60.000 Einwohner bis 2040 Berg am Laim wächst: So floriert der Münchner Osten

Letzter freier Acker: An der Truderinger Straße sollen 820 Wohnungen entstehen. Foto: Lea Kramer

Mehr als 10.000 Menschen sollen bis 2040 nach Berg am Laim ziehen. Darin sehen viele eine Chance fürs Viertel.

 

Berg am Laim - Grüne Schneisen durchziehen das Viertel. Platz für Familien, Haustiere, Entspannung: Wer zum ersten Mal nach Berg am Laim kommt, ist überrascht, wie viele Wiesen, Parks und freies Land zum Verweilen einladen. Doch der Schein der dörflichen Stadtrand-Idylle trügt. Berg am Laim ist dicht besiedelt – und bis 2040 soll es im Münchner Osten noch enger werden.

Starker Zuzug in Berg am Laim

Schon heute teilen sich 7.400 Menschen einen Quadratkilometer im 14. Stadtbezirk. In den kommenden 20 Jahren sollen dem Demografiebericht der Stadt zufolge noch einmal 1.600 dazukommen. Demzufolge würde sich die Einwohnerdichte bis 2040 auf fast 9.000 Personen pro Quadratkilometer steigern.

"Es ist davon auszugehen, dass die Prognosen der Stadt noch übertroffen werden", sagt Robert Kulzer (SPD). Der Vorsitzende des Bezirksausschuss Berg am Laim glaubt, dass statt der prognostizierten 56.200 Einwohnern zukünftig eher 60.000 Menschen in Berg am Laim wohnen werden.

Berg am Laim schon im Mittelalter bei Siedlern beliebt

Starker Zuzug ist in Berg am Laim nichts Neues. 812 ist es als "ad Perke" erstmals urkundlich verbucht, 1430 bekommt das Viertel den Zusatz "auf dem Laimb". Der gute Boden, die lange Löß- und Lehmzunge zwischen Ismaning und Berg am Laim, wird bereits im Mittelalter von Ziegelbrennern entdeckt. Sie siedeln sich nahe ihres Arbeitsorts an.

Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Bodenschätze leer. Der Zuzug geht trotzdem weiter. Die Eisenbahnstrecke Richtung Rosenheim, der neue Ostbahnhof, der Güterbahnhof sowie ein Bahnbetriebswerk für Dampflokomotiven machen das Viertel für Eisenbahner attraktiv.

Keine Angst vor Gentrifizierung?

Nach dem Zweiten Weltkrieg erreicht das Viertel die nächste Bevölkerungswelle: Vornehmlich Kriegsflüchtlinge finden in Sozialneubauten von Gewofag, GWG und EBM rund um Grafinger Straße, Schlüsselbergstraße und Altöttinger Straße eine neue Heimat. "Durch die vielen Genossenschaftswohnungen haben wir auch heute noch relativ viel bezahlbaren Wohnraum im Viertel", sagt BA-Vorsitzender Kulzer. Die Angst vor Gentrifizierung treibe ihn weniger um.

Mathias Brandstätter, Mitglied des örtlichen Bürgerkreises ist ebenfalls optimistisch: "Ich sehe die Neubauprojekte als Chance", sagt er. Jede Woche sei etwas los im Stadtteil. Etwa kommende Woche, da feiert das Viertel sein jährliches Straßenfest am Grünen Markt in der Baumkirchner Straße.

Unter den neuen Berg am Laimern seien sicherlich auch welche, die "Lust haben das kulturelle Leben hier zu unterstützen", sagt Brandstätter. Dazu gebe es vielerlei Möglichkeiten, die unlängst auf der Internetseite bergamlaimer.info zusammengefasst wurden.

Infrastrukur in Berg am Laim unter Druck

Sorgen bereitet den Menschen im Bezirk etwas anderes: Die Infrastruktur gerät immer stärker unter Druck. Da sind zum einen die jungen Familien, die vermehrt in den Neubaugebieten Baumkirchen Mitte, an der Truderinger Straße sowie im Werksviertel erwartet werden. Ausreichend Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder (den Prognosen zufolge im Jahr 2040 immerhin 2821 Unter-Fünfjährige) fehlen bislang.

Am anderen Ende des Lebens gibt es ebenfalls Engpässe. So erkennt das Sozialreferat Berg am Laims Bedarf an einem Altenheim zwar an, einen geeigneten Standort für eine derartige Einrichtung findet es indes nicht. Und das, obwohl in Berg am Laim den Berechnungen nach zukünftig 14 Prozent der Einwohner älter als 70 Jahre alt sein werden. Der Grund: Es gibt keine Flächen mehr. Kulzer berichtet, dass sich auf einen freien Laden der GWG unlängst 15 Sozialeinrichtungen beworben hätten.

Daueraufreger: Erhöhtes Verkehrsaufkommen

Während es an Wohnraum im Viertel nicht mangelt, sind viele Straßen schon heute verstopft. Die Wasserburger Landstraße verbindet München mit dem Umland, am Leuchtenbergring gelangt man auf den Mittleren Ring, auf der Baumkirchner Straße fädeln sich 24.000 Autos täglich durch die Unterführung in Richtung Autobahn 94.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen ist ein Daueraufreger. Vermehrt haben Bürger einer Initiative deshalb Banner an ihre Gartenzäune gehängt. "Verkehrschaos, nein danke!" , steht darauf. Ein grünes Herz ist daneben gedruckt.

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