Züge hätten zwangsgestoppt werden müssen

Technisches oder menschliches Versagen? Die Auswertung der drei Blackboxen soll erste Erkenntnisse zur Unfall-Ursache liefern.
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Die Unfallstelle an der Mangfall liegt in einer Kurve, Bäume versperren den Blick auf den weiteren Streckenverlauf: Die Lokführer der beiden Meridian-Züge hatten wohl erst im letzten Moment Sichtkontakt.
dpa Die Unfallstelle an der Mangfall liegt in einer Kurve, Bäume versperren den Blick auf den weiteren Streckenverlauf: Die Lokführer der beiden Meridian-Züge hatten wohl erst im letzten Moment Sichtkontakt.

Rosenheim/München - Eigentlich hätte die Katastrophe von Bad Aibling hatte Verspätung.

Doch selbst in diesem Fall hätten die Bahnen zwangsgestoppt werden müssen, automatisch: Seit im Januar 2011 nahe Magdeburg zehn Menschen beim Frontalzusammenstoß eines Güterzuges mit einer Regionalbahn ums Leben kamen, hat die Deutsche Bahn auf nahezu allen Strecken das Sicherungssystem „Punktförmige Zugbeeinflussung“ (PZB) eingesetzt, auch bei der eingleisigen Mangfalltalbahn.

„Dieses System soll automatisch dafür sorgen, dass Züge nicht aufeinandertreffen, sondern zwangsgebremst werden“, erklärte Verkehrsminister Alexander Dobrindt gestern bei einer Pressekonferenz.

Trotzdem rasten die beiden Meridiane mit Tempo 100 direkt aufeinander zu – an einer Stelle, an der die Lokführer kaum eine Chance hatten, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen: Der Unglücksort liegt in einer Kurve, Bäume versperren die Sicht auf den weiteren Streckenverlauf.

Beim PZB-System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett. Diese sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.

 

Experten werten Black-Boxen der Unglückszüge von Bad Aibling aus

 

Das PZB-System der Mangfall-Strecke sei erst vor einer Woche kontrolliert worden, so Klaus-Dieter Jostel von der Deutschen Bahn. Dabei habe es keine Probleme gegeben.

Von der Auswertung der insgesamt drei Blackboxen erhoffen sich die Staatsanwaltschaft Traunstein und die Kriminalpolizei Rosenheim nun Hinweise darauf, wie es trotzdem zu dem tödlichen Zusammenprall kommen konnte – genau wie der Bundespolitiker: „Unser Interesse ist es umgehend aufzuklären, ob es sich um ein technisches Problem oder menschliches Versagen handelt“, so Alexander Dobrindt.

„Entweder haben diese Signale nicht stattgefunden, oder sie wurden mit einem Mechanismus beantwortet.“

Lesen Sie hier den AZ-Newsblog zum Zugunglück in Bad Aibling

Was er damit meint, ließ der Minister offen. Auf die Frage eines Reporters, ob es stimme, dass sich ein Praktikant im Führerstand befunden hätte, antwortete Dobrindt: „Davon habe ich keine Kenntnis.“

Laut AZ-Informationen soll unter den Toten ein Lehrlokführer sein. Die französische Transdev-Gruppe, zu der die Meridian-Betreibergesellschaft Bayerische Oberlandbahn gehört, wollte dies jedoch nicht bestätigen.

„Nach unserer Kenntnis scheinen sich die beiden Lokführer bedauerlicherweise unter den Toten zu befinden. Allerdings dauern die Arbeiten zur Identifizierung der Opfer noch an. Bezüglich der Personalien der Opfer können wir aus verständlichen Gründen leider keine Auskunft geben“, teilte die Pressestelle mit.

„Die Ermittlungen durch die zuständigen Behörden zum genauen Unfallhergang dauern an. Die Transdev-Gruppe unterstützt diese in vollem Umfang.“

 

 

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