10 Jahre Biostadt & Bio für Kinder Mittagsbetreuung in Kita & Schule: Stadt zieht Bilanz

Gemeinsam gesund essen – das will die Stadt München ganz besonders für die Kleinsten. Foto: dpa

Seit 2006 setzt sich die Stadt dafür ein, dass die Jüngsten gesunde Verpflegung bekommen. In den Kitas geht es gut – in den Schulen hapert es.

 

München - Wer auf Nummer sicher gehen will, schmiert morgens so viele Pausenbrote, dass es für den ganzen Tag reicht – aber eine Garantie, dass die nicht im Mülleimer landen, gibt es nicht. Und ab einem gewissen Alter ist das Pausenbrot von Mama ja auch uncool. Also wünschen sich viele, dass ihre Kinder in Kita und Schule gesundes Essen bekommen – das am besten auch noch bezahlbar ist und gut schmeckt.

Genau aus diesem Anspruch hat sich vor zehn Jahren die Initiative "Bio für Kinder" gegründet, eine Zusammenarbeit von Tollwood-Festival und Stadt. Über 200.000 Kinder und Jugendliche leben in München, davon gehen 35.000 in eine der 400 städtischen Kindertageseinrichtungen. Und dort sollen sie so viel wie möglich Bio-Verpflegung bekommen, so das Ziel der Initiative.

Mittlerweile haben alle städtischen Kindertageseinrichtungen einen Bio-Wareneinsatz von 50 Prozent, bei tierischen Produkten liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent. Die Auflagen der Stadt umfassen auch, dass für Kinder von null bis drei Jahren ausschließlich frisch gekocht wird, erklärt Beatrix Zurek, Münchens Referentin für Bildung und Sport. Von drei bis sechs Jahren darf nur 60 Prozent Tiefkühlkost dabei sein, der Rest ist frisch. Ab dem Schulalter dürfen dann höchstens 70 Prozent der Schulverpflegung mit dem sogenannten "Cook & Chill"-Verfahren (auf Deutsch: "Kochen & Kühlen") zubereitet sein, mit dem man frische Mahlzeiten länger haltbar macht.

Bio-Gerichte müssen nicht viel teurer sein als konventionelle

Während die Stadt also bei den ganz Kleinen viel mitentscheiden kann, ist es bei den Älteren schwierig, erklärt Zurek: Denn auch wenn die meisten Kitas in städtischer Hand sind, gehören die Gymnasien, Mittel- und Realschulen zum Freistaat. Und deswegen kann die Stadt dort nicht auf den Teller gucken. Für Stephanie Weigel, Tollwood-Umweltreferentin und Projektleiterin von "Bio für Kinder", fällt die Bilanz trotzdem positiv aus: "München ist bundesweit Vorreiter." Sie kennt aber auch das häufigste Argument, mit dem Kantinen sich gegen mehr Bioanteil in der Verpflegung stellen: "zu teuer".

Deswegen hat "Bio für Kinder" mit 30 Einrichtungen ein Pilotprojekt durchgeführt, bei dem die Kosten für eine 100-prozentige Bio-Verpflegung ermittelt werden sollten. Mit Speiseplanumstellung – weniger Fleisch, mehr Gemüse –, und der Optimierung von Einkauf und Küchenmanagement könne man viel erreichen, sagt Weigel. "Es ist kein Hexenwerk, sondern einfaches Kücheneinmaleins." Das Beratungsunternehmen a’verdis wertete das Ergebnis aus: Im Schnitt würde ein Bio-Mittagessen nur etwa 35 Cent mehr kosten – "das sollte uns eine gesunde Verpflegung für unsere Kinder wert sein", so Weigel.

 

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