Algen, Ultraschall, Chemie: Was wirkt? So kämpft die Stadt gegen die Ameisen-Plage

Die Krabbler nerven vielerorts. Drei Jahre lang sind verschiedene Mittel ausprobiert worden. Hier steht, was hilft (und was nicht), was es kostet – und welchen Einfluss das Wetter dabei hat

München Sie sind winzig – und können doch große Nervensägen sein: Ameisen. Im gesamten Stadtgebiet sorgen sie für „erhebliche Belästigung“ – das wird ihnen vom städtischen Bildungsreferat attestiert.

„Einige Flächen sind so stark mit Ameisen besiedelt, dass die Benutzung oder auch ein Verweilen bei sonniger und trockener Witterung unmöglich wird“, steht in einer aktuellen Stadtratsvorlage. „Die Tiere versuchen sofort, auf Bekleidung und Körper zu klettern und sich dort zu verbeißen.“ Besonders betroffen: Spielplätze in Grünanlagen und an Kitas, Schulhöfe, Sportanlagen und noch manch andere Stellen in Stadtparks.

Die Stadt hat versucht, die Ameisen zu bekämpfen: Bei 72 Kindertageseinrichtungen und 63 Spielplätzen ging sie innerhalb von drei Jahren – von 2009 bis 2012 – gegen die lästigen Insekten vor. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Was hat geholfen? Was nicht? Darüber geben Bürgermeisterin Christine Strobl und Stadtschulrat Rainer Schweppe jetzt im Stadtrat Auskunft.

Zuerst hat man es auf Empfehlung des Umweltreferats hin ohne Chemiekeule versucht. Ein Vergrämungsmittel auf Duftstoffbasis machte allerdings wenig Eindruck auf die Krabbler. Schnell kehrten sie zurück. Ein anderes Präparat auf Basis fossiler Algen wirkte zwar drinnen. Doch als es draußen auf vier stark befallenen Spielplätzen in Obermenzing geballt zum Einsatz kam, nutzte das nicht viel. Trotz enormer Kosten.

Schließlich bot der Hersteller eines weiteren Duftstoffpräparats sein Produkt an. Ergebnis: ebenfalls unbefriedigend. Sogar mit Ultraschall-Vergrämungsgeräten probierten es die Spezialisten. Ohne Erfolg.

Kurzzeitig wurde auch der Einsatz von Leimringen erwogen, die eigens an Bäumen und an allen (!) Trieben von Sträuchern hätten angebracht werden müssen. Damit die Ameisen nicht mehr zu ihrer Hauptnahrungsquelle klettern können – den Ausscheidungen von Blattläusen. Ein riesiger Aufwand. Und am Schluss wären auch andere Insekten dran kleben geblieben.

Also blieb doch wieder nur: der Einsatz von Chemie. Dabei achteten die Spezialisten darauf, dass keine Rückstände an der Oberfläche zurückbleiben. Der Wirkstoff wurde in Wasser gelöst und direkt in die Öffnungen von Ameisennestern, unter Felsen, Platten oder die Erde gespritzt. Besonders stark befallene Holzelemente wurden ausgetauscht.

Die Experten stellten fest: Ob so eine Ameisenbekämpfung Erfolg hat, hängt auch vom Wetter ab. Wenn es gleich regnet, nachdem die Mittel eingesetzt wurden, wirken sie nicht mehr richtig.

Der Erfolg des Ganzen: Eine Kombination aus Chemie und Vergrämungsmitteln sorgte dafür, dass 90 bis 95 Prozent der Ameisen getilgt waren. Bei insgesamt 79 Prozent der Objekte herrschte auch in den Folgejahren weitestgehend Ruhe. Dort, wo die Krabbler sich besonders stark ausgebreitet hatten, waren teils aber noch weitere Bekämpfungsaktionen nötig.

Doch auf Dauer kommen die Tiere wieder. Wandern von benachbarten Flächen rüber. Das Fazit der Gutachter nach drei Jahren Erprobung: „Eine vollständige Tilgung des Befalls wird mit Sicherheit niemals zu erreichen sein.“

In Zukunft sollen die Spielplätze weiter nach Bedarf behandelt werden. Wobei die Stadt umweltschonende Alternativen nicht aus den Augen verlieren will. 20 bis 30 öffentliche Spielplätze will das Baureferat im Jahr von den Insekten befreien, damit die Kinder wieder darauf toben können, ohne dauernd gepiekst zu werden. Jährliche Kosten: 20000 bis 30000 Euro. Außerdem sollen die Ameisen bei 30 bis 50 Kindertageseinrichtungen im Jahr bekämpft werden.

Sie tun weh, können aber heilen

Ein paar Fakten über Ameisen, die in Urzeiten schon Dinosaurier ärgerten

Ameisen sind Plagegeister – wie viele Insekten. In der Kreidezeit, also vor über 130 Millionen Jahren, sollen sie den Raubsaurier Tyrannosaurus Rex geärgert haben. Auch heute noch ist Angriff ihre beste Verteidigung: So nehmen Rote Waldameisen eine Hand schon aus 15 Zentimetern wahr, schwingen ihr Hinterteil zwischen den Beinen nach vorne und spritzen Ameisensäure auf den potenziellen Angreifer.

Besonders unangenehm wird’s, wenn die Ameise mit ihren Kiefern vorher zubeißt – die Säure lässt die Haut aufquellen. Allerdings heilt sie auch. Im Regenwald Brasiliens sollen Ameisen früher sogar eine chirurgische Funktion bei Verletzungen übernommen haben: Sie wurden am Kopf hinter den Scheren gefasst und an die zusammengedrückten Wundränder gehalten. Dann wurde der Kopf der Ameise vom Rumpf getrennt – die Scheren hielten die Wundränder wie Klammern zusammen, und die Ameisensäure wirkte antibakteriell.

Eine Mär ist allerdings, dass vergiftete Ameisen tot nur nach links umfallen. Sie krümmen sich zusammen – auf welcher Seite sie dabei liegen bleiben, ist Zufall.

 

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