1860 verliert in Heidenheim Sechzig verpasst Rettung - Relegation gegen Regensburg!

Zum Verzweifeln: Vitor Pereira in Heidenheim Foto: dpa

Nach zwei späten Gegentoren in Heidenheim muss der TSV 1860 München erneut in der Relegation gegen den Absturz in die 3. Liga kämpfen. Dabei war die Rettung zum Greifen nah.

 

Heidenheim - Stefan Aigner brach zusammen. Wie ein Häufchen Elend lag er auf dem Rasen. Beide Hände aus Frust vor den Kopf geschlagen. Dabei war er kurz davor, der Held zu werden. Der nächste Retter.
Er wurde es nicht.

Aigners 1:0-Führungstreffer (49.) im Abstiegsfinale am 34. Spieltag beim 1. FC Heidenheim, er schürte riesengroße Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt. Weil 1860 mit Ausnahme dieser einen Aktion nur wenig gelang und Marc Schnatterer per direktem Freistoß (86.) und ein abgefälschter Schuss von Tim Kleindienst (94.) das Spiel noch drehten, setzen sich die blauen Abstiegsängste fort: 1860 muss nach 2014/15 zum zweiten Mal in die Relegation und trifft dort auf den Drittliga-Dritten Jahn Regensburg.

"Daran sind wir selber schuld", sagte Michael Liendl nach dem Spiel. "Wenn du immer wieder solche Dinger kriegst, hast du es nicht verdient, dass du in der Liga bleibst. Der Frust sitzt sehr tief – wir haben es versemmelt." Und Aigner meinte: "Das war ganz bitter heute. Ob wir wieder ein Trainingslager machen oder nach Mallorca fliegen, ist mir grade scheißegal – erstmal abschalten."
Trainer Vitor Pereira hatte vor Anpfiff noch seine Zuversicht kundgetan. "Wir haben nichts zu verlieren, ich will meine Mannschaft couragiert sehen", forderte der 48-Jährige bei Sky. Im Vergleich zum 1:2 gegen den VfL Bochum nahm er drei Änderungen vor (Felix Weber, Marnon Busch und Sascha Mölders für Kai Bülow, Maxi Wittek und Christian Gytkjaer). Und musste zuerst mitansehen, wie die 1860-Ultras "Münchner Löwen" mit pyrotechnischer Untermalung eine klare Botschaft an ihr Team hatten: "Kämpfen! Kratzen! Beißen! Siegen!!!"

Ängstlich. Nervös. Keine Torgefahr

Die Löwen spielten jedoch vielmehr, als hätten sie alles zu verlieren. Nervös. Ängstlich. Torgefahr wurde hüben wie drüben zu Beginn nur durch Standards erzeugt, ein Freistoß von Michael Liendl (3.) blieb ebenso folgenlos wie die nachfolgende Ecke von Levent Aycicek.

Wo war der Geist von Bad Wörishofen, der im Kurz-Trainingslager beschworen werden sollte? "Go! Go!", coachte Assistent Pedro Ribeiro verärgert – von der Pressetribüne aus, unweit von Geschäftsführer Ian Ayre, Investorenbruder Yahya Ismaik, Ex-Geschäftsführer Anthony Power, Präsident Peter Cassalette und Vize Hans Sitzberger. Doch bei den Sechzgern ging nicht viel: Eine Aycicek-Abnahme landete in hohem Bogen im Toraus (37.), die einzige zählbare Chance köpfte Ba nach einer Ecke genau in die Arme von Heidenheim-Keeper Kevin Müller (45.).

Das Beste zur Pause? Heidenheim fiel noch weniger ein. Und: Die Konkurrenz spielte mit. Stuttgart führte gegen Würzburg, Aue lag zurück und Bielefeld auch nicht in Front – 1860 hatte die Relegation sicher, und ein Treffer hätte den Klassenverbleib bedeutet.

Nach der nächsten überflüssigen Pyro-Show räumte Aigner erst die Nebelkerzen vom Feld, um dann die erste dicke Chance vorzubereiten, doch Aycicek scheiterte an Müller (48.). Eine Szene, die Sechzig zumindest wachrüttelte. Und dann kam der Retter: Ausgerechnet der gescholtene Aigner traf zur umjubelten Führung. Als sich die Sechzger schon als sicherer Sieger wähnten, schlug Heidenheim in einer dramatischen Schlussphase doppelt zurück.
Das rettende Ufer, es war so nah. Jetzt geht das Zittern weiter.

 

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