Auf Heimweg von Europäischer Schule Gewaltexzess: Schüler prügeln Jugendlichen blind

, aktualisiert am 23.10.2019 - 17:03 Uhr
Die Europäische Schule in Neuperlach. Wer hier eine höhere Klasse besucht, muss pro Jahr knapp 7.300 Euro zahlen. Foto: Daniel von Loeper

Gewaltexzess auf dem Heimweg von einer Schule: Ein 16-Jähriger verliert bei der Schlägerei 95 Prozent seines Augenlichts.

 

Neuperlach - Ein Fall extremer Gewalt unter Schülern beschäftigt die Münchner Polizei: Ein 16-Jähriger ist am vergangenen Freitag offenbar von Mitschülern so brutal verprügelt worden, dass er auf einem Auge 95 Prozent seiner Sehkraft verloren hat.

Nach AZ-Informationen handelt es sich bei den Tätern und dem schwer verletzten Opfer allesamt um Schüler der elitären Europäischen Schule in Neuperlach: Auf diese Schule gehen viele Kinder von Mitarbeitern des Europäischen Patentamtes und der EU sowie Diplomatenkinder.

Erst gemobbt, dann blind geschlagen

Bereits am Montag (14. Oktober) soll der 16-Jährige von Mitschülern massiv gemobbt worden sein. Laut Polizei wurde er auf dem Heimweg von der Schule in Neuperlach in einen Hinterhof gedrängt und dort von zehn bis 15 Jugendlichen beleidigt und geschlagen.

Unter den Mobbern waren vier Jugendliche – drei 16-Jährige und ein 17-Jähriger – mit denen der Gemobbte einst befreundet gewesen ist. Warum er innerhalb der Gruppe in Ungnade fiel, ist bislang nicht bekannt.

Nur vier Tage nach dem Vorfall in dem Hinterhof in Neuperlach kam es zu dem Gewaltexzess. Am vergangenen Freitag (18. Oktober) passten die vier Mitschüler, die bereits zuvor dabei gewesen waren, plus ein weiterer Mitschüler den 16-Jährigen ab. Es war gegen 13 Uhr, kurz nach Schulschluss. Am Abgang zum U-Bahnhof "Therese-Giehse-Allee" gingen die fünf auf den 16-Jährigen los.

Polizeisprecher Florian Hirschauer: "Nach einer Vielzahl von Schlägen ins Gesicht und gegen den Hinterkopf ging der 16-Jährige zu Boden." Dabei verlor er kurzzeitig das Bewusstsein. "Als er wieder zu sich kam, hatten sich die Angreifer entfernt."

Zunächst konnte sich der Verletzte noch alleine auf den Weg nach Hause machen. Dort ging es ihm aber zusehends schlechter. Schließlich brachte ihn seine ältere Schwester in ein Krankenhaus. Dort stellten die Ärzte eine massive Augenverletzung fest und überwiesen den 16-Jährigen in eine Spezialklinik. Dort wiederum attestierte ein Augenarzt eine Minderung der Sehkraft von 95 Prozent.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung gegen die fünf Mitschüler.

Direktor der Europäischen Schule bedauert Vorfall

Der Direktor der Europäischen Schule, Anton Hrovath, sagte auf Nachfrage zur AZ: "Es ist extrem bedauerlich, was geschehen ist. Wir sind in Kontakt mit der Familie des verletzten Schülers." Wie es zu der Gewalttat gekommen sei, könne er derzeit nicht sagen. "Wer wo wie beteiligt war, ist noch Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen." Auch intern müsse der Fall erst noch geklärt werden. "Die Aussagen sind teilweise widersprüchlich", so Hrovath.

Die Schule in der Elise-Aulinger-Straße (gegründet 1957) ist eine von 13 Europäischen Schulen und wird von den EU-Regierungen beaufsichtigt. Die Kinder werden mehrsprachig unterrichtet, Zielsetzung ist multikultureller Unterricht ab dem Kindergarten. Das Leitbild der Schule ist "ein offenes, respektvolles und tolerantes Schulklima". Mobbingprävention sei ein wichtiges Thema.

Die Europäische Schule hat seit Jahren mehr Bewerbungen als Aufnahmekapazitäten. Für Kinder, deren Eltern nicht am Europäischen Patentamt oder bei der EU beschäftigt sind, beträgt das Schulgeld in der höheren Schule pro Jahr fast 7300 Euro.

Im Kindergarten kostet das Jahr knapp 3900 Euro, in der Grundschule rund 5.300 Euro Schulgeld.

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