13 Jahre auf Schalke, 6 bei Bayern Olaf Thon im AZ-Interview: "CoCo manchmal besser als Robbéry"

Olaf Thon (49) spielte für den FC Schalke (1983-1988 und 1994 - 2002) und den FC Bayern (1988-1994). In Sachen Costa und Coman attestiert er den Bayern perfektes Scouting. Foto: dpa/AZ

Vor dem Spiel Schalke gegen Bayern spricht Olaf Thon über das Duell seiner Ex-Klubs und was er den Münchnern in dieser Saison zutraut.

 

München - Der 49-jährige Ex-Profi Olaf Thon spielte für den FC Schalke 04 (1983-1988 und 1994 - 2002) und den FC Bayern (1988-1994). Im AZ-Interview bezeichnet er den FC Bayern München als "die beste Mannschaft der Welt."

AZ: Herr Thon, nach den Anschlägen in Frankreich und der Absage des Länderspiels in Hannover unternimmt die Bundesliga den Versuch, zur Normalität zurückzukehren. Am Samstag empfängt Schalke den FC Bayern. Ist es überhaupt richtig, zu spielen?

OLAF THON: Das, was in Paris passiert ist, hat alle geschockt. Aber Schalke hat jetzt trotzdem ein wichtiges Spiel, in dem man versucht, gegen die beste Mannschaft der Welt gut auszusehen. Für mich ist das Spiel etwas Besonderes, nach meinen 13 Jahren als Profi bei Schalke und sechs bei Bayern. Gegen Bayern anzutreten, ist das Highlight des Jahres.

Auch für die Spieler wird es sicher keine einfache Situation.

Wenn man auf dem Feld steht, muss man an die schönste Nebensache der Welt, den Fußball, glauben. Der kann verbinden. Die Franzosen haben das vorgelebt und gleich gesagt, dass sie in Wembley gegen England spielen – und dass man dem Ganzen auch trotzen und die Stirn bieten muss.

Mit Leroy Sané stand ein Schalker in Paris zum ersten Mal für die Nationalelf auf dem Feld. Aus dem Traum wurde dann ein Albtraum.

Ich habe nach dem Spiel mit seinem Vater, Souleymane Sané, gesprochen. Er war auch in Paris. Der war stolz auf seinen Sohn. Aber auch er konnte das nicht genießen. Ich glaube, das nächste Länderspiel von Leroy lässt nicht lange auf sich warten. Ich hoffe, dass er gegen Bayern seine Extraklasse wieder unter Beweis stellen kann.

Ist er die Schalker Entdeckung der Saison?

Er ist wie Phoenix aus der Asche gekommen, wie schon so viele Spieler aus der A-Jugend: Benedikt Höwedes, Ralf Fährmann, Manuel Neuer, Max Meyer, Julian Draxler. Aber er ist ein ungeschliffener Rohdiamant, der noch vieles lernen kann. Gerade solche Spiele, wie das gegen Bayern, können sehr wichtig in der Karriere sein.

So wie bei Ihnen damals, als sie 1984 als 18-Jähriger beim 6:6 im Pokal gegen den FC Bayern drei Tore schossen.

Nach dem Spiel hat Bayerns Trainer Udo Lattek gesagt, dass er mich sofort für zehn Millionen verpflichten würde. Vielleicht sagt Pep Guardiola nach dem Spiel am Samstag ja Ähnliches über Sané.

Danach haben Sie verraten, dass sie als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen haben.

Ich habe mich von Rolf Töpperwien mit der Frage überrumpeln lassen. Ich war Gerd-Müller-Fan. Nachdem er 1974 das entscheidende Tor im WM-Finale geschossen hatte, war ich dann auch Bayern-Fan. Und als Kind hatte ich tatsächlich Bayern-Bettwäsche.

Lesen Sie hier: Rotalarm! Die Bilanz Schalke gegen Bayern

In welchen Laken schlafen Sie heute, Bayern oder Schalke?

(lacht) Vielleicht besorge ich mir vor dem Spiel noch Schalke-Bettwäsche und nehme das zum Anlass, an damals zu denken – und von einem Schalker Sieg zu träumen.

Was erwartet die Bayern jetzt auf Schalke?

Schalke wird der individuellen Klasse der Bayern Kampfkraft entgegenstellen, um ein kleines Wunder zu schaffen.

Mit Thiago fällt ein wichtiger Spieler des FC Bayern aus.

Thiago macht den Unterschied im kreativen Mittelfeld. Es ist aber nicht so, dass Bayern dadurch stark geschwächt wird, weil man Alternativen hat.

Sind das aus Ihrer Sicht die besten Bayern aller Zeiten?

Ich habe das 4:0 gegen Stuttgart gesehen und wie sie den VfB in der ersten Halbzeit überrollt haben. Ich sehe momentan keine andere Mannschaft, die ähnlich stark ist – im gesamten Kader. Deshalb ist der FC Bayern für mich der Topfavorit in der Champions League.

Lesen Sie hier: Guardiola: Ich will, dass Robben egoistisch spielt

Auch wegen Kingsley Coman und Douglas Costa?

Ribéry und Robben sind beide über 30 und verletzungsanfällig. Costa und Coman reichen an die Qualität von Ribéry und Robben heran, phasenweise sind sie sogar noch besser. Bayern ist es gelungen, Ersatz für die nächsten Jahre zu finden.

 

0 Kommentare