50-jähriges Raumfahrt-Jubiläum Promis erinnern sich: So haben wir die Mondlandung erlebt

Promis erinnern sich in der AZ: So haben wir die Mondlandung erlebt Foto: imago/dpa

50 Jahre Mondlandung: Die AZ lässt Prominente aufschreiben oder zeichnen, was der 21. Juli 1969 für sie bedeutet.

 

Als Familienereignis vor der Mattscheibe, im berühmten Apollo-Studio des WDR oder kurz vor dem Einnicken auf der Couch: Bekannte Persönlichkeiten blicken zurück. Dieter Hanitzsch hätte lieber Nixon auf dem Mond gesehen

Journalist und Autor Ulrich Wickert

Für Ulrich Wickert hatte Notre-Dame immer eine große Bedeutung.Als der große Schritt für die Menschheit getan wurde, war ich ganz nah dran an den Männern auf dem Mond. Denn seit September 1968 arbeitete ich als freier Mitarbeiter bei der Fernsehsendung "Monitor", die der WDR ja immer noch ausstrahlt. Und die Landung auf dem Mond fand in Deutschland in dem extra für dieses Ereignis gebauten Apollo-Studio des WDR in Köln statt.

In der Zeit war ich ständig mit Kollegen, Kamera und Team unterwegs, da Ende September ‘69 Bundestagswahlen anfielen, und es politisch hoch her ging. Die NPD hatte in den letzten Landtagswahlen viel hinzugewonnen und in den Umfragen drohte sie bei der Bundestagswahl über die Fünf-Prozent-Klausel zu kommen. Deshalb richteten wir unseren kritischen Blick auf diese Partei.

Das Problem brannte uns mehr auf den Nägeln als der Mann im Mond. Aber als es dann losging, starrte ganz Deutschland auf das, was aus dem Apollo-Studio gesendet wurde. Von hier hat Günter Siefarth ganze 28 Stunden dieses aufregende Abenteuer moderiert. Wenn ich nicht im Sender das laufende Programm anschaute, dann saß ich zu Hause vor der Glotze. Allerdings verpasste ich die legendären Worte und den ersten Schritt von Neil Armstrong, denn da war es mitten in der Nacht und ich schlief!

Schriftstellerin Hera Lind

Meine Familie durfte zu den Nachbarn im Reihenhaus zum Fernsehen kommen. Als Elfjährige interessierte mich am meisten das kulinarische Beiwerk der Mondlandung: dekorierte Schnittchen und Fanta! Wir Kinder saßen auf dem Fußboden des kleinen Wohnzimmers mit integrierter Schrankwand, die Eltern belegten mit feierlichen Gesichtern die Stühle und Sessel. Die Väter in Anzügen und Oberhemden, die Frauen mit gebügelten Blusen und Röcken und Dauerwelle.

Der Schwarz-Weiß-Fernseher flimmerte. Jemand drehte an der Antenne. Die Knabbernüsschen standen in Reichweite. Als dann Neil Armstrong wie ein schwereloser Gummiball den Mond betrat, waren die Erwachsenen schwer beeindruckt. Ich ließ mir die amerikanischen Namen der Astronauten auf der Zunge zergehen. Danach wollten wir auch einen Fernseher, bekamen aber keinen. Alles wirkte eher wie ein arrangiertes Märchen, und die Tragweite dessen, was da wirklich passierte, habe ich erst viel später begriffen.

Münchens Ex-Oberbürgermeister Christian Ude

Die Nacht der Mondlandung ist mir unvergesslich: Seit dem "Sputnik-Schock" vom 4. Oktober 1957, den ich als zehnjähriger Schulbub erlebte ("Die Russen machen uns im Weltall fertig", hieß es damals), herrschte im Westen helle Aufregung, ob der Wettlauf zum Mond noch zu gewinnen sei. Die Amis reagierten unter anderem mit einem riesigen Bildungsprogramm, das mit Schulbussen und Frühpädagogik begann, plötzlich Schulbauten förderte und Zehntausende Stipendien ausschüttete.

Das begeisterte auch Schulpolitiker, die ansonsten immer fragten, was wir auf dem Mond verloren hätten. So hat mich der SPD-Bildungspolitiker Dr. Jürgen Böddrich, der mich drei Jahre vorher für die SPD geworben hatte, in seine Wohnung eingeladen, um den bedeutsamen Abend am Fernseher mitzuerleben (sowas hatte meine Studenten-WG noch nicht).

Das Schwarz-Weiß-Programm lief im Hintergrund, wir planten seinen Landtagswahlkampf 1970, wozu ich als Schul- und Hochschulreporter viel beitragen konnte. Doch das Programm zog sich und zog sich, um zwei Uhr früh hatten wir schon für jede Fachschaft jeder Hochschule eine Veranstaltung geplant. Es wurde drei Uhr, da fielen uns schon fast die Augen zu. Sechs Minuten vor Vier kam endlich der kleine Schritt von Neil Armstrong, der für die Menschheit ein großer war, wie wir seit jener Nacht wissen. Ein Jahr später folgte der SPD-Wahlsieg in Schwabing-Milbertshofen. So was ist heute seltener als eine Mondlandung, denn die nächste soll schon 2024 sein!

Schauspielerin Michaela May

Michaela MayMein Vater war hochinteressiert an der Mondlandung. Wir, meine Geschwister und ich, durften zu dieser Zeit nicht so viel fernsehen, aber das war ein groß vorbereitetes Familienevent, da hat man ja richtig drauf gewartet. Die ganze Familie, zusammen mit den Großeltern, hat das zuhause gesehen. Einen Fernseher hatten wir schon, den habe ich gekauft, weil ja schon Sendungen mit mir gelaufen sind und ich nicht immer bei den Nachbarn schauen wollte.

Meine Eltern haben drauf geachtet, dass wir ausgewählte Sachen sehen, Nachrichten waren ein Muss, aber bei der Mondlandung hat mein Vater auch gesagt: "Das müssen wir anschauen, da müsst ihr abends alle daheim sein." Ich dachte, ich bin in einem Science-Fiction-Film. Man hat das gar nicht richtig glauben können. Ein Meilenstein. Das war bis dahin völlig undenkbar. Ein paar Jahre zuvor war ich im Rahmen des Films "Onkel Toms Hütte" in Russland auf Filmfestspielen. Da wurde mir Juri Gagarin vorgestellt, ich war natürlich schwer beeindruckt, als ich so einen Mann von einem anderen Stern gegenüberstand. Der Weltraum an sich macht mich zu einem religiösen Menschen. Der Begriff der Unendlichkeit wird einem so plastisch gezeigt. Woher alles kommt, wohin alles geht. Das zeigt, wie klein wir hier sind.

Hier zeichnet Dieter Hanitzsch

 

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