75 Kästen Bier in der Kabine Triple-Meister EHC München: Eiskalte Feierbiester!

Krönungszeremonie am Oberwiesenfeld! Der EHC Red Bull München feiert die Meisterschaft, die dritte in Serie. Foto: GEPA pictures

Die Meister-Party des EHC Red Bull München dauert bis in die Morgenstunden, schon in der Kabine werden 75 Bierkästen geleert. "Unvergessliche Momente muss man entsprechend begehen"

München - Das E beim EHC, es steht wohl auch für Exzess! Die Meisterfeier des EHC Red Bull München war eine Feier, die so manch römischem Gelage die Schamesröte ins Antlitz getrieben hätte.

75 (!) Kästen Gerstensaft wurden von den Biervernichtungsmaschinen nach dem dritten Meistertitel in Serie, den sich das Team durch den 6:3-Sieg im siebten und entscheidenden Finalspiel über die Eisbären Berlin gesichert hatte, der Kabine konsumiert. Der Song "Die immer lacht" von Stereoact featuring Kerstin Ott, der schon beim ersten Meistertitel 2016 zur inoffiziellen EHC-Hymne aufgestiegen war, dröhnte aus den Boxen und aus vielen gutgeölten Spieler-, Betreuer- und Spielerfrauen-Kehlen.

Das Bier, das Manna der Bayern, landete im Meisterpokal - der kleine Sohn von Keith Aucoin, tat sich als Nachfüller hervor - und lief von dort direkt in durstige Eishackler-Schlünder. Strafbank-König Steve Pinizzotto, der am EHC-Krönungstag auch noch seinen 34. Geburtstag gefeiert hatte und mit zwei Treffern und einem Assist zum Meistermacher avanciert war, gönnte sich eine Ganzkörper-Bierdusche und drückte sein Gesicht in die Meistertorte. "Das ist meine fünfte Meisterschaft. Es wird jedes mal noch schöner. Besser kann man seinen Geburtstag nicht feiern", sagte er der AZ in der Kabine, griff sich das nächste Bier und entschwand in den Spielerpulk, der Jason Jaffray von allen Seiten mit Bier vollspritzte. Der 36-Jährige hatte sich vorsichtshalber eine Skibrille aufgesetzt. "Im siebten Spiel zu triumphieren ist so emotional, das kann man kaum in Worte fassen", sagte Verteidiger Konrad Abeltshauser, der mit seinem 1:1 den Münchner Torreigen eröffnet hatte, "das ist es fast Wert, dass man davor drei Spiele verliert, um diese Gefühle erleben zu dürfen."

Oben ohne in der Burger & Lobster Bank

Was für eiskalte Feierbiester, bei den auch die Spielerfrauen nicht nachstanden und manch erinnerungswürdige Einlage boten! Gegen zwei Uhr, das Bier tropfte von der Decke und stand fast einen Zentimeter hoch auf dem Kabinenboden, zogen die E(xzess)-HCler weiter. Zielort: Die Burger & Lobster Bank in der Prannerstraße. Dort, wo der EHC schon den Titel 2017 begangen hatten, fand die Feier-Orgie ihre Fortsetzung. Ein spontaner Anruf nach dem Titelgewinn, schon stand der Laden Spalier.

Bier, Schampus, Hochprozentiges floß in Strömen . Es war ein Oben-Ohne-Abend der Spieler, die sich größtenteils der Oberbekleidung (freiwillig oder unfreiwillig) entledigt hatten. "Den letzten Titel haben wir fünf, sechs Tage durchgefeiert", sagte Yannic Seidenberg, "mal sehen, ob wir das dieses Mal noch toppen können."

Der Anfang war zumindest gemacht für den Feier-Marathon - die Letzten verließen um 6.30 Uhr am Freitagmorgen das Burger & Lobster. Abeltshauser und Jaffray taten sich als Spät-Lokalverlasser hervor. Die Sonne begrüßte die leicht finsteren Gesellen mit der großen Bierfahne.

