1860 empfängt VfB Stuttgart Guardiola-Kumpel Pereira fordert Klopp-Schüler Wolf

TSV 1860 München gegen den VfB Stuttgart: das ist auch das Duell der beiden Trainer Hannes Wolf (Stuttgart, l.) und Vitor Pereira (Sechzig, r.) Foto: dpa/augenklick

Beim Südschlager zwischen dem TSV 1860 treffen der renommierteste und der talentierteste Trainer der 2. Liga aufeinander. Was die Taktik von Vitor Pereira und Hannes Wolf unterscheidet, was den Löwen entgegenkommt und was den Schwaben - die AZ beleuchtet das Trainer-Duell.

 

München - An diesem Mittwochabend sind auch sie präsent in der Arena: Pep Guardiola und Jürgen Klopp. Vitor Pereira und der TSV 1860 gegen Hannes Wolf und den VfB Stuttgart – es ist ein Duell (17.30 Uhr, im AZ-Liveticker) auf taktisch allerhöchstem Niveau. Pereira, vielleicht der beste Coach der 2. Liga und ein Bekannter Guardiolas, trifft auf einen der talentiertesten deutschen Trainer der Generation Julian Nagelsmann. Die AZ erklärt, was die Taktik der beiden unterscheidet und wo die Chancen für die Kontrahenten liegen:

VfB-Coach setzt auf offensive Viererkette

Der Bochumer Wolf, 35 Jahre jung, wurde einst von Jürgen Klopp entdeckt. Der langjährige BVB-Coach und aktuelle Teammanager des FC Liverpool holte den jungen Mann zu Borussia Dortmund, nachdem sich die beiden auf der Gala „Dortmunds Amateurfußballer des Jahres“ kennengelernt hatten. Zwei Mal wurde Wolf mit der U17 des BVB in Folge Deutscher Meister, 2015/16 folgte die U19-Meisterschaft (mit einem Halbfinal-Sieg gegen 1860) – und die Berufung zum VfB Stuttgart.

Klopp-Schüler Wolf ist, wenig verwunderlich, vom Fußball seines Mentors geprägt. Der Stuttgarter Trainer lässt mit einer extrem offensiven Viererkette angreifen. Meist tut er dies aus einer 4-1-4-1-Grundformation heraus. Da Stuttgart aber die letzten vier Spiele allesamt nicht gewann, lässt Wolf defensiv kompakter spielen. Wie Taktikblogger Jonas Bischofberger für die „Stuttgarter Nachrichten“ analysierte, wurde gegen Dynamo Dresden (3:3) aus einem 4-2-3-1 ein tiefstehendes 4-4-2 gegen den Ball. Untypisch für Wolf, resümierte der Taktik-Experte, es zeigt aber auch, dass der Jung-Trainer flexibler ist als gedacht.

Vitor Pereira vertraut auf das 3-4-3

Doch: Das für Klopp typische und auch von Wolf praktizierte Pressing- und Gegenpressing funktionierte bei den Schwaben zuletzt überhaupt nicht. Bei Ballbesitz versuchte sich der VfB deshalb – ungewöhnlich – auch in einem 3-4-3. Diese Formation ist in Stuttgart jedoch lange nicht so ausgereift wie beim TSV 1860. Es ist die Grundformation Pereiras, der mit zwei hochstehenden Außenspielern angreifen lässt, die eigentlich gelernte Außenverteidiger sind: Maximilian Wittek oder Marnon Busch rechts und Lumor links.

Das dürfte dem VfB besonders Probleme bereiten - zuletzt orientierte sich das ansonsten offensive Stuttgarter Mittelfeld auffällig an den Außen des Gegners. Die Taktik Pereiras soll im Angriff wiederum Überzahlsituationen und eine bessere Spielverlagerung ermöglichen. Defensiv verschieben die Löwen bei Ballbesitz des Gegners dagegen in eine Fünferkette, was dem VfB den Aufbau extrem schwermachen dürfte, weil zum Beispiel der frühere Bayern-Spieler Julian Green oft den Weg über die Außen an die Grundlinie sucht, die Außen aber – normalerweise – zu sein müssten.

Konter durch Amilton und Stefan Aigner

Was den Löwen dagegen nicht passen dürfte: Wolf verlagert unter Druck seine erste Pressinglinie maximal weit nach vorne, wie Blogger Bischofberger weiterschreibt. Das Spiel der Sechzger, das auf eigene Initiative beruht, wäre unterbunden. Doch: Beim VfB müssen für diese taktische Raffinesse das defensive Mittelfeld sowie die Abwehrreihe sehr weit aufrücken, was Räume für Konter schafft.

Und hier haben die Löwen durch den zuletzt überragenden Stefan Aigner und den brasilianischen Tempodribbler Amilton mittlerweile eine große Stärke. Im Spiel werden beide Trainer, wie Klopp und Guardiola, flexibel reagieren. Sicher ist: Es wird ein taktisches Duell auf allerhöchstem Level.

 

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