächtigen wird derzeit gesucht?

Die Polizei fahndet nach einer Gruppe Attentäter. Die Rede ist von fünf bis sieben Männern. Sie sollen allesamt aus Syrien beziehungsweise dem Irak stammen. Über drei bis vier Personen liegen konkrete Informationen vor. Allerdings soll es sich dabei um Namen handeln, die in arabischen Ländern weit verbreitet sind. Von den übrigen Verdächtigen ist derzeit so gut wie nichts bekannt. Bisher ist laut Polizei nicht einmal gesichert, dass diese Menschen tatsächlich existieren.

Inzwischen gibt es laut Medienberichten neue Details zur Terrorwarnung. Demnach soll bereits vor Weihnachten ein Iraker die Polizei in Baden-Württemberg vor Anschlagsplänen um den Dreikönigstag am 6. Januar in München gewarnt haben. Auch er nannte angeblich sieben mumaßliche Täter. Ob und wie die Hinweise miteinander zu tun haben, ist unklar. Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag, dass man momentan keine konkreten Hinweise für Anschlagspläne um den 6. Januar habe.

Was weiß man von den mutmaßlichen Attentätern?

Es sind konkrete Namen einiger Verdächtiger bekannt. Allerdings ist nicht bekannt, wo sie stecken, geschweige denn, ob sie existieren. Es ist unklar, ob sie sich in München aufhalten oder im Rest der Bundesrepublik.

Derzeit wertet die Polizei noch immer Daten aus, überprüft Hinweise und versucht Zusammenhänge und Verbindungen herzustellen.

Laut Polizeipräsident Hubertus Andrä sind die Fahnder inzwischen in der Lage, die betreffenden Personen zu identifizieren. Bisher habe man aber keine konkrete Spur von ihnen.

Wurden Personen festgenommen?

Bisher hat die Polizei lediglich Kontakt zu sogenannten Gefährdern in der Stadt und dem Umland aufgenommen. Das sind Personen, die als Anhänger der salafistischen oder islamistischen Szene gelten. Der Kreis dürfte in München etliche Dutzend Personen umfassen.

Gibt es Durchsuchungen oder Razzien in mutmaßlichen Verstecken?

Nein. In München wurden bisher auch keine Waffen, Sprengstoffwesten oder Bomben gefunden.

Was weiß man über die Drahtzieher der Anschläge, wer sind die Hintermänner?

Laut Innenminister Joachim Herrmann sollen die mutmaßlichen Attentäter Kontakt zur Terror-Miliz "Islamischer Staat" haben.

Woher kamen die Informationen über drohende Anschläge?

Wie jetzt bekannt wurde, sollen bereits vor Weihnachten die ersten Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag bei der Polizei in Baden-Württemberg eingegangen sein. Ein Iraker verwies auf seinen im Irak lebenden Bruder, der sieben Männer kennen soll, die einen Anschlag in München um Heilige Drei Könige geplant haben sollen. Sämtliche Ermittlungen in diesem Zusammenhang und die Durchsuchung zweier Wohnungen in einem Münchner Appartment-Hotel verliefen bislang ergebnislos.

Der Auslöser für den Terror-Einsatz in der Silvesternacht erreichte deutsche Sicherheitsbehörden am Silvesterabend um 19.40 Uhr. Absender war der französische Geheimdienst. Laut der Quelle der Franzosen stehe eine Gruppe Verdächtiger bereit, einen oder mehrere Anschläge in der Stadt zu verüben. Als Zeitpunkt wurde Mitternacht genannt, wenn die Menschen den Start ins neue Jahr feiern.

Was waren die Ziele?

Konkret sind der Pasinger Bahnhof und der Münchner Hauptbahnhof genannt.

Wie sollten die Anschläge genau ablaufen?

Offenbar war geplant, dass sich an beiden Bahnhöfen gegen Mitternacht jeweils ein Selbstmordattentäter mit einer Bombe in die Luft sprengt.

Dabei sollten die Attentäter Unterstützung von weiteren Kämpfern aus der Gruppe erhalten. Die, so die Warnung, seien mit Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow ausgerüstet. Die Heckenschützen hätten, ähnlich wie bei früheren Anschlägen im Irak oder in Afghanistan, dann aus dem Hinterhalt heraus auf Helfer von Feuerwehr und Rettungsdienst das Feuer eröffnet und so die Zahl der Opfer weiter erhöht.

Hinweise auf Anschläge gibt es öfters. Warum lösten ausgerechnet der vom Silvesterabend Terroralarm aus?

Einige Tage zuvor hatte bereits der amerikanische Geheimdienst deutsche Behörden vor einem drohenden Terroranschlag in München gewarnt. Demnach gab es Hinweise auf ein bestimmtes Hotel im Westen der Stadt. Zudem war die Rede von einem Angriff auf den Bahnhof Pasing. Die Attentäter seien mit Kalaschnikows und Sprengstoff ausgerüstet, behauptete eine Quelle der Amerikaner. Ähnlich gingen die IS-Terroristen auch bei den Anschlägen von Paris vor.

Was wurde aus der Spur?

Das Hotel wurde überprüft. Doch es stellte sich heraus, dass es nicht als Schlupfwinkel von Terroristen diente. Es wurden auch keine konkreten Spuren oder Hinweise auf die Täter gefunden.

Warum nehmen die Sicherheitsbehörden trotzdem die Warnung so ernst?

Die Informationen der Franzosen und der Amerikaner stammen aus jeweils unterschiedlichen Quellen. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Bei beiden Terrorwarnungen wurden Ziele in Pasing genannt. Zudem ist der Modus Operandi der Attentäter identisch. Sowohl in Pasing als auch im Hauptbahnhof sollte sich laut dem Plan offenbar erst einer der Angreifer in die Luft sprengen und dann seine Komplizen auf Überlebende und Rettungskräfte das Feuer eröffnen.

Warum gilt München plötzlich als potenzielles Angriffsziel der Terroristen?

München hat seit dem Sommer international viel Lob und Anerkennung dafür erhalten, dass Flüchtlinge in der Stadt so freundlich begrüßt und aufgenommen wurden. Durch Anschläge soll nun vermutlich das Vertrauen erschüttert, das gute Verhältnis von Münchnern und Flüchtlingen untergraben werden.

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Kein Sprengstoff, keine Waffen, keine Festnahmen. War alles nur falscher Alarm?

Nein betonen Polizei und Innenministerium. Die Hinweise auf einen drohenden Anschlag in der Silvesternacht seien so konkret, die Zeit bis Mitternacht so kurz gewesen, dass man habe Alarm schlagen müssen.

 

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