Angebliche Papsterkrankung Nach Bischofssynode: Die Gerüchte gehen weiter

Itlienische Zeitung "Il Resto del Carlino" : Beim Oberhaupt der katholischen Kirche sei ein gutartiger Tumor im Gehirn entdeckt worden. Der Vatikan dementierte umgehend. Foto: dpa

Keine Polarisierung, keine Fronten zwischen Konservativen und Reformern - so verkünden es die Bischöfe bei der Familiensynode mehr als einmal. Doch hinter den jüngsten Gerüchten um eine Papsterkrankung vermuten viele in Rom ein gezieltes Störmanöver.

 

Rom - Kurz vor Ende der Bischofssynode zu Ehe und Familie hat eine kleine Provinzzeitung noch einmal mächtig Staub aufgewirbelt in Rom. "Der Schatten eines Komplotts im Vatikan", "Teuflisches Komplott gegen den Papst" oder "Die Falle, um den Pontifex zu delegitimieren" kommentierten die "Vatikanisten" in den italienischen Medien einen Bericht über eine angebliche Erkrankung von Papst Franziskus. Das Blatt "Il Resto del Carlino" aus Bologna hatte zuvor gemeldet, beim Oberhaupt der katholischen Kirche sei ein gutartiger Tumor im Gehirn entdeckt worden. Der Vatikan dementierte umgehend.

Papstgerücht ein Ablenkungsmanöver?

Während die Synode daran arbeitete, aus einer immensen Zahl von Änderungsanträgen den Schlussbericht der dreiwöchigen Beratungen zu formen, fragten sich viele Teilnehmer, wer wohl hinter der offenkundig falschen Information steckt und was derjenige damit bezweckt. Der deutsche emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper sah darin einen Versuch, die Arbeiten der Synode zu behindern.

"Einige Personen sind nervös und blicken mit Sorge auf den Ausgang der Synode. Außerdem gefällt dieser Papst einigen nicht, das ist offensichtlich", sagte Kasper der Zeitung "Corriere della Sera". Der argentinische Erzbischof Victor Manuel Fernández, Landsmann und enger Vertrauter des Papstes, sprach von einer "apokalyptischen Strategie". "Es geht darum, denjenigen zu diskreditieren, der die Macht hat, schlecht von ihm zu sprechen und unglaublich falsche Nachrichten über ihn zu verbreiten", sagte er der Zeitung "La Repubblica".

Themen: Familien in Not, Wiederverheiratete und Homosexualität

Dass der für seine kapitalismuskritischen Töne bekannte, populäre Papst aus Südamerika auch Feinde hat, weiß man. Nach der Synode muss er entscheiden, ob und wie er die im Abschlussbericht zusammengefassten Vorschläge umsetzt. Fast drei Wochen lang haben 270 Bischöfe aus aller Welt zusammen mit Laien und Experten über die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, die soziale Situation von Familien auf der ganzen Welt, die Not der Familien auf der Flucht, über zerbrochene Beziehungen und über die heiße Frage diskutiert, ob zivil wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zugelassen werden dürfen. Das strittige Thema des Umgangs mit Homosexuellen, so ist aus Synodenkreisen zu hören, kam etwas zu kurz.

Dabei hatte zu diesem Thema ein Vatikan-Theologe einen Skandal losgetreten: Der polnische Priester Krzysztof Charamsa, bis dahin Assistenzsekretär der Internationalen Theologischen Kommission im Vatikan und Dozent an zwei päpstlichen Hochschulen, wählte den Tag vor Synodenbeginn, um sich in einem Interview als homosexuell zu outen - und noch am gleichen Tag mit seinem Partner vor die Presse zu treten. Der Vatikan entließ ihn umgehend, er kehrte Rom den Rücken.

Entscheidungen der Versammlung werden am Samstag bekannt gegeben

Auch ein Brief von 13 konservativen Kardinälen an den Papst, in dem sie sich besorgt über den Verlauf der Synode äußerten, machte noch einmal Wirbel. Ansonsten verlief die Zusammenkunft nach außen meist friedlich. In ungewöhnlich deutlicher Form distanzierte sich aber die deutsche Sprachgruppe von dem australischen Kurienkardinal George Pell. Dieser hatte in einem Interview der französischen Zeitung "Le Figaro" von einem "Kampf" zwischen den konservativen Anhängern des emeritierten Papstes Benedikt XVI. und den reformorientierten Parteigängern Kardinal Kaspers gesprochen. "Was für eine primitive Sicht", heißt es aus der deutschen Sprachgruppe.

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In dieser wird immer wieder hervorgehoben, dass sie alle Beschlüsse einstimmig getroffen hat. Das hieße, dass auch Kasper und sein mutmaßlicher konservativer Gegenspieler im Vatikan, der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, am Ende an einem Strang zogen. In ihrem Papier spricht sich die Gruppe für die Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten in Einzelfällen und über den "Weg der Besinnung und der Buße" aus. Ob es dafür eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Synode gibt, wird sich am Samstag zeigen. Aber am Ende entscheidet ohnehin der Papst.

 

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