30 Prozent mehr Patienten Schönheits-OP zur Wiesn: "Trend geht zur gespielten Natürlichkeit"

Hat beim Dekolleté auch schon mal ein bisschen nachhelfen lassen: Daniela Katzenberger beim Almauftrieb am Wochenende. Dr. Nikolaus Raab spricht in der AZ über den Boom von Schönheitsoperationen zur Wiesn. Foto: imago/Spöttel Picture/ho

Für die Wiesn wollen Münchnerinnen und Münchner besonders gut aussehen – und lassen dafür ein wenig nachhelfen.

 

Wenn die Figur nicht (mehr) zum Dirndl passt, oder die Lippen missfallen: Dr. Nikolaus Raab ist medizinischer Berater bei MediDate und Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie. In der AZ spricht er über Brust-OPs fürs Wiesn-Dekolleté, Risiken und wie er Männer Oktoberfest-tauglich macht.

AZ: Herr Raab, führen Sie zur Wiesn-Zeit mehr Schönheits-Operationen durch?
NIKOLAUS RAAB:
Ja, auf jeden Fall. Ich habe etwa 30 Prozent mehr Patienten zur Wiesn-Zeit. Es gibt ja auch spezielle Wiesn-Kampagnen, wo das beworben wird. Viele Frauen merken, dass das Dirndl vielleicht nicht mehr so gut passt, und wollen etwas ändern. Gerade durch Instagram ist es viel mehr in den Fokus gerückt, den eigenen Körper zu formen.

Welche OPs werden gemacht, um auf der Wiesn gut auszusehen?
Da gibt es drei große Bereiche: Eingriffe im Gesicht, Brust-OPs und das Body-Contouring. Im Gesicht sind es zum Beispiel Lippen-OPs oder Operationen, die das Gesicht jünger und frischer aussehen lassen. Beim Body-Contouring werden die Speckrollen entfernt. Der Trend geht wieder mehr zur gespielten Natürlichkeit. Es geht weniger darum, zu schummeln, sondern die Natürlichkeit herauszuarbeiten. Es soll eine Wertigkeit haben – auch wenn man das Dirndl auszieht.

Wie viel kostet bei Ihnen das Wiesn-Makeover?
Zwischen 400 und 30.000 Euro. Für 400 Euro bekommt man eine Lippen-OP, für 30.000 ein Body-Makeover bestehend aus Bauch- und Brust-OP.

Welche Risiken nimmt man mit einer solchen Operation in Kauf?
Ein Risiko, das man nicht vernachlässigen darf, ist die sogenannte Anpassungsstörung. Das ist eine mentale Gefahr. Der Körper verändert sich ja durch die OP und der Körper und der Mensch kommen dann mit der Veränderung vielleicht nicht klar. Das heißt, man hat zwar sein Ziel erreicht, ist aber trotzdem nicht glücklich damit oder realisiert, dass man sein Ziel nie erreichen wird. Die körperliche Gefahr, also das OP-Risiko, ist zu vernachlässigen. Wenn man junge, gesunde Menschen operiert und die richtigen Implantate verwendet, ist das Risiko, dass etwas schiefgeht, extrem gering.

Wie viel Zeit sollte man einplanen, damit Schwellungen bis zur Wiesn wieder weg sind?
Die Brust-OPs sollte man drei Wochen vor der Wiesn machen. Viele Patientinnen kommen dafür schon im August oder Anfang September. Bei Gesichts-OPs ist nach einer Woche schon nichts mehr zu sehen. Beim Body-Contouring dauert es vier Wochen.

Was halten Sie von OP-Trends wie dem Aufspritzen von Brustwarzen?
Das ist effektheischend. Solche ausgefallenen OP-Wünsche sind Einzelfälle. Die meisten Patienten wollen eher vernünftige und nachhaltige Schönheits-OPs.

Lassen auch die Männer etwas zur Wiesn machen?
Ja, ich verhelfe Männern oft zu einem Sixpack oder führe Eingriffe im Gesicht durch. Die Spuren der Arbeit wie Tränensäcke und Falten sollen beseitigt werden. Männer wollen sich ja auf der Wiesn gut präsentieren – egal, ob bei der Partnersuche oder vor dem Chef. Das ist ein bisschen wie bei der Erstkommunion.

Kommen während der Wiesn Patienten zu Ihnen, die Spuren von Alkohol und fettigem Essen loswerden wollen?
Ja, viele kommen natürlich auch noch während der Wiesn. Da führen wir dann Lymphdrainagen durch, um den Alkohol wieder herauszuziehen. Mit Fillern gleichen wir die Konturen an und polstern das Gesicht auf. So sieht man wieder etwas jünger und frischer aus.

 

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