15.000 Euro pro Quadratmeter Die neue, reiche Au: Ex-Knast wird zum Luxus-Bunker

Der alte Frauenknast wird zum Luxusbunker. Foto: Visualisierungen: Legat

Im alten Frauenknast kosten die Wohnungen bis zu 5.000 Euro mehr pro Quadratmeter als im Viertel üblich. Kritiker geben dem Freistaat die Schuld an den hohen Preisen.

 

Au - Die Zeiten, in denen irgendwer in der Au ein Schnäppchen machen konnte, sind längst vorbei. Was Wohnungen angeht, gehört Münchens ursprüngliches Tagelöhnerviertel inzwischen zu den teuersten Lagen. Da der Erlöshimmel für Immobilienverkäufer in der Stadt bekanntlich grenzenlos ist, darf es in der Au öfter mal ein bisserl mehr kosten. Ein gutes Beispiel: das Haus am Mühlbach.

Die Luxuswohnungen im ehemaligen Frauen- und Jugendgefängnis unterhalb des Nockherbergs sind gerade in den Verkauf gegangen. Mit 300.000 bis 2,3 Millionen Euro müssen Kaufwillige für die Ein- bis Vierzimmerwohnungen rechnen. So kostet ein 25 Quadratmeter großes Apartment mit Balkon im ersten Obergeschoss zum Beispiel 379.900 Euro. Das sind 15.196 Euro pro Quadratmeter: 5.000 mehr, als 2017 durchschnittlich für eine Neubauwohnung im Viertel bezahlt wurde.

Luxusleben im ehemaligen Frauenknast zu absurden Preisen

Ein Angebot, das sich gezielt an Kapitalanleger richtet. Schließlich können die Anschaffungskosten über den Denkmalschutz steuerlich abgeschrieben werden. Im Portfolio des Luxusimmobilienentwicklers "Legat Living" klingt das rührseliger: "Mitten in der Münchner Innenstadt entsteht Neues, das aus Historischem hervorgeht." Der Käufer habe an der Ohlmüllerstraße die einzigartige Möglichkeit, "einen Teil eines baulichen Kulturguts" sein Eigen nennen zu dürfen.

Dieses Kulturgut wurde noch bis 2009 als Justizvollzugsanstalt "Am Neudeck" von weiblichen und jugendlichen Strafgefangenen bewohnt. Bereits um 1807 sind Strafarbeitshäuser um den Auer Mühlbach dokumentiert. Der heutige langgestreckte neoklassizistische Bau stammt aus dem Jahr 1902. Zum Schluss waren darin bis zu 124 Häftlinge untergebracht. Die Zellen waren alle Richtung Hof ausgerichtet, sodass es für die Insassen nicht möglich war, den Auer Mühlbach zu sehen.

Der Freistaat verkaufte an einen privaten Investor

2011 wurden Gefängnis und Grundstück vom Freistaat für 16 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft – die Forchheimer Unternehmensgruppe Engelhardt und die Münchner Firma REC24. Am Bieterverfahren hatte sich auch die Stiftung der Münchner Straßenzeitung "Biss" beteiligt. Das Projekt sah vor, das Gefängnis in ein Hotel mit 72 Zimmern und elf altengerechten Wohnungen umzubauen. Junge Menschen in sozialen Schwierigkeiten sollten dort die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zu machen. 1,6 Millionen Euro hatte die Stiftung damals geboten. Den Zuschlag bekam sie nicht.

Für die beim Bieterverfahren erfolgreichen, privaten Investoren hatte die "Muc Real Estate Gmbh" den Umbau geplant. Die hat das Projekt nach Jahren der Verzögerung und einem anhängigen Rechtsstreit mit dem angrenzenden Landratsamt abgestoßen.

Seit Frühjahr 2017 kümmert sich Legat Living um das Gebäude. Weil ein dreistöckiger Neubau im Innenhof des Areals mittlerweile nicht mehr Teil der Planungen ist, sind auch die Klagen vom Tisch. Ein Großteil der Eigentumswohnungen, nämlich 124, soll zwischen 20 und 50 Quadratmeter haben. Sie entstehen durch die Zusammenlegung der früher acht Quadratmeter großen Zellen plus Anbauten in Richtung Hof mit großen Fenstern. Nach Ausbau des Dachgeschosses soll dort Platz für vier (!) geräumigere Wohnungen sein.

Das Unternehmen hat in München mehrere hochpreisige Immobilien

2020 ist als Einzugsdatum terminiert. Das Unternehmen ist in München bereits für seine hochpreisigen Immobilien bekannt. An der Ismaninger Straße entwickelt Legat die "Troger Höfe", im Lehel das "Sankt Anna" und in Schwabing das "Haus Friedrich". Und jetzt prägt es die Au.

Eine Katastrophe, sagen Kritiker. Und greifen den Freistaat an. Die Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl, Natascha Kohnen, sagt der AZ: "Der CSU ist das Thema bezahlbarer Wohnraum bis heute völlig egal." Öffentliche Flächen würden immer noch meistbietend an Investoren verscherbelt: "Das Areal am Neudeck ist da nur die Spitze des Eisbergs. Der Freistaat muss endlich seine Flächen für bezahlbares Wohnen und soziale Projekte zur Verfügung stellen."

Kritiker sehen Schuld beim Freistaat Bayern und der CSU

Maximilian Heisler vom "Bündnis bezahlbares Wohnen" sagt: "Das sind Luxuswohnungen. Sie werden dafür sorgen, dass der Mietspiegel steigt – und die Au für Investoren noch interessanter wird." Der Freistaat hätte auch die Möglichkeit gehabt, das Areal bewusst nicht meistbietend zu verkaufen, sagt er.

In der Au leben momentan knapp 62.000 Menschen. In der Zukunft werden ein paar dazukommen. Mit dem Abriss der Paulaner-Brauerei rund um den Nockherberg erlebt das Viertel einen radikalen Umbruch. Allein dort entstehen 1.500 neue Wohnungen. Auch dort ist wenig Platz für Nicht-Millionäre. (AZ-Kommentar zum Thema: Politik und der Luxuswahn - Kein Naturgesetz)

 

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