ARD-Krimi am Sonntag Kritik zum Ludwigshafen-"Tatort: Leonessa": Totale Tristesse

Unzugänglich: Findet Johanna Stern (Lisa Bitter) einen Draht zu Vanessa (Lena Urzendowsky) und Leon (Michelangelo Fortuzzi)? Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg

Das Setting des Ludwigshafen-"Tatort: Leonessa" ist an Tristesse nicht zu überbieten – leider fehlen Tiefgang und Spannung. Die AZ-Kritik zum Sonntagskrimi.

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Ludwigshafener "Tatort: Leonessa". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 08.03.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


In der Western-Kneipe läuft eine Country-Ballade nach der anderen, und die armseligen Stammgast-Gestalten trinken dazu ein Bier nach dem anderen. Der Wirt ist ermordet worden, also landet der Sonntagabend-Zuschauer in diesem tristen Szenario. Aber nur kurz: Denn die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) folgt mit Erfolg ihrer ersten Spur, und die führt in eine völlig andere Welt. Und die ist noch ungleich schlimmer.

"Leonessa" handelt von zwei Jugendlichen, die sich prostituieren. Entsprechend deprimierend verlaufen diese 90 Tatort-Minuten. Bei all der Tristesse wäre es nicht nötig gewesen, diese Welt zwischen Hoch- und Parkhaus ihrer matten Farben zu berauben und immer wieder in ein Quasi-Schwarzweiß zu tauchen.

Ludwigshafen-Tatort: "Leonessa": Charakterzeichnung zu oberflächlich

Weniger im Dunkeln hätte dagegen das Innenleben dieser düsteren Jugendlichen Leon und Vanessa bleiben sollen. Auch ihre Dreiecksbeziehung mit dem arabischstämmigen Samir bleibt seltsam unklar. Und warum sie sich prostituieren? Zur Erklärung darf der Zuschauer kurz in die Elternhäuser blicken: Leons Mutter ist gescheiterte Geisteswissenschaftlerin und säuft, Vanessas Eltern hocken tagsüber auf der Couch und schauen Trash-TV, der Vater ist aggressiv. Das muss reichen, viel weiter werden diese kaputten Kinderseelen nicht ausgeleuchtet.

Deshalb lässt einen die Geschichte recht kalt, spannend ist der Tatort auch nicht. Und am Schluss werden dann noch ungute Klischees bedient: Der arabische Junge wollte den fiesen Wirt töten, nur weil der seine Freundin Vanessa beleidigt hatte. Und sein Freund Leon weiß ihm nur zu helfen, indem er ihm zuvorkommt und den Wirt selbst erschießt.

Immerhin geht in dieser tristen Betonwelt noch ein wahrhaftiger Geldregen auf die Menschen herab. Und so hat der Zuschauer eine schöne Szene gesehen, an die er sich auch in ein paar Wochen noch erinnern kann.

 

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