"Alarmierender" Anstieg Arbeiten in München: 45 Prozent pendeln in die Stadt

Auto, S-Bahn, Zug oder gar mit dem Fahrrad: Immer mehr Menschen pendeln nach München. Foto: Felix Hörhager/dpa/AZ-Montage

Wenn es so weiter geht, wohnt bald die Mehrheit der Arbeitnehmer nicht mehr in der Stadt – die Gewerkschaft fordert Konsequenzen.

München - Man kann es fühlen: am Morgen und am Abend auf den vollen Straßen und in den vollen Bahnen. Münchnen bläst sich am Tag auf. Mit vielen, vielen Pendlern. Und es werden immer mehr.

München ist die Pendler-Stadt Nummer eins in Deutschland.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Demnach kommen schon 45 Prozent aller Berufstätigen in München zum Arbeiten aus dem Umland in die Stadt – ein Anstieg von einem Fünftel seit dem Jahr 2000. Damit hat man noch mehr Einpendler als etwa Frankfurt am Main.

Die Gewerkschaft IG Bau nannte den hohen München-Wert am Dienstag in einer Mitteilung "alarmierend". "Immer mehr Menschen müssen immer weitere Strecken zur Arbeit zurücklegen und verbringen immer mehr Lebenszeit im Stau", sagte IG-Bau-Oberbayern-Chef Michael Müller.

Die IG Bau macht die Politik für den Trend verantwortlich. "Seit Jahren hält das Angebot bezahlbarer Wohnungen nicht mit dem Bedarf Schritt", sagte Müller. "Wir haben in München eine gute Entwicklung bei den Arbeitsplätzen, aber für die Menschen wird es immer schwieriger, sich hier eine Wohnung zu leisten", sagte Müller. "Strecken über 50 Kilometer bis zum Betrieb sind mittlerweile gang und gäbe."

Die Münchner Stadt-Politik setzt auf eine Doppel-Strategie. Sie will bezahlbaren Wohnraum fördern. Aber an der Stadt-Spitze ist man der Ansicht, dass sich der weiterhin starke Zuzug nur gemeinsam mit dem Umland meistern lässt. Das heißt: Pendeln wird gefördert, soll interessanter werden durch attraktive Tarife, mehr Bahnen – und dadurch, dass auch im Umland mehr gebaut wird. "Die Entwicklungen der hierfür benötigten Flächen und Infrastrukturen enden weder an der Gemeinde-, noch an der Stadt- oder Landkreisgrenze", heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Stadt. Deshalb habe OB Dieter Reiter (SPD) 2014 auch die Regionale Wohnungsbaukonferenz mit den Umland-Landkreisen ins Leben gerufen.

Am Mittwoch trifft sich Reiter in Ebersberg zur dritten Wohnungsbaukonferenz. Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß (CSU) erklärte: "Dass wir uns dieses Jahr in Ebersberg treffen, freut mich ganz besonders. Dies ist ein Signal, dass die Region bei dieser zentralen Herausforderung zusammensteht." Nichts deutet darauf hin, dass die Pendlerströme so schnell nachlassen. Die Frage ist, wie sie gesteuert werden.

 

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