Abzocke München: Kunden ein Prozent Zinsen am Tag versprochen

Olaf S. (56) soll Millionen-Betrüger geholfen haben. Jetzt steht er vor dem Landgericht München II. Foto: Torsten Huber

Ein Betrüger zockt im Internet Opfern über 1,6 Millionen Euro ab. Ein Helfer(56)  steht jetzt wegen Betruges vor dem Münchner Landgericht.

 

München - Die Gier nach dem schnellen Geld lässt manchen Menschen offenbar keine Zeit zum Nachdenken: Ein Prozent Zinsen am Tag hat eine Internet-Firma versprochen – und so über 1,6 Millionen Euro abgezockt.

Jetzt sitzt der 56-jährige Olaf K. wegen gemeinschaftlichen Betruges in 47 Fällen vor der 5. Strafkammer beim Landgericht München II. Olaf K. ist eigentlich nur ein Mitläufer, der den Internet-Auftritt des vermeintlichen Haupttäters Sven S. nur gepflegt haben will: „Ich lebte damals mit meiner dritten Frau in Thailand. Mir ist langweilig gewesen.“

Im Internet sei er dann 2005 auf die besagte Seite gestoßen. Dort wurde mit der Fantasie-Währung „Jodi“ gehandelt: „Ich habe zehn Euro eingezahlt – und plötzlich hatte ich 2000 Euro.“ Mit der Masche köderte Sven S. seine Kunden. Zunächst zahlte er Gewinne aus.

Wenn der Kunde dann noch mehr Geld überwies, kassierte Sven S. ab. Ein Anleger hat so über 500000 Euro verloren. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl (der übrigens ab dem 10. März das Steuerverfahren gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß eröffnet) ist zunächst sprachlos.

Wie man denn annehmen könne, dass man pro Jahr 365 Prozent Zinsen erwirtschaften könne, fragt er: „Ich verstehe das nicht!“ Olaf K. sagt: „Ich bin selber erstaunt gewesen. Aber der Herr S. suggeriert jedem, dass es klappt.“ Er habe sich damals mit Sven S. telefonisch in Verbindung gesetzt.

Bei einem Treffen in Deutschland habe Sven S. dann vorgeschlagen, dass Olaf S., der über gute Computerkenntnisse verfügt, seinen Internetauftritt neu gestalten solle. Richter Heindl überzeugt die Einlassung nicht wirklich.

Der Angeklagt beteuert: „Ich möchte es noch einmal betonen: Ich habe nicht mit Herrn S. betrogen. Ich bin zwar leichtfertig. Aber nicht dumm.“ Das Verfahren ist auf sechs Tage angesetzt.

 

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