Wiedereröffnung von beliebtem Gasthof: Augustiner-Bräu ist Pächter

Der Berggasthof im Chiemgau ist behutsam saniert worden. Bald soll er wieder Touristen empfangen. Wie er jetzt ausschaut und was sich sonst so bei dem traditionsreichen Gastbetrieb geändert hat.
Anne Hund |
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Traditionell und gerüstet für die Zukunft: So steht der Berggasthof Streichen nach der denkmalgerechten Sanierung da. Die Aufnahme stammt vom 21.  Juni.
Traditionell und gerüstet für die Zukunft: So steht der Berggasthof Streichen nach der denkmalgerechten Sanierung da. Die Aufnahme stammt vom 21. Juni. © Anne Hund

Ein historischer Ort und einst ein Anziehungspunkt für Wanderer wird wieder zum Treffpunkt: Das Anwesen des Berggasthofs Streichen bei Schleching im südlichen Chiemgau ist aufwendig und denkmalgerecht saniert worden.

Der Gastbetrieb soll nach längerer Pause noch in diesem Sommer starten. Bei einem Festakt am Samstag wurde die Wiedereröffnung des Hauses gefeiert.

Jahrzehntelang waren in dem Gasthof Einheimische und Ausflügler eingekehrt – bis im Jahr 2020 der letzte Besitzer verstarb und der Berggasthof erst einmal schließen musste. Die Geschwister des ehemaligen Besitzers konnten den traditionellen Betrieb damals nicht fortführen.

Vision für Streichen: Bayerisches Gasthaus erhalten

Doch 2021 erwarb die gemeinnützige Stiftung Kulturerbe Bayern das historische Gebäude zusammen mit der Yvonne-und-Thomas-Wilde-Familienstiftung sowie mit Unterstützung der Initiative "Die Streichenfreunde". Die beiden Stiftungen kümmern sich seither um den Erhalt des Anwesens.

Denn dass der Gasthof für die Öffentlichkeit bestehen bleibt, war ihnen ein besonderes Anliegen. "Unsere gemeinsame Vision: Diesen Ort, wo sich scheinbar Himmel und Erde berühren, auf Dauer als typisch bayerisches Gasthaus mit einer lebendigen Wirtshauskultur zu erhalten", teilte die Yvonne-und-Thomas-Wilde-Familienstiftung zu dem besonderen Projekt mit. Unter der Regie der Stiftung Kulturerbe Bayern wurde das historische Haus seit 2023 außerdem behutsam saniert. Insgesamt handelt es sich um ein Millionenprojekt.

Im April 2026 wurde bekannt, dass Augustiner-Bräu die Pacht des Gebäudes übernimmt. Und zwar zum 1. Juli, wie die Stiftung Kulturerbe Bayern auf AZ-Anfrage mitteilte. Wann genau der Gastbetrieb konkret wieder aufgenommen werde, sei noch nicht bekannt, so eine Sprecherin der Stiftung zur AZ.

Gasthof Streichen: Auf der Zielgeraden bei Wirtssuche

Bereits in wenigen Wochen könnte es jedoch so weit sein. Bei der Wirtssuche sei man inzwischen auf der Zielgeraden, hieß es vonseiten der Augustiner-Bräu Wagner KG bei der Feier zur Wiedereröffnung am vergangenen Wochenende.

Man hoffe, in den nächsten Tagen konkretes mitteilen zu können. In der Gaststätte soll künftig Augustiner-Bier ausgeschenkt werden. Zusätzlich habe man mit der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan einen Bierlieferungsvertrag unterzeichnet, der sich auf die Weizenbierspezialitäten von Weihenstephan erstrecke, so die Sprecherin der Stiftung Kulturerbe Bayern.

Der Blick in eine der drei historischen und sanierten Gaststuben.
Der Blick in eine der drei historischen und sanierten Gaststuben. © Kulturerbe Bayern/Thomas Dashuber

90 Sitzplätze bietet der Gasthof mit drei historischen Stuben und einem komplett neuen Gastraum künftig. 60 Sitzplätze befinden sich zudem in dem für private Feiern ausgerichteten Kaser – die Almhütte liegt nur wenige Meter entfernt. Im Biergarten soll es 140 Sitzplätze geben. Das Haus verfügt über zwölf  Gästezimmer – darunter befinden sich vier historische Räume im früheren Mesnerhaus.

