50 Jahre Jennerwein "Die Mutter aller Pinten"

Bernhard Steinweg führt die Kultkneipe „Zum Jennerwein“ seit elf Jahren. Foto: Daniel von Loeper

Eine Schwabinger Institution wird 50. Offiziell zumindest, denn eigentlich ist das „Jennerwein“ viel älter. Wie alt? Das weiß keiner so genau.

Es ist ein recht schmuckloses Schreiben, das die Geschichte einer Schwabinger Kneipen-Institution begründet. Ein Inventarleihschein von einer Brauerei, in Kopie ausgestellt an einen unbekannten Wirt. Nicht einmal der Name „Zum Jennerwein“ taucht auf, nur eine Adresse: Belgradstraße 27. Am 29. August 1962 hat die Brauerei etwas geliefert im Wert von 240 DM, was genau, ist nicht mehr zu entziffern. Fest steht nur: „Das ist die erste urkundliche Erwähnung des Jennerwein.“

Das sagt Bernhard Steinweg (45), der das Lokal seit elf Jahren führt. Mit ihm über dessen Geschichte zu sprechen, der „Mutter aller Szene-Pinten“, wie er sie nennt, das ist gar nicht so einfach: „Ich weiß vieles nicht.“ Darum muss dieser Artikel auch bleiben wie ein Rausch, an den man sich am anderen Tag nur noch in Bruchstücken erinnert.

Das Jennerwein war mal Punk-Kneipe und gleichzeitig Treffpunkt der Rockabillies, in den Neunzigern wurden hier legendäre Techno-Partys gefeiert. Prägend aber war die Ära der gebürtigen Berliner Henry Heppel und Wolfgang Ettlich, denen das Jennerwein in den frühen Siebzigern gehörte. „Sie haben das Studentische reingebracht sowie den Gedanken, dass es hier drinnen nicht um Äußerlichkeiten geht. Aus dem Jennerwein haben sie die heruntergerockte Musikkneipe gemacht, die es bis heute ist“, sagt Steinweg.

Die Patina kann man etwa an der Holzbank ablesen, über der eine Hirschgeweih-Lampe baumelt, die knallrot leuchtet. Oder an der psychedelischen Tapete neben der Bar, die als Pinnwand dient und an der ein gut 20 Jahre altes Plakat der Jenaer Band Los Banditos hängt. Darauf ist der Album-Titel „Rebell der Liebe“ zu lesen, zu sehen ist ein nackter Mann – in voller Pracht. Als Steinweg das Poster einmal verlieh an einen Gast, der seine Freundin hier kennen gelernt hatte und ihr zum Jahrestag eine Reproduktion schenken wollte, „war der Aufruhr groß“.

Im Jennerwein soll eben alles so bleiben wie in der guten alten Zeit. Steinweg: „Es gibt immer wieder Leute, die in den Sechzigern hier waren und sagen, es sei alles noch so wie früher. Das stimmt aber gar nicht.“ Nur die Grundordnung in der gerade mal 46 Quadratmeter großen Kneipe, die ist noch die gleiche.

Um nun aber zu verstehen, warum die Kneipe so oft so bumsvoll ist, muss man die Geschichte von Stefan kennen. Stefan, Anfang 70, ist ein Weltenbummler, der, wenn er mal da ist im Jennerwein (und auflegt), oft eine Traube von Mittzwanzigern um sich herum hat. „Er ist einer, der Geschichten erzählen kann, die nicht nach Krieg klingen, und er interessiert sich für das, was die Jungen zu erzählen haben“, sagt Steinweg. „Wenn ich ihn sehe, ist das jedes Mal ein Glücksgefühl.“


Belgradstraße 27, So. bis Do. 20 – 1 Uhr, Fr. und Sa. 20 bis 3 Uhr, Tel. 3087221

 

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