Am Mittwoch schon im Stadion? Hoeneß frei: Fifa-Präsident Infantino freut sich

Wird auch zukünftig wieder bei den Basketballern der Bayern zu sehen sein: Uli Hoeneß. Foto: sampics/Augenklick

Vorzeitige Entlassung für Ex-Bayernpräsident Uli Hoeneß: Der 64-Jährige ist seit Montagmorgen ein freier Mann. Wo er sich jetzt befindet, was er plant...

München - Uli Hoeneß ist wieder ein freier Mann. Schon nach der Hälfte seiner dreieinhalbjährigen Gefängnisstrafe wurde der 64-Jährige am Montag vorzeitig aus der Haft entlassen, wie das bayerische Justizministerium der Deutschen Presse-Agentur in München auf Anfrage mitteilte. Einzelheiten zum genauen Zeitpunkt und zum Ort der Entlassung nannte das Ministerium nicht. Hoeneß ist jetzt auf Bewährung frei.

Hoeneß soll sein Haus am Montag nicht verlassen

Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte in Zürich: "Ich freue mich ungemein, dass er wieder da ist." Hoeneß sei eine Ikone des FC Bayern und des deutschen Fußballs. "Es ist für den Fußball und ihn selbst gut, dass er wieder da ist."

Info

Der Fall Uli Hoeneß Der Fall Uli Hoeneß

Die AZ zeichnet die spektakulären Entwicklungen nach. Vom ersten Tag bis zur Haftentlassung.

 

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines geheimen Kontos in der Schweiz.

 

Der Fall Uli Hoeneß Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an.

 

Der Fall Uli Hoeneß 20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von den Ermittlern. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Dieser wird gegen Kaution außer Vollzug gesetzt.

 

Der Fall Uli Hoeneß 20. April 2013

Der "Focus" macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst.

 

Der Fall Uli Hoeneß 21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. Die Kritik an ihm nimmt zu.

 

Der Fall Uli Hoeneß 6. Mai 2013

Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayern München AG.

 

Der Fall Uli Hoeneß 30. Juli 2013

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage wegen Steuerhinterziehung.

 

Der Fall Uli Hoeneß 13. November 2013

Hoeneß wird auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern gefeiert.

 

Der Fall Uli Hoeneß 10. März 2014

Begleitet von einem riesigen Medieninteresse beginnt in München der Prozess. Hoeneß gesteht, 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

 

Der Fall Uli Hoeneß 11. März 2014

Die Summe der hinterzogenen Steuern wird noch höher - Grundlage sind Berechnungen einer Steuerfahnderin.

 

Der Fall Uli Hoeneß 13. März 2014

Das Landgericht München spricht Hoeneß wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig. Er wird zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

 

Der Fall Uli Hoeneß 14. März 2014

Uli Hoeneß akzeptiert seine Haftstrafe und tritt mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern beim FC Bayern München zurück.

 

Der Fall Uli Hoeneß 2. Juni 2014

Hoeneß tritt seine Haft in Landsberg am Lech an.

 

Der Fall Uli Hoeneß 20. September 2014

Erster Ausgang: Für einige Stunden kann Hoeneß das Gefängnis verlassen, um sich mit seiner Familie zu treffen.

 

Der Fall Uli Hoeneß 24. Dezember 2014

Zu Weihnachten erhält Hoeneß Urlaub und darf zwei Nächte außerhalb der Gefängnismauern schlafen.

 

Der Fall Uli Hoeneß 1. Januar 2015

Hoeneß wird Freigänger. Er muss jetzt nur noch zum Übernachten in die JVA, tagsüber arbeitet er in der FC-Bayern-Jugendabteilung.

 

Der Fall Uli Hoeneß 24. Februar 2015

Sat.1 beginnt mit den Dreharbeiten zu einer Satire, die an den Fall Hoeneß angelehnt ist. Im Mai beginnt auch das ZDF mit den Dreharbeiten zu einem Doku-Drama mit dem Titel «Uli Hoeneß - Der Patriarch».