Bei der denkmalgerechten Sanierung war viel Liebe zum Detail gefragt: Der historische, vordere Wohnteil des Berggasthofs (ehemaliges Mesnerhaus) wurde denkmalpflegerisch restauriert. Die Fassade wurde den historischen Vorlagen wieder angepasst.

Photovoltaik-Anlage soll für Stromversorgung sorgen

Restauratorische Untersuchungen an der Ostfassade und in den Innenräumen hätten "überraschende Befunde" zutage gebracht, schildert die Stiftung Kulturerbe Bayern: barocke Elemente, historische Leinölanstriche, ultramarinblaue Holzelemente und "Spuren eines früheren Erscheinungsbildes, das bis um 1900 prägend blieb". Auf dieser Grundlage sei ein Gestaltungskonzept entstanden, das die Geschichte des Hauses wieder "lesbar" mache.

Auch das barocke Edelweiß an der Ostfassade, das auf historischen Fotografien noch erkennbar ist, sei in das Erscheinungsbild des Ensembles zurückgekehrt.

Was für ein Bilderbuch-Ensemble: unten der Gasthof, oben das historisch einmalige Streichen-Kirchlein.
Was für ein Bilderbuch-Ensemble: unten der Gasthof, oben das historisch einmalige Streichen-Kirchlein. © Kulturerbe Bayern/Th. Dashuber

Gleichzeitig wurde der Streichen für die Zukunft gerüstet: Der nicht denkmalgeschützte Anbau aus den 50er Jahren wurde zurückgebaut und durch einen neuen Gebäudeteil ersetzt. Eine voll ins Dach integrierte Fotovoltaikanlage mit Speicher soll künftig einen Beitrag zur Stromversorgung des Gasthofs leisten. Für Wärme sorgt eine CO2-neutrale Hackschnitzelheizung. Lehmputz, Wandheizungen und eine moderne Lüftungstechnik sollen ein angenehmes Raumklima schaffen.

Streichen: "Ort der Begegnung"

Der Freistaat Bayern hat das Projekt unterstützt. Der Streichen sei schon "seit Jahrhunderten ein Ort der Begegnung für Einheimische, Durchreisende, Wanderer und Pilger" gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Amts für Ländliche Entwicklung Oberbayern, das die umfassende Sanierung des Berggasthofs nach eigenen Angaben ebenfalls gefördert hat.

Zunächst sei es vor allem die kunsthistorisch bedeutende Wallfahrtskirche St. Servatius gewesen, die fromme Gläubige anzog, heißt es zu der Historie. "Ob hartgesottene Wallfahrer zuerst den Wirt und dann den Herrgott begrüßten", sei nicht überliefert.

Die Streichenkirche feierte im Jahr 1994 ihren 800. Geburtstag. Der "im Jahre 1435 als Widum erstmals erwähnte spätere Berggasthof Streichen" gilt der Yvonne-und-Thomas-Wilde-Familienstiftung zufolge wegen seiner Nähe zur weit über das Achental hinaus berühmten Streichenkirche und seiner geografischen Lage "sowohl historisch als auch kulturell und touristisch als Wahrzeichen Schlechings und der Region".

"Hutschn Steig": Neuer Wanderweg wurde gebaut

Seit 1940 habe die Familie Strohmayer ihre Gäste im unterhalb der Streichenkirche gelegenen Berggasthof bewirtet. Franz Strohmayer habe 1984 den Berggasthof von seinen Eltern übernommen und diesen bis zu seinem Tod im November 2020 fortgeführt.

"Im Sommer 2021 konnten wir die Stiftung Kulturerbe Bayern dazu gewinnen, dieses Kleinod in Partnerschaft mit uns zu erwerben", schrieb die Yvonne-und-Thomas-Wilde-Familienstiftung.

Parallel zu dem Umbau wurde ein Wanderweg gebaut: Der "Hutschn Steig" inklusive zweier jeweils vier Meter hoher Schaukeln führt mit Start an der "Faschingswiese" hinauf zum Berggasthof Streichen und zur Streichenkirche. Oben genießt man die Aussicht auf den Geigelstein, die Kampenwand oder den Hochgern. 

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