"Alles Käse" Nach Verbalattacken: Horst Seehofer stellt sich hinter Markus Söder

Mehr Weihnachtsstimmung geht kaum: Horst Seehofer. Foto: Gerald Schneider

Der scheidende CSU-Chef Horst Seehofer nimmt bei der Weihnachtsfeier der Landesleitung seinen Nachfolger Markus Söder in Schutz – was er sonst sagt.

 

München - In der CSU-Landesleitung weihnachtet es. Der große Saal im Erdgeschoss, in dem sonst Pressekonferenzen ablaufen, gleicht einem Winterwald. Tannenbäume stehen da, von der Decke baumeln Deko-Eiskristalle und Schneeflocken-gleiche weiße Kugeln. Auf der Bühne vor einer Fototapete eines Winterwaldes und neben einem festlich geschmückten Christbaum steht ein innerlich aufgeräumter Parteichef. Zum elften und letzten Mal hat Horst Seehofer zur Medienweihnachtsfeier geladen.

Sichtlich gerührt ist Seehofer, der von Wehmut spricht. "Kultstatus" hätten diese Treffen erreicht, meint er und bezieht sich damit darauf, dass er einst, als die Feiern noch in der Reitschule stattfanden, den Medienvertretern einimpfte, wie sehr er sich über die ständigen "Schmutzeleien" des damaligen Kronprinzen Markus Söder ärgerte. Am Mittwochabend klingt das ganz anders. "Die CSU kann zufrieden sein." Aus "vollem Herzen" werde er Söder, der ihn bereits als Ministerpräsident beerbte hat, beim Parteitag am 19. Januar auch als CSU-Vorsitzenden vorschlagen.

So sehr glaubt Seehofer offenbar an die nun gefundene Regelung, dass er Söder auch gegen Kritik in Schutz nimmt. In mehreren Interviews hatte der einstige CSU-Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg über Söder abgeledert und ihm die charakterliche und intellektuelle Eignung zum Parteichef abgesprochen. "Alles Käse", meint dazu Seehofer, ohne Guttenberg, den er selbst lange gefördert hatte, beim Namen zu nennen. Jede Zeit hat ihren Stil und Vergleiche mit Amtsvorgängern "bringen nichts", betont Seehofer.

Kopfschütteln nach Guttenbergs Verbalattacken

Damit trifft er offenbar zumindest weitgehend die Haltung in der Partei. Mehrere Vertreter zeigen sich ähnlich fassungslos über Guttenbergs Verbalattacken. Man könne nicht nachvollziehen, was dieser mit seinen Äußerungen bezwecke. Und überhaupt: Wer selbst nicht springe und nicht für Ämter kandidiere, solle nicht jene kritisieren, die sich in die Verantwortung nehmen ließen. Zudem sei in der Partei für Kontinuität gesorgt. Söder, so berichtet Seehofer, habe bereits deutlich gemacht, dass Generalsekretär Markus Blume im Amt bleiben solle.

Die neue innerparteiliche Harmonie will sich die CSU gerade so kurz vor Weihnachten jedenfalls nicht verderben lassen. Die Partei könne zufrieden sein, die Stimmung sei "gut" und für den Parteitag im Januar sei man gut vorbereitet. Es zeige sich nun, "wie wichtig Zusammenhalt ist", sagt Seehofer und nimmt damit auf die vielen Streitereien innerhalb der Partei, aber auch mit der Schwester CDU Bezug, die die vergangenen Monate sehr geprägt und für Sprengstoff in der Koalition gesorgt hatten. Er selbst hatte daran ja auch seinen Anteil. Jetzt sei der Umgang miteinander "gut".

Und Seehofer glaube wieder an Erfolge der Union, auch in der Zusammenarbeit mit der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. "Sie geht auf uns zu", sagt Seehofer. Zwischen den beiden Parteien herrsche nun "ehrliche Einigkeit".

Seehofer wirbt für Zuwanderung nach Bayern

Die Einigung auf ein Einwanderungsgesetz nach jahrzehntelangem Gezerre, das auch das Kabinett inzwischen beschlossen hat, sei Ausdruck dieses neu gefundenen Miteinanders. Der Gesetzentwurf sei eine "gute Grundlage" für das weitere parlamentarische Verfahren. Ausdrücklich wirbt Seehofer dafür: "Ohne Zuwanderung sind Wohlstand und die Sicherheit der Arbeitsplätze nicht zu gewährleisten." So manchen habe es überrascht, dass ausgerechnet ein CSU-Innenminister, dem man sonst gerne vorwerfe, er würde am liebsten einen "Zaun um den Freistaat" bauen, ein solches Gesetz mit vorangebracht habe. Dennoch aber müsse man bei der Zuwanderung weiter mit Augenmaß agieren und dürfe die Bürger nicht überfordern.

Nach vielen Monaten des Gezerres, des Streits, der Sticheleien und der Unsicherheiten gibt sich auch Seehofer versöhnlich. Er weiß, dass er bald, ohne das Amt des Parteivorsitzenden, auf das Wohlwollen anderer angewiesen sein wird. Denn auch bei der Entscheidung darüber, wen die CSU an den Kabinettstisch im Bund entsendet, hat der Parteichef ein sehr gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Nur eines gibt Noch-Parteichef Seehofer als Parole aus: Die CSU, die 60 Jahre lang die Geschicke im Freistaat gestaltet hat, muss "ihre einzigartige Rolle behalten". Daran will Seehofer offenbar aktiv mitwirken. Und wer weiß, vielleicht veröffentlicht er in gar nicht so ferner Zukunft ein Buch, in dem er beschreibt, wie aus seiner Sicht alles wirklich war. Er würde sich sicher gut verkaufen.

 

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