17 Millionen Landshuter Rathaus: Sanierung wird richtig teuer!

Das Landshuter Rathaus ist ebenso weitläufig wie verwinkelt - was beim Brandschutz und der Barrierefreiheit vielerlei Probleme birgt. Foto: Christine Vincon

Das Landshuter Rathaus I hat Probleme mit Fluchtwegen, dem Brandschutz und dem Trinkwassernetz. Die Sanierung soll 17 Millionen Euro kosten.

 

Landshut - Ein Gutachten, das heute im Bausenat vorgestellt wird, listet im Rathaus I in Sachen Brandschutz, Hygiene und Barrierefreiheit "eine Vielzahl von Mängeln und Defiziten" auf. Dabei sind viele Maßnahmen nur durch "weitreichende Eingriffe in die Bausubstanz" möglich, wie es in der Sitzungsvorlage heißt.

Entsprechend einer Grobschätzung summieren sich die Kosten auf 17 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Durch die lange Dauer des Projekts und Unwägbarkeiten sollte aber laut Verwaltung "mit Investitionskosten von 20 Millionen Euro gerechnet werden".

Auch in Landshut noch immer ein Thema: Der Rathausbrand in Straubing 

Es sei in Sachen Brandschutz nichts versäumt worden, sagt Baudirektor Johannes Doll auf AZ-Anfrage, eine akute Gefährdung gebe es nicht; allerdings sei in dem großen Gebäudekomplex über die Jahrzehnte immer wieder umgebaut worden. Jetzt müsse man den Brandschutz an die aktuellen Erfordernisse anpassen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Rathausbrandes in Straubing.

Weil Unterteilungen und Brandabschnitte im Landshuter Rathaus fehlen, könnte sich ein Brand heute im Inneren und über die Dächer ausbreiten. Deshalb müssen die Gebäude unter anderem in Brandabschnitte unterteilt, Deckenkonstruktionen ertüchtigt und ein Brandüberschlag über die Dächer verhindert werden. Dabei geht es um Kleinigkeiten wie Brandschutztüren ebenso wie um aufwändige Arbeiten unterm und am Dach.

Weit hinausschieben lassen sich die Arbeiten nicht: "Eine wesentliche Verzögerung der Ertüchtigung ist nach den geltenden Vorschriften nicht mehr möglich", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Es muss also relativ zeitnah gehandelt werden: zum Schutz der Beschäftigten einerseits und zum Schutz der historischen Substanz – wie des Prunksaals und des Archivs – andererseits.

Auch der Prunksaal ist nicht ohne fremde Hilfe barrierefrei zugänglich

Die Verwaltung betont allerdings, dass die Defizite beispielsweise bei den Rettungswegen aktuell durch die ertüchtigte Brandmeldeanlage kompensiert würden. Auch in Sachen Barrierefreiheit ist einiges zu tun. "Weite Teile" des Rathauskomplexes sind heute nicht barrierefrei zu erreichen.

So sind die meisten Räume in den Obergeschossen und auch der Prunksaal nicht ohne fremde Hilfe barrierefrei zugänglich. Es gibt viele Zwischentreppen, Rampen sind zu steil, behindertengerechte WC-Anlagen fehlen.

Die Gutachter stellten zudem Mängel im Trinkwassernetz fest. Aufgeführt werden beispielsweise rostiges und stehendes Wasser und Trinkwasser-Verunreinigungen durch veraltete Netze. Weil ohnehin schon umfangreich eingegriffen werden muss, sollen in diesem Zuge auch das Leitungsnetz und die Sanitäranlagen erneuert werden. Gleiches gilt für die Elektroinstallation; auch in dem Bereich sind die Anlagen zum Teil veraltet.

Im Zuge der Brandschutzsanierung müssen außerdem schadstoffbelastete Materialien – wie Asbest in Brandschutzklappen oder Mineralfasern in Dämmungen – ausgebaut und entsorgt werden, was zu zusätzlichen Kosten führen wird.

10 Jahre sollen die Maßnahmen am Landshuter Rathaus dauern

Die baulichen Eingriffe sind umfangreich: So sind beispielsweise über mehrere Etagen vertikale Schächte, in denen die Strom- und Wasserversorgung geführt wird, nötig. Deshalb empfehlen die Gutachter, die Bauabschnitte in ganzen Gebäudeteilen umzusetzen.

Das aber bedeutet, dass diese völlig geräumt werden und für die Mitarbeiter Ausweichquartiere gesucht werden müssen. Zehn Jahre sind für die Arbeiten veranschlagt, Gebäudeteil für Gebäudeteil soll in Angriff genommen werden – dabei muss auch darauf geachtet werden, dass der Prunksaal zur Landshuter Hochzeit zur Verfügung steht.

Die Jahre 2020 bis 2023 sind für die Planung vorgesehen, mit dem eigentlichen Bau soll laut den aktuellen Plänen 2024 begonnen werden. Die fünf Bauabschnitte werden sich dann bis 2029 hinziehen. Die Verwaltung schlägt zudem vor, im Bauunterhalt einige Maßnahmen vorzuziehen, so etwa den Fluchtweg vom Prunksaal an der Touristeninfo vorbei nach draußen.

Außerdem empfiehlt sie, in den Haushalt 2020 Mittel für die Barrierefreiheit einzustellen, beispielsweise für die Eingangstüre zum Rathaus I.

Lesen Sie hier: Stadttheater Landshut - droht ohne Geld für die Sanierung das Aus?

 

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