Ateliers für 100 Künstler Münchner Domagkpark: Der Traum vom Atelier-Turm

Maler Yongbo Zhao, der seit 25 Jahren ein Atelier am Domagkpark hat, ist von Mentrups Vision begeistert. Foto: privat

Lars Mentrup möchte im Münchner Domagkpark Raum für 100 Künstler auf 16 Stockwerken schaffen. Die Finanzierung: noch offen. Dennoch ist der 42-Jährige optimistisch.

 

München - Seine Künstler-Freunde applaudieren ihm: "Spitzen-Idee. Großartig!", findet zum Beispiel Maler Yongbo Zhao, der seit 25 Jahren ein Atelier am Domagkpark hat. Denn Neu-Stadtrat Lars Mentrup hat eine Vision. Um sie zu realisieren, braucht er zehn Millionen Euro. Der SPD-Politiker träumt davon, an den Domagkateliers einen 16-stöckigen Atelier-Turm mit Räumen für 100 Künstler zu bauen: Er überlegt, das Geld für das Projekt über ein Crowdfunding zu sammeln. Oder er findet einen Investor, das wäre fast leichter: "Im Idealfall ist das eine finanzkräftige Münchner Familie mit Herz für Münchner Künstler", erklärt Lars Mentrup die favorisierte Lösung. Mit seinem Verein "Domagk Kunstunterstützung" (Doku) betreibt er das städtische Atelierhaus am Domagkpark im Auftrag der Landeshauptstadt.

Lars Mentrup (SPD): "Meine Vision wird Wirklichkeit werden"

Mehr als 160 Künstler suchen in München verzweifelt einen Ort zum freien Denken und Arbeiten, schätzt Mentrup. In Moosach mussten letztes Jahr mehr als 60 Kreative aus einer Zwischennutzung ausziehen. In der Maxvorstadt stünden gerade 30 Künstler ohne Arbeitsräume da, weil 2019 Ateliers auf dem Gelände der Stadtwerke an der Katharina-von-Bora-Straße weggefallen sind. Seit der letzten Rotation in den Domagkateliers vor einem Jahr suchen über 70 Künstler aus Nord-Schwabing ein neues Atelier.

Sein Projekt "Atelier-Turm" sieht der Münchner Macher optimistisch. Zehn Millionen Euro seien ein seriöser Wert für ein Hochhaus mit einfacher Ausstattung, Architekten hätten ihm die Baukosten vor zwei Jahren errechnet: "Eigentlich ist das nicht viel Geld. Meine Vision wird Wirklichkeit werden", hofft Lars Mentrup.

Faible für Kreative und eine lockere, wilde Kunstszene

Der 42-jährige Künstler-Förderer, SPD-Stadtrat und Lokalpolitiker im BA Schwabing-Freimann, sieht sich als "eher nüchternen und sachlichen Menschen", wie er der AZ erzählt. Er hat Mathematik studiert, gilt als IT-Experte, organisiert andererseits große Kulturevents wie den Corso Leopold. Der Mann sinniert: "Es ist eigenartig, ich bin selbst kein Künstler, möchte Künstler aber unbedingt unterstützen."

Das ausgeprägte Faible des Doku-Vorsitzenden für Kreative und eine lockere, wilde Kunstszene stammt aus seiner Studienzeit. Von 1996 bis 2003 hatte der Mathematikstudent ein Studentenzimmer in der alten Funkkaserne bei den Domagkateliers, damals die größte Künstlerkolonie in ganz Europa. Sieben Jahre lebte er dort zwischen rund 300 Künstlern, Studenten, Filmproduktionsfirmen, Autowerkstätten, indischem Sikh-Tempel, evangelikaler Kirchgemeinde und SM-Studio:

"Es war eine wunderbare, verrückte, positive und dynamische Zeit, die meine meiner Persönlichkeitsentwicklung geprägt hat", erinnert er sich: "Meinem Studium waren die Goa- oder Techno-Partys in den alten Kellern aber nicht so zuträglich", witzelt er. Das lange nächtliche Ideenausbrüten in diesem "Soziotop", wie er sagt, will er hingegen nie missen.

Atelier-Turm und neue Ateliers am "Haus 50" 

So geht der selbsternannte "Retter der Künstler" die Umsetzung seiner Vision konkret an: Für den 25. März 2020 hatte er einen Termin beim Kompetenzteam für die Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt gehabt – wegen der Corona-Krise musste das Treffen leider ausfallen. Dort bekommt er die Beratung, welche Rechtsform er für die Projektgesellschaft wählen soll, die er gründet: "Es ist ja das erste Hochhaus, was ich baue!", sagt er locker. Sein mit 59 Metern Höhe geplanter Atelier-Turm soll einen optischen Dreiklang zu den Hochhäusern in der Umgebung bilden: wie den Highlight Towers und dem Osram-Hochhaus am Beginn der Autobahn A 9 in der Parkstadt Schwabing.

Mentrup freut es sehr, dass das Planungs- und das Kulturreferat im Hof vor "Haus 50" an der Margarete-Schütte-Lihotzky-Straße neue Ateliers bauen wollen. "Für ein sechsstöckiges Haus mit 24 Ateliers gibt es eine Bauvoranfrage, auch Anträge für Baumfällungen", verrät Mentrup. Dieses Jahr soll erster Spatenstich sein, vermutet er.

Die Neubau-Ateliers halten ihn allerdings nicht davon ab, etwas nördlicher, am Ende des Gebäudes "Haus 50", seinen Atelier-Turm zu träumen: "Man sollte beide Häuser bauen. Platz dafür ist genug!", sagt Mentrup. Ein neuer Querbau, der den Künstlerhof schließt, war 2002 schon einmal von Architekten entworfen worden. Dieser Querriegel soll nun einfach vertikal aufgestellt werden – so entstand Mentrups Idee für den Atelier-Turm.

Bezirksausschuss einstimmig für den Atelier-Turm

Neben der offenen Finanzierung ist die zweite Schwierigkeit des Visionärs: Für ein Hochhaus, wie es ihm vorschwebt, müsste der Bebauungsplan geändert werden. Prinzipiell liegt der Domagkpark allerdings in einer Zone der Stadt, in der Hochhäuser erlaubt werden sollen, wenn die neue Hochhausstudie für München einmal beschlossene Sache ist – das sind gute Nachrichten für Sympathisanten eines Atelier-Turms.

Die örtlichen Lokalpolitiker drücken dem nüchternen Zahlenmenschen und Retter der Künstler geschlossen die Daumen: Einstimmig votierte der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann für den Bau von zwei Häusern in der einst größten Künstlerkolonie Europas. Für ein kleines Atelierhaus der Stadt und für den Bau einer in den Münchner Himmel reichenden spektakulären Kunst-Oase des 42-jährigen Lars Mentrup – der auch an Proberäume für Bands denken will.

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