40 Jahre danach Lustpark und Luftschlösser: Das blieb von Olympia

RATTEN UND RÄUBER

„Die Hälfte des Schadens wird erst in einigen Wochen ermittelt sein," sagt Walther Tröger, der noch bis Ende Oktober 1972 als Bürgermeister des 450 Millionen Mark teuren Olympischen Dorfes amtiert. Nach seinen bisherigen Erkundungen ist der hinterlassene Schaden jedenfalls geringer, als man befürchtet hatte. Dass viele der nach Geschlechtern getrennten 12000 Sportler und Betreuer fast alles, was nicht niet- und nagelfest ist, als Souvenir mitnehmen würden, war von vornherein eingeplant und durchaus geduldet worden.

Mit dem Ausräumen der von der Bundeswehr entliehenen Möbel und der Totalrenovierung des etwas geplünderten Dorfes kann natürlich erst nach dem Auszug der letzten Athleten begonnen werden. Bis zum 18. September haben sie Wohnrecht, und nicht wenige wollen die Frist nützen. Auch der Betrieb im Vergnügungszentrum geht vorerst weiter. Jetzt darf im Bavaria Club, was während der Wettkämpfe streng verboten war, auch Bier ausgeschenkt werden. Bis zum Abzug des letzten Mannes patrouillieren noch Polizisten am Zaun, der von den palästinensischen Terroristen so leicht zu überklettern war.

Kaum sind die letzten Olympiagäste ausgezogen, wobei sie pro Quadratmeter Wohnraum einen Schaden von 15 DM hinterlassen, streitet sich der bayerische Staat, der das Grundstück billig abgegeben hatte, mit den privaten „Maßnahmeträgern“, weil diese plötzlich weit über die ausgehandelten Festpreise hinausgehen. Der Quadratmeter kostet jetzt bis zu 2300 Mark.

So bleiben die fünf Baugruppen lange auf den meisten der 5000 freifinanzierten Wohnungen sitzen. Als schließlich alles renoviert, großenteils verkauft und belegt ist, funktioniert so manches nicht. Zum Beispiel die „modernste Müllentsorgungsanlage der Welt“; Aus dem Musterdorf wird eine Müllhalde. Unrat häuft sich in den Untergeschossen. Ratten tummeln sich überall. Und Gangster.

An den treppenförmigen Fassaden turnen Einbrecher und Sexstrolche, in der unterirdischen Verkehrszone lauern Räuber und Autoknacker. Die Stadt bedauert jetzt, die „Schwarzen Sheriffs“ vertrieben zu haben.

Dafür kommen – wie heute – schon jede Menge Touristen. Jahr für Jahr wandern schätzungsweise 1,2 Millionen durch die verkehrsfreien Gassen. Insbesondere das Haus in der Conollystraße, wo sich das Terror-Drama vom 5. September abgespielt hatte, zählt zu den begafftesten Attraktionen.

 

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