Angriffe gegen Flüchtlinge Angefeindet in der Fremde

Germering: Brandanschlag auf Asylbewerberunterkunft Foto: AZ/Johannes Simon

Proteste, Parolen, Angriffe – auf Flüchtlingsunterkünfte wird in Bayern auch negativ reagiert. Der Bayerische Flüchtlingsrat legt Zahlen vor und fordert Maßnahmen.

 

München - Flüchtlinge haben es nicht leicht. Sie verlassen unter oft lebensbedrohlichen Bedingungen ihre Heimat. Im Zielland harren sie in Sammelunterkünften aus und warten oft monatelang auf die Bearbeitung ihres Asylantrags. Besonders hart wird die Ankunftszeit durch fremdenfeindliche Angriffe. In 130 bayrischen Orten wurden seit 2010 Unterkünfte von Asylsuchenden angegriffen. Das geht aus einer Dokumentation des Recherchearchivs a.i.d.a. hervor, die der bayerische Flüchtlingsrat am Donnerstag vorstellte.

Beispiel Germering. Dort gab es am 8. Januar einen Brandanschlag auf die abgelegene Unterkunft von 70 Asylsuchenden. Es wurde zwar niemand verletzt, aber „die Bewohner sind immer noch schwer traumatsiert“, sagt Matthias Weinzierl, der Geschäftsführer des bayerischen Flüchtlingsrats.

Beispiel München. Der Neonazi-Stadtrat Karl Richter machte kürzlich Schlagzeilen, als er in der Bayernkaserne Fotos mit ahnungslosen Asylbewerbern machte und diese anschließend für seinen Wahlkampf benutzte. „Einer will jetzt freiwillig in den Senegal zurückgehen, weil er die Situation hier nicht ertragen kann“, sagt Hamado Dipama von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Bayern. Der bayerische Flüchtlingsrat plant eine Anzeige gegen Richter.

Es gibt noch viele andere Fälle: In Schwabach-Schwarzach in Mittelfranken besprühten Neonazis eine geplante Flüchtlingsunterkunft mit rassisstischen Parolen. Es entstand ein Sachschaden von 15000 Euro. In Weiden-Stockerhut (Oberpfalz) wurden zwei zu Brandsätzen umgebaute Bierflaschen gegen die Aufnahmestelle für Asylbewerber geworfen.

Die Aktionen gegen die Flüchtlinge gehen aber nicht nur von rechtsextremistischen Gruppen aus. Meistens handelt es sich um Proteste und Unterschriftenaktionen der Anwohner. Im niederbayrischen Salzweg unterschrieben im vergangenen Herbst über 500 Einwohner eine Unterschriftenliste der NPD gegen eine geplante Asylunterkunft. In Rechtenbach in Unterfranken wurde vom Gemeinderat einstimmig beschlossen, ein Gebäude selbst zu kaufen, um die Errichtung einer Asylunterkunft zu verhindern.

Die Menschen seien aber nicht per se gegen Flüchtlinge, sagt Weinzierl. „Die Kommunen sind überfordert, es herrscht ein Reizklima. Das ist gefährlich.“ Dieses fremdenfeindliche Klima drohe zur Normalität zu werden. Von der Staatsregierung fordert Weinzierl einen beherzteren Umgang mit der Problematik und mehr Solidarität. „Man muss den Menschen zeigen, dass sie hier erwünscht sind.“

 

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