Ab April Die Stadtsparkasse verlangt Strafzinsen

Die Stadtsparkasse im Tal. Foto: imago

Ab April werden erstmals Zinsen auf Guthaben fällig. Die AZ erklärt, wer betroffen ist – und wer nicht.

 

München - Das niedrige Zinsniveau droht für Sparer zur Belastung zu werden. Das wird immer mehr Menschen klar. Als das Forsa-Institut dazu im Sommer eine Umfrage durchführte, erklärten 63 Prozent der Befragten, sie rechneten mit Negativzinsen für ihre privaten Geldanlagen.

An die Privatkunden geht die Stadtsparkasse nicht ran. Zumindest noch nicht. Und doch geht sie jetzt einen ersten Schritt. Gestern bestätigte sie Recherchen der Abendzeitung: Ab dem 1. April 2017 wird es Negativzinsen bei der Stadtsparkasse geben. „Nachdem bereits andere Banken dazu übergegangen sind, höhere Einlagenbeträge mit einem Verwahrentgeld zu versehen, waren wir gezwungen, nachzuziehen“, erklärte Stadtsparkasse-Chef Ralf Fleischer.

Er begründet das explizit auch damit, dass mögliche neue Kunden abgeschreckt werden sollen. Ohne diesen Schritt hätte die Gefahr bestanden, dass Kunden anderer Banken ihrer hohen Einlagen zur Stadtsparkasse transferieren, um bei ihrer bisherigen Bank dem Negativzins auszuweichen, argumentiert Fleischer. „Dies hätte unsere bereits deutlich zurückgegangenen Zinserträge weiter untragbar belastet“, sagte er der AZ.

„Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent.

Und so funktioniert die Neuregelung: Ab April 2017 berechnet die Stadtsparkasse Unternehmen, aber auch Selbstständigen für ihre Firmenkonten ein „Verwahrentgelt“ von 0,4 Prozent. Betroffen sind Kontoinhaber mit Einlagen von mehr als 250 000 Euro. Die Stadtsparkasse betont, dass die 0,4 Prozent dem Negativzins entsprechen, den die Europäische Zentralbank (EZB) von Banken verlangt – und, dass Privatkunden von der Regelung ausgenommen sind.

Der Freibetrag von 250 000 Euro gilt pro Kontoinhaber – also auch dann, wenn mehrere Firmenkonten bei der Stadtsparkasse eingerichtet sind. Wie viele Kunden von der neuen Regelung betroffen sind, konnte die Stadtsparkasse gestern nicht sagen.

In Deutschland ist der Großteil der Privatkunden von Banken bisher von Strafzinsen verschont geblieben. In vielen Fällen müssen sie aber mittlerweile höhere Gebühren zahlen – etwa für Überweisungen und Bankkarten. Die Institute müssen für Geld, das sie bei der Europäischen Zentralbank parken, Strafzinsen zahlen.

MVG-Änderungen an Weihnachten und Silvester

Die Kosten dafür geben viele Banken bereits an Unternehmenskunden weiter – und über Umwege eben auch an Privatkunden. Auch die Stadtsparkasse geriet heuer in die Kritik, weil sie neue Girokonto-Modelle einführte. Viele Münchner Sparkassen-Kunden fürchteten höhere Kosten.

Von den Strafzinsen aber bleiben sie nun verschont. Stadtsparkassen-Chef Fleischer hatte noch im Sommer betont, man setze „alles daran“, Negativzinsen für Privatkunden zu vermeiden. Für die Zukunft ausschließen könne man sie aber nicht.

 

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