Anfeindungen bei Bayern-Spiel Warum wird Dietmar Hopp von den Fans gehasst?

"Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen", sagt Dietmar Hopp, Mäzen von 1899 Hoffenheim. Foto: imago images / Revierfoto

Dietmar Hopp wurde vergangenes Wochenende in mehreren Bundesliga-Partien mittels Plakaten angefeindet. Der Hoffenheim-Mäzen steht für einige Fans für die fortschreitende Kommerzialisierung. Zu der üblen Hetze sagt er: "Das erinnert an ganz dunkle Zeiten."

 

Sinsheim/München - Bis zum Frühjahr 1989 war Dietmar Hopp bei der TSG 1899 Hoffenheim normales Vereinsmitglied, das in der Jugend dort mal gekickt hatte, als Stürmer. Doch als sein Klub in der Relegation nach Verlängerung 2:4 gegen den 1. FC Stabbach verlor und aus der Bezirksliga in die Kreisliga A abstieg, beschloss der damals schon zu den reichsten Deutschen zählende Unternehmer, seine TSG zu unterstützen – der Anfang einer Mäzenaten-Geschichte, die mit den unsäglichen Ultra-Plakaten beim 6:0 des FC Bayern in Hoffenheim einen denkwürdigen Höhepunkt erfahren hat.

Hass gegen Dietmar Hopp: Es fing im Kleinen an

Woher rührt der Hass gegen diesen mit zig Auszeichnungen (etwa das Bundesverdienstkreuz) geehrten Mann, der rund 800 Millionen in gemeinnützige Zwecke gesteckt hat? Im Kleinen fing es in der Kreisliga an. Hopp half bei der Verpflichtung von Erwin Rupp, einem Mittelfeldspieler, der beim VfB Eppingen 37 Spiele in der 2.Liga bestritten und dabei acht Tore erzielt hatte – und so einer spielte nun Kreisliga! So begann der Aufstieg des Dorfklubs: nach zwei Jahren in die Bezirksliga, vier Jahre Landesliga, weitere vier in der Verbandsliga, eins in der Oberliga, sechs in der Regionalliga, ehe es mit Ralf Rangnick ganz nach oben ging – das alles nicht ohne Neid beäugt von der Konkurrenz, die über weniger potente Geldgeber verfügte.

2007 kritisierte der damalige Mainz-Manager Christian Heidel, dass nur Hopps Geld die Hoffenheimer in die Bundesliga hieve: "Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profi-Fußball wegnimmt."

Hopp schrieb dem DFB: "Wir würden uns wünschen, dass man Diskriminierung, wie sie Herr Heidel betreibt, mit Konsequenz verfolgt. Denn diese infame Diffamierung unseres Klubs, die wohl bewusst den Hass auf Hoffenheim schüren soll, ist auch geeignet, Gewalt gegen uns auszulösen." Er sollte leider Recht behalten.

Hauptvorwurf gegen Hopp: Er verstoße gegen die 50+1-Regel, greife ins operative Geschäft ein, was Investoren verboten ist. Eine Ausnahmegenehmigung hatte die DFL 2014 erteilt, weil Hopp den Verein schon mehr als 20 Jahre gefördert hatte.

Erste Plakate mit Anfeindungen gegen Hopp 2008

Einer der schärfsten Hopp-Kritiker: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke. Schon vor mehr als zehn Jahren warnte er vor einer Benachteiligung von Traditionsvereinen gegenüber "Retortenklubs" und forderte die DFL auf, entsprechende Untersuchungen in Hoffenheim anzustellen. Watzke: "Wir können eben nicht sagen, lieber Hopp, lass’ es Geld regnen!"

Das erste Plakat mit Hopp im Fadenkreuz war 2008 aufgetaucht: der Beginn einer Dauerfehde zwischen Hopp und den BVB-Fans. Eine von Hopp gestellte Anzeige wurde nach einer Entschuldigung des Urhebers zurückgenommen. Eine Weile drängten die Proteste gegen RB Leipzig die Causa "Hoppenheim" in den Hintergrund.

Nach dem DFB-Urteil mit einer zweijährigen Stadion-Sperre gegen die Wiederholungstäter aus dem BVB-Fanlager ist die Auseinandersetzung neu entflammt. Diese Kollektivstrafe brachte die Ultra-Szene in Rage, weil sie dem Verband Wortbruch vorwerfen. Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte die Kollektivstrafe bei Fanvergehen ausgesetzt.

Am Tag nach der üblen Plakat-Show in der Bayern-Fankurve sagte Hopp zu "Sport1": "Mir geht es den Umständen entsprechend. Ich mache meine Arbeit. Es ist leider eine neue Dimension erreicht. Ich habe diese Solidarität gesehen und gespürt, und es ist natürlich eine große Hilfe, dass da jetzt durchgegriffen wird. Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, würde es mir alles leichter fallen, das zu verstehen. Ich kann mir nicht erklären, warum die mich so anfeinden. Das erinnert an ganz dunkle Zeiten."

Nicht mehr zu den TSG-Spielen zu gehen, ist für ihn keine Option: "Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen halt wegbleiben. Ich warte jetzt gespannt ab, wie das jetzt alles ins Rollen kommt."

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