 

Der Fall Uli Hoeneß 3. November 2015

Der Anwalt von Hoeneß bestätigt, dass sein Mandant einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt hat. Eine Freilassung ist frühestens zur Hälfte der Haftstrafe Ende Februar 2016 möglich.

 

Der Fall Uli Hoeneß 21. Dezember 2015

Hoeneß ruft beim Radiosender Antenne Bayern an und spendet bei einer weihnachtlichen Spendenaktion 10.000 Euro.

 

Der Fall Uli Hoeneß 18. Januar 2016

Die für das Landsberger Gefängnis zuständige Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Augsburg entscheidet, dass die Haftstrafe zum 29. Februar auf Bewährung ausgesetzt wird.

 

Der Fall Uli Hoeneß 22. Januar 2016

Die Münchner Staatsanwaltschaft verzichtet auf eine Beschwerde dagegen, lässt aber durchblicken, dass sie gegen die sogenannte Halbstrafenregelung bei Hoeneß ist.

 

Der Fall Uli Hoeneß 23. Januar 2016

Der 64-Jährige teilt mit, dass er seinen Lohn aus der 14-monatigen Freigängerzeit der «FC Bayern Hilfe e.V.» spendet. Er hatte in der Nachwuchsabteilung der Bayern gearbeitet und dafür nach Informationen der «Sport Bild» einen Betrag «im hohen fünfstelligen Bereich» verdient.

 

 

Der Fall Uli Hoeneß 29. Februar 2016

Uli Hoeneß ist ein freier Mann. Wie geplant wird er am Morgen vorzeitig aus der Haft entlassen.

von

Nach Angaben seines Sohnes Florian ist Uli Hoeneß bereits zu Hause in seinem Anwesen oberhalb von Bad Wiessee am Tegernsee. Florian Hoeneß sagte wartenden Journalisten am Montagmorgen vor dem Haus, sein Vater sei daheim. Er werde sein Haus am ersten Tag nach der Haftentlassung nicht verlassen.

Wie verbringt Hoeneß seine ersten Stunden in Freiheit?

Wie die "Welt" berichtet, ist aus dem Haus laute Musik zu hören. Dafür sorgte demnach auch eine Blaskapelle, die für Hoeneß spielte. Sind weitere Gäste zu erwarten? "Hier kommt weder ein Tönnies (Aufsichtsratschef des FC Schalke 04) noch ein Beckenbauer zum Gratulieren", sagte Hoeneß´ Sohn Florian laut "Welt" am Morgen.

Am Mittwoch gegen Mainz schon wieder im Stadion?

Der erste offizielle Auftritt von Hoeneß, so schien es, sollte eine Laudatio für seinen Freund und Ex-Bayern-Trainer Jupp Heynckes am 13. März sein. Wie die "Bild" nun berichtet, soll Hoeneß aber bereits am Mittwoch wieder bei einem offiziellen Anlass zu sehen sein: Beim Bayern-Heimspiel gegen den FSV Mainz 05. "Er wird seinen Platz auf der Tribüne einnehmen", schreibt das Blatt.

Freilassung lief wohl in einer Nacht- und Nebelaktion

Die Entlassung vollzog sich offenbar in einer von der Justiz eingefädelten Nacht- und Nebelaktion. Vor der Außenstelle Rothenfeld des Landsberger Gefängnisses, in der Hoeneß seit Anfang 2015 als Freigänger übernachtete, wurde er am Morgen jedenfalls nicht gesehen. Gut möglich, dass er die letzte Nacht hinter Gittern wieder in Landsberg schlief, wo er die ersten sieben Monate zugebracht hatte.

Unbemerkt von den Medien wurde der 64-Jährige dann bei neblig-kaltem Wetter frühmorgens zu seinem Landhaus an den Tegernsee gefahren.

Beckenbauer am Montag: "Bayern braucht ihn"

"Uli soll erstmal abschalten - und dann wieder einsteigen. In welcher Funktion auch immer. Bayern braucht ihn", erklärte Franz Beckenbauer in der "Bild" (Montag). In der Liga wäre Hoeneß jedenfalls schon jetzt willkommen. "Das sind Dinge, die muss er für sich selbst entscheiden mit den anderen Verantwortlichen", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler dem TV-Sender Sky.

