Alte Viehbank im Schlachthofviertel Das Forum Humor stellt sein Museumskonzept vor

Frohe neue Welt: Der Humorist Peter Gaymann hat schon ganz konkrete Ideen für das „Forum Humor und Komische Kunst“ in der Zenettistraße 17. Foto: Peter Gaymann

Das „Forum Humor und Komische Kunst“ stellt dem Oberbürgermeister Dieter Reiter und den Stadtratsfraktionen das Nutzungskonzept für die Viehbank im Schlachthofviertel vor

 

Die Vorstellung der Pläne zu einem Zentrum für Humor darf keine trockene Angelegenheit sein. Der Rathaus-Herr Dieter Reiter fühlte sich bei der Begrüßung an seine Schulzeit erinnert, wo alle sich immer in die hinteren Bänke gesetzt hätten. Also bat er im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses alle, sich zusammen mit den Fraktionsvertretern in das zentrale Halbrund nach vorne zu setzen, mit ungestörtem Blick auf die Leinwand.

„Der Platz unter dem superschweren Messingkronleuchter bleibt aber frei – bei allem Vertrauen in die Ingenieurskunst der Statiker“, witzelte Reiter. Dort stand dann auch nur der Projektor für die Präsentation. Dann stellten die Vertreter des Projekts „Forum Humor und Komische Kunst“ ihr Konzept für das Haus in der Zenettistraße vor, wo zwischen Wirtshaus im Schlachthof und neuem Volkstheater ein „neuer Typus von Kulturinstitution“ entstehen soll.

Noch ohne Stadtratsbeschluss

Der Sinn dieser Veranstaltung war anfangs nicht jedem deutlich, denn bereits im vergangenen Herbst hatten die Fraktionen von SPD, CSU und Grüne grundsätzlich und einhellig die Idee begrüßt, die seit zwei Jahrzehnten leerstehende ehemalige Alte Viehbank zum „Komischen Museum“ umzubauen. Aber auch hier stellte Reiter klar: „Es braucht noch einen Stadtratsbeschluss vor der Sommerpause.“

Denn bei einem Großprojekt (geschätzte Kosten mindestens 16 Millionen Euro) in dieser Lage gäbe es viele Interessenten. Es müsse europäisch ausgeschrieben werden – außer es gebe für die Nutzung etwas ganz Besonderes, ein „Alleinstellungsmerkmal“. Hinter dieses müsste sich dann der Stadtrat mit einer Mehrheit stellen. Genau dafür wollte die Vorstellungsrunde mit Gerhard Polt (Kabarettist), Peter Gaymann (Hühnersatirezeichner), Till Hoffmann (Lustspielhaus- und Kleinkunstkönig), Rudi Hurzlmeier (Cartoonist) und Christoph Well (Musiker) die Politiker gewinnen: „Den Menschen und München etwas zu lachen geben“, das sei in Form des geplanten „Hauses für Humor“ einmalig – jedenfalls in Deutschland, wahrscheinlich in Europa und vielleicht sogar auf der Welt.

Zum Lachen in den Keller

Dann wurde Gerhard Polt ins Rennen geschickt mit seinem Diktum der Definition des Menschen, der „ein Vieh ist, das lacht.“ Frei nach Aristoteles, der meinte, der Mensch sei ein „politisches Tier“. Polt schlug auch gleich den großen Bogen: „Demokratie ist ohne Humor nicht möglich!“ Er bezog sich auf die Pegida-Demonstranten, von denen während der Präsentation ein elendes Resthäufchen auf dem Marienplatz um einen Lautsprecherwagen stand.

„Wenn ich in diese verbitterten Pegidagesichter schau, die dann noch rufen ,Wir sind das Volk!’“, dann sei klar, dass Humor das Gegenteil sei von Totalitarismus, also demokratisch. Leider aber habe der Humor schlechte Karten, auch in der Schule, „weil die lieber was Seriöses“ unterrichteten. Im Slawischen aber, so Polt, könne man sehen: da bedeutet „seriös“ auch „grau“. Also wäre Humor „bunt“ und ein Forum Humorum würde München eben „bunter“ machen.

An Reinhard Wittmann, dem Vorsitzenden des Vereins, der das Humor-Pojekt antreibt, war es dann, Genaueres zu zeigen: dass neben Kabarettisten auch Musiker, Filmemacher, Psychologen und Autoren das Forum im Schlachthofviertel beleben sollen. Vor dem Eingang soll ein „Lachplatz“ mit Skulpturen entstehen. Statt einer Eintrittskarte solle man ein „Mitspielticket“ erwerben, das einen zur Interaktion auffordere – „und bei Humorlosigkeit einen auch mal zum Lachen in den Keller schickt.“

Eine Akademie für Komische Kunst

Ein Humorparcour soll Humor sinnlich erfahrbar machen. Der Zuschauer kann an Stationen und „Humorwelten“ etwas über Wahrnehmungspsychologie und Humorgeschichte lernen. Die „Kinderperspektive“ ist Teil des Gesamtkonzepts, das jedes Alter ansprechen soll. Modern ist man durch Virtual Reality, Besucher können Witzerfahrung sammeln und austauschen.

Und weil München Humorheroen besitze, soll es auch eine „Hall of Fun and Fame“ für Karl Valentin oder Dieter Hildebrandt geben. Im zweiten und dritten Stock sollen eine „Akademie der Komischen Kunst“ mit Workshops von Profis wie Eckart von Hirschhausen oder Thomas Hermanns eingerichtet werden. Auch Agenturen für Komikkünstler und Künstlerateliers bekämen hier Platz.

Abschließend entscheiden über das Projekt wird erst der neue Stadtrat nach der Kommunalwahl. Der über zehnjährige Kampf für einen komischen Ort in München geht also weiter. Und zu klären bleibt auch, was die Stadt im Fall eines neuen „Hauses des Humors“ beispielsweise mit dem Archiv des „Simplicissimus“ im Stadtmuseum macht und wie die Zukunft des Valentinmusäums im Isartor aussieht. 

 

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