1:1 gegen Bielefeld Keine Leistung, kein Lohn: Löwen im Abstiegskrampf

Am Schluss überwog die Enttäuschung über eine verpasste Chance: Die Akteure des TSV 1860 nach dem Remis gegen Bielefeld. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 trennt sich im Heimspiel von Arminia Bielefeld mit 1:1 und verpasst es dabei, die Gäste tiefer in den Abstiegskampf zu ziehen. "Mehr als einen Punkt haben wir nicht verdient", sagt Trainer Möhlmann, Torwart Ortega kann sich nicht erklären, "warum wir nicht so giftig und bissig waren"

 

München - „Starke Leistung. Wir haben umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und den Abstand auf Bielefeld verkürzt“, hätte Benno Möhlmann nach dem Spiel sicherlich gerne gesagt. Der TSV 1860 hatte vor dem Heimspiel gegen seinen Ex-Klub große Pläne, wollte die Arminen in den Abstiegskampf ziehen und gleichzeitig den nächsten Befreiungsschlag landen. Am Ende war nicht viel dahinter – und Möhlmann musste gestehen: „Mehr als einen Punkt haben wir nicht verdient, das muss man einfach so sagen.“

Seine Elf tat sich beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld vor 20.500 Zuschauern schwer, lieferte den schwächsten Heim-Auftritt seit der Winterpause ab. „Das ist sehr ärgerlich. Wir gehen in Führung und kriegen es wieder nicht hin, die über die Zeit zu bringen“, sagte Torhüter Stefan Ortega, nach dem Duell mit seinem Ex-Kollegen. Er wollte ihnen wehtun, sagte er vor der Partie – weh tat stattdessen das ideenlose Spiel der Löwen.

 

Auf Relegationsplatz 16 zurückgefallen

Immerhin brachte Neuzugang Jan Mauersberger die Sechzger mit einem Kopfball-Abstauber in Führung (19.), den Assist lieferte einmal mehr Standard-Experte Michael Liendl mit einer Freistoßflanke aus dem rechten Mittelfeld. Mutige Bielefelder erzielten durch Michael Görlitz den Ausgleich (55.). Weil Fortuna Düsseldorf unter dem ehemaligen Löwen-Trainer Friedhelm Funkel erwachte und mit 4:3 gegen Kaiserlautern siegte, ist der TSV mit 25 Punkten auf Relegationsplatz 16 zurückgefallen.

Möhlmann vertraute derselben Elf, die gegen Tabellenführer RB Leipzig trotz 1:2 nicht schlecht ausgehen hatte, mit einer Änderung: Anstelle von Milos Degenek kehrte Routinier Kai Bülow zurück in die Startelf. Die Mannschaft agierte aber weder so, wie gegen den Spitzenreiter, noch wie zuletzt zuhause, als man in drei Spielen sieben Punkte einfahren konnte: Kaum Spiel-Kultur, Löwen-Lethargie statt Offensiv-Power. „So richtig erklären kann ich es mir nicht, warum wir nicht so giftig und bissig waren“, sagte Ortega und kritisierte „zu viele Ballverluste.“ Der Druck des Gewinnen-Müssens war wohl zu groß, denn das Giftigste und Bissigste waren Möhlmanns Schimpftiraden an der Seitenlinie.

 

Mit einem "bitteren Gefühl" in die Länderspielpause

Nach Schlusspfiff grantelte dieser: „Wir von Anfang an nicht in unserem Spiel. Der Gegner hat sehr gut gestanden, sehr gutes Zweikampfverhalten gezeigt. Wir hätten unsere Pässe präziser spielen müssen.“ Keine Leistung, kein Lohn eben. So waren es die Arminen, die mit einem Freistoß von Rodriguez (33.) und einem Distanzschuss (45.) desselben gefährlich wurden – Ortega konnte beide Bälle entschärfen. Und die Löwen? Ein knapper Uwe-Seeler-Gedächtnis-Kopfball per Hinterkopf von Rubin Okotie, (5.), der ansonsten untertauchte. Arminen-Sturmhüne Fabian Klos agierte mindestens so auffällig wie Okotie und Sascha Mölders zusammen.

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Nach der Pause dasselbe Bild: Umständliche Möhlmänner, sicher stehende Gäste, die ab und an gefährlich wurden – spielerisch ging bei beiden Teams nicht mehr viel. Möhlmann reagierte mit einem Doppelwechsel und brachte Milos Degenek für den verletzten Gary Kagelmacher und Valdet Rama für Levent Aycicek, aber auch diese Maßnahme verlieh dem Löwen-Spiel keine Flügel mehr. Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, 6:1 Ecken – Bielefeld lag überall vorne. Und so musste Kapitän Chris Schindler am Ende erklären: „Wir dürfen uns jetzt nicht alles kaputtreden lassen. Wer weiß, wozu dieser Punkt noch gut sein wird.“ Mit dem Remis und einem „bitteren“ Gefühl (Ortega) gehen die Löwen nun in die Länderspielpause. Und trauern einer verpassten Chance hinterher.

 

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