Der FC Bayern und Uli Hoeneß - das wird immer zusammen gehören. Mit seinen Basketballern fieberte der 64-Jährige schon am vergangenen Wochenende beim Pokalfinale in der Halle mit, das Comeback im Stadion rückt auch näher. In den nächsten Monaten "werde ich Fußball genießen, ins Stadion gehen und wieder Fan sein", sagte Hoeneß im "kicker". Sein Platz auf der VIP-Tribüne ist für ihn frei.

Entlassung dank seltener Halbstrafenregelung

Das Münchner Landgericht hatte Hoeneß am 13. März 2014 wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Am 2. Juni 2014 trat er seine Strafe im Gefängnis von Landsberg am Lech an. Bereits Anfang 2015 wurde er Freigänger. Er arbeitete seitdem tagsüber in der Jugendabteilung des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern, dessen Präsident er bis zu seiner Verurteilung war. Die meisten Wochenenden verbrachte er in seinem Haus in Bad Wiessee am Tegernsee, weil ihm Urlaub zustand.

 

Hoeneß kam aufgrund der selten angewandten Halbstrafenregelung bereits nach 21 Monaten Gefängnis frei. Üblicherweise werden Haftstrafen erst nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt. Paragraf 57 des Strafgesetzbuchs ermöglicht aber in Ausnahmefällen die Aussetzung der Strafe schon nach der Hälfte der Zeit. Die Bewährungszeit wurde im Fall von Hoeneß auf drei Jahre festgelegt. Er darf sich in dieser Zeit strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen.

Bei der Entscheidung zugunsten des 64-Jährigen wurden unter anderem dessen Persönlichkeit, sein Vorleben, die Umstände der Tat und das Verhalten während der Haft berücksichtigt. Hoeneß habe sich trotz seiner Position stets in die Gefangenengemeinschaft integriert, so das zuständige Gericht. Bei seinen zahlreichen Ausgängen sei es zu keinen Beanstandungen gekommen. Den Schaden habe der ehemalige FC-Bayern-Chef durch Zahlungen in Höhe von mindestens 43 Millionen Euro wieder gutgemacht.

Hoeneß bald wieder Bayern-Präsident?

Hoeneß dürfte als freier Mann erst einmal Urlaub machen und die Öffentlichkeit vorerst meiden, hieß es aus seiner Umgebung. Am 13. März aber hat der Ex-Präsident des FC Bayern seinen wahrscheinlich ersten öffentlichen Auftritt: In Mönchengladbach will er die Laudatio auf Trainer-Urgestein Jupp Heynckes (70) halten. Der frühere Bayern-Trainer erhält den Ehrenring seiner Heimatkommune für "seine herausragenden Verdienste um die sportliche Bedeutung der Stadt". Es war der Wunsch von Heynckes, dass kein anderer als sein Sportsfreund Hoeneß die Laudatio hält.

Dieter Hoeneß: "Bin erschrocken, Uli sah nicht gut aus"

Erst Mitte des Jahres will Hoeneß angeblich seine Entscheidung bekanntgeben, ob er beim FC Bayern wieder an vorderster Front mitmischt. Fans, Mitglieder und Freunde würden ihn nur zu gerne wieder auf dem Vereinsthron sehen. Die Präsidentenwahl findet im November statt, eine Ämterteilung mit dem amtierenden Präsidenten Karl Hopfner ist eine bestens vorstellbare Variante. Hoeneß würde dann den FC Bayern als Präsident führen, Hopfner weiter den Posten als Aufsichtsratsvorsitzender an der Seite von einflussreichen Wirtschaftsführern behalten. Hopfner hatte mehrfach betont, dass er nicht gegen Hoeneß um das Präsidentenamt kandidieren werde.

Viele Bayern-Anhänger haben noch die Worte von Hoeneß bei der letzten Mitgliederversammlung vor seiner Inhaftierung im Mai 2014 im Ohr: "Und dann, wenn ich zurück bin, werde ich mich nicht zur Ruhe setzen", hatte der Fußballmanager damals gesagt und hinzugefügt: "Das war's noch nicht!"

 

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