Der wichtigste Spieler der Playoffs wird München verlassen

"Die Jungs haben sich das sowas von verdient" , sagte Trainer Don Jackson, für den es der achte Titel seiner Karriere war, "unvergessliche Momente wie diese muss man entsprechend begehen." Am Samstag findet auf dem Olympia-Vorplatz ab 15 Uhr die offizielle Meisterfeier zusammen mit den Fans statt, auch OB Dieter Reiter, der erste Eishockey-Fan der Stadt, wird wohl kommen und die Meister-Feierbiester, die ab 17 Uhr erwartet werden, gebührend empfangen - und ehren. "Wir sind eine Familie! Und zwar eine, in der es stimmt, in der alle zusammenhalten", sagte Manager Christian Winkler.

Schon am Wochenende wird feststehen, wer diese EHC-Familie verlassen muss oder will (Keith Aucoin beendet die Karriere). Jackson und Winkler werden dann die obligatorischen Gespräche mit den Spielern führen. Einer der Helden der Finalserie steht als Abgang fest: Jon Matsumoto, der sechs Treffer in den Endspielen erzielt hatte und als wichtigster Spieler der Playoffs, ausgezeichnet wurde, erhält keinen neuen Vertrag. "Sie wollen mich hier nicht mehr", sagte Matsumoto, "aber ich bin stolz, dass ich ein Teil dieser Mannschaft war."

Der Meistermannschaft, der Feierbiester. Jeder Exzess fordert eben auch seine Opfer.


AZ-Kommentar: Der Sieger? Eishockey!

AZ-Sportchef Matthias Kerber über das dramatische Saison-Finale in der DEL.

Der vielzitierte Eishockey-Gott gefiel sich in der Rolle des großen Dramatikers. Die Finalserie zwischen dem EHC Red Bull München, der sich auf historischer Triple-Mission befand, und den Eisbären Berlin war aus dem Stoff, aus dem Legenden entstehen. Eine emotionale Achterbahnfahrt in sieben Akten, mit der Krönung im letzten und entscheidenden Spiel der Finalserie.

Helden-Sagen (Don Jackson, der seinen achten Titel holte, der vielgescholtene Steve Pinizzotto, der an seinem 34. Geburtstag zum Matchwinner avancierte), tragische Figuren (Jon Matsumoto, der dank seiner sechs Finaltore zum wertvollsten Spieler der Playoffs gewählt wurde und trotzdem beim EHC keinen neuen Vertrag erhält) – und vor allem Emotionen, Emotionen, Emotionen! Die harten Eishackler-Hunde konnten – und wollten – ihre Tränen nicht verbergen. Dieses Finale hatte alles, was der Sport braucht, um die Herzen der Fans nicht nur zu berühren, sondern zu erfüllen.

Der Sieger der Sieger war an diesem Abend der Eishockey-Sport. Genau wie schon bei der historischen Silber-Sensation der deutschen Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Wie viel steriler, voller Plastik-Emotionen und Gähn-Momente ist im Vergleich die Fußball-Meisterschaft. Die einzige Spannung, die da aufkam, war, ob Bayern die schnellste Meisterschaft aller Zeiten feiern würden. Am 29. Spieltag, also fünf Durchgänge vor dem Saison-Finale, war es soweit. Ein bisschen Dramatik hatte unfreiwillig nur Carlo Ancelotti in die Saison gebracht, der sein Star-Ensemble nie auf Linie bringen konnte. Hätte Heynckes die ganze Saison seine Jupp-Magie verbreitet, wäre der Saisonverlauf noch einseitiger, noch langweiliger gewesen.

Die Bundesliga muss sich was einfallen lassen, denn das emotionale schwarze Loch frisst beim deutschen Fußball jede Spannung, jede Dramatik auf. Wer die großen Fan-Gefühle sucht, ist beim Saisonfinale im Eishockey zur Zeit besser aufgehoben. Der Fußball-Gott kann da beim Eishockey-Gott Nachhilfe nehmen.

 

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