Abriss am Hauptbahnhof Servus, Münchner Schalterhalle - Jetzt rollen die Bagger an

Ein letzter Blick in die leere Schalterhalle. Seit Montagmittag ist der Durchgang für die Münchner gesperrt. Foto: Daniel von Loeper

Große Teile des Hauptbahnhofs sind nun nicht mehr zugänglich. Beim Abschied gab es nochmal Protest, aber auch viel Verständnis für den Abriss. So geht es jetzt weiter.

 

München - Dieser Ort war für Münchner so vieles. Hier trafen sie eine neue Liebe, manchmal eine alte – oder einfach auch Freunde. Hier begannen tausende Schulausflüge, einigen bot die Halle Schutz, wenn Platzregen einsetzte und die meisten hasteten wohl einfach nur durch, wenn sie zum Zug hetzten. Doch eines war die gute alte Schalterhalle wohl nie, weshalb sie nun schutzlos Baggern, Presslufthämmern und Bohrern ausgeliefert ist: eine anerkannte Schönheit.

Eine anerkannte Schönheit war die Schalterhalle nie

Als die Gamsgetier Musi am Montagmittag bairisch-volksmusikalisch das letzte Geleit spielt, stehen aber trotzdem viele Münchner in der Halle. Sie denken an all die Momente zurück, die Stimmung ist nostalgisch. Wenn man aber fragt, ob Trauer herrscht, wenn die Schalterhalle samt dem Schwammerl-Vordach endgültig verschwindet, das jahrzehntelang mit der denkmalgeschützten Uhr den Eingang prägte, hört man oft: "Welcher Schwammerl?" Martin Köppen, ein Wahlmünchner seit 2006, kennt ihn. Die Halle war seine erste Begegnung mit München. "Wirklich schade, dass er wegkommt. Die Nierenform ist einmalig", sagt er.

Große Trauer herrscht aber nicht. "Gut, dass es hier endlich moderner wird. Das Steuergeld ist gut investiert", hört man oft. Oder: "Alles wirkt wie ein Stückwerk – und auch marode." Doch unter die nostalgischen Befürworter mischt sich auch der Verein "Münchner Forum", der weiter gegen den Abriss kämpft – und jetzt sogar eine Klage beim Verfassungsgerichtshof gegen den Abriss eingereicht hat. Forums-Leute verteilen im Bahnhof Flyer: "Bahnhofsmord – stopp", steht darauf.

2020 kommen die Bagger - 2028 soll die neue Halle stehen

Doch politisch scheint die Sache durch zu sein. Die Schalterhalle ist geschlossen. "Anfang 2020 kommen die Bagger", sagt Bauprojektleiter Martin Wieser, "endlich geht es voran!" Sogar unter dem Schwammerl-Vordach ist kein Durchgang mehr. Die ganze Halle und der Vorplatz werden nun entkernt. Dort, wo man früher von der U1 und U2 kommend am Müller-Markt vorbei zu den Zügen lief, wird ab 2026 der Zugang zur Haltestelle der neuen Stammstrecke sein – 40 Meter unter der Erde.

2028 soll die modernere Halle fertig sein. Nun aber gibt es erstmal Einschränkungen. Lärm und Dreck, klar. Und: Alle, die von den U-Bahnen der U1 und U2 kommen, müssen jetzt einen Schleife über das Zwischengeschoss zum Eingang Arnulfstraße nehmen – oder aber über den oft sehr vollen Bahnsteig der U4 und U5, um dann zum Eingang Bayerstraße zu gelangen.

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Sarah de Fazio, Angestellte der Bahn: "Die Schalterhalle wirkt wie ein großes Stückwerk, marode und alt. Das ist mir als gebürtige Münchnerin schon oft aufgefallen. Das sage ich nicht nur, weil ich bei dem Projekt angestellt bin. Einer wachsenden Stadt wie München tut ein zentraler moderner Hauptbahnhof sehr gut. Meine Kollegin Cristina hat mir vom Hauptbahnhof in Madrid erzählt. Dort war bis vor einigen Jahren noch ein Schildkrötenteich, mitten in der Schalterhalle! Ich hoffe, die neue Halle wird ähnlich einfallsreich. Ehrlich gesagt: Es kann nur besser werden!"

Nora Dittrich, Fachreferentin Personal: "Ich arbeite ganz in der Nähe und wollte mir die letzten Minuten der frei zugänglichen Schalterhalle nicht entgehen lassen – obwohl ich sie wirklich nicht schön finde. Es ist trotzdem ein markanter Ort. Das neue Gebäude soll ja sehr schön werden. Darauf freue ich mich richtig! Ich hoffe, es wird ähnlich wie der Leipziger Hauptbahnhof, mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und Cafés. Vielleicht entlastet eine neue Einkaufsmeile am Hauptbahnhof sogar die Kaufingerstraße, die ja zu Stoßzeiten völlig überfüllt ist."

Stefan Risch, Rentner: "Ich bin seit etwa 50 Jahren Münchner. Doch schon davor hatte ich bei einem Schulausflug als etwa 15-Jähriger meine erste Begegnung mit der Schalterhalle. Ich kam aus einem kleinen Ort und diese Halle war für mich das Symbol für die große weite Stadt. Daran werde ich mich immer erinnern. Mit meiner Partnerin bin ich heute extra zum Abschied hergekommen. Ich bin zwar nostalgisch, aber ich denke, es geht nicht anders. Für eine wachsende Stadt wie München ist das Geld für diese Modernisierung gut investiert."

Hennie Kresic, Rentnerin: "Ich liebe München seit etwa 20 Jahren! Und so eine fabelhafte Stadt sollte unbedingt einen angemessenen Hauptbahnhof haben. Zweite Stammstrecke plus Umbau der Schalterhalle: Für mich lässt das nur einen Schluss zu! Nämlich, zwei Fliegen mit einer Klappe. So ist das Leben nun einmal. Ständig erneuert sich alles. Nichts bleibt, wie es ist. Und das finde ich auch gut so. Das ist doch nicht Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen. Im Vergleich dazu wird das alles richtig zügig gehen, da bin ich mir sicher."

Lesen Sie hier: Schalterhalle dicht - das müssen nun beachten

 

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