Zwölf Corona-Tote in Pflegeheim: Personal- und Materialnot

Im Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus geht der Kampf um das Leben von mit dem Coronavirus infizierten Bewohnern weiter. Sie werden in separate Stationen gebracht - evakuiert wird nicht. Oberbürgermeister Schuchardt richtet einen Appell an die Öffentlichkeit.
| dpa
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An einer Tür zu einem Würzburger Seniorenheim ist ein Schild angebracht, das von Besuchen abrät. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild
dpa An einer Tür zu einem Würzburger Seniorenheim ist ein Schild angebracht, das von Besuchen abrät. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild

Würzburg (dpa/lby) - Das Würzburger Seniorenheim St. Nikolaus wird auch nach dem Tod eines zwölften mit dem Coronavirus infizierten Bewohners nicht evakuiert. Die positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getesteten Menschen sollen auf Stationen innerhalb der Einrichtung isoliert werden, teilten Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) und der Leiter des Würzburger Gesundheitsamtes, Johann Löw, am Freitag mit. Das sei nach langer Abwägung aller Faktoren die medizinisch sinnvollste Lösung, hieß es.

Die Einrichtung leide derzeit vor allem an einem Mangel an Personal und Schutzkleidung, sagte Schuchardt. Er appellierte an Unternehmen "und an die Allgemeinheit", weiter zu helfen. Es gebe ein großartiges Engagement in der Würzburger Bevölkerung. So nähten einige Unternehmen Atemmasken und Schutzkleidung, ein Farbenhersteller habe nicht benötigte Schutzmasken zur Verfügung gestellt.

Inzwischen sind den Angaben zufolge alle 161 meist hochbetagten und teils demenzkranken Bewohner sowie alle Mitarbeiter der Einrichtung auf das Coronavirus getestet worden; 44 Bewohner und 32 Mitarbeiter waren positiv. Alle drei Tage sollen die Tests wiederholt werden.

Alle infizierten Bewohner werden nun auf zwei bis drei Stationen gebracht. Bewohner, die nicht positiv getestet sind, bleiben auf ihren bisherigen Stationen. Gegen eine Evakuierung des Heims habe gesprochen, dass beim Transport der hochbetagten, infizierten Menschen eine neue Infektionsgefahr entstanden wäre, so Schuchardt.

Der ärztliche Leiter des Krisenstabs, Michael Schwab, sagte, bei der Komplett-Testung des Heims seien auch völlig unauffällige Bewohner positiv gewesen. Auch habe sich gezeigt, dass es bei der Krankheit häufig nach sieben Tagen zu einem weiteren Schub komme.

"Bei der Behandlung von Corona lernen wir Ärzte jeden Tag dazu", sagte er. "Es kann jedes Heim treffen. Wir mussten schmerzhaft lernen, wie schnell die Pandemie sich ausbreitet." Die jetzt in dem Heim getroffenen Maßnahmen könnten für andere zu einer "Blaupause" werden, um Herausforderungen durch das Virus besser zu bewältigen.

In der Pflegeeinrichtung herrschten "überraschend geordnete Verhältnisse", fügte Schwab hinzu. Pflegekräfte und Ärzte arbeiteten dort an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Sie gingen das eigene Risiko einer Infektion ein, um die Bewohner zu versorgen. "Menschen mit Demenz zu pflegen, bedeutet Körperkontakt - beim Waschen, beim Anziehen, beim Medikamente-Verabreichen. Und sie können demente Menschen nicht fixieren oder in ihrem Zimmer einsperren", sagte er.

Eine gute Nachricht sei, dass von zwölf Bewohnern, die mit Krankheitssymptomen in Würzburger Kliniken gebracht worden waren, inzwischen sechs genesen seien, sagte der Pandemiearzt. Diese könnten wieder zurückverlegt werden.

Er mahnte aber auch: "Wenn wir das Leben dieser hochbetagten Patienten retten wollen, brauchen wir die bestmögliche Unterstützung, insbesondere mehr Schutzausrüstung, mehr Testkapazitäten und Pfleger, die bereit sind, das Risiko einer Infektion einzugehen."

In dem Seniorenheim St. Nikolaus war am Freitag der zwölfte Patient nach einer Infektion mit dem neuartigen Erreger gestorben. Gesundheitsamtsleiter Löw zufolge wurde auch in einem weiteren Würzburger Altenheim eine Patientin positiv getestet. Sie werde nun ebenfalls isoliert. Auch im Landkreis Fürth und in Augsburg wurden Corona-Fälle in Seniorenheimen bekannt.

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