Wie teuer wird das neue Asylheim wirklich?

Das einstige Hotel Bastenhaus in Tegernsee soll für Flüchtlinge genutzt werden – doch es steht bald vier Jahre leer. Für Pacht und Brandschutz fallen trotzdem etliche Hunderttausende Euro an.
| Klaus Wiendl
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Direkt am See steht das frühere Hotel – eine Traumlage.
Klaus Wiendl Direkt am See steht das frühere Hotel – eine Traumlage.

Tegernsee - Die Lage direkt am See mit Steg und Liegewiese ist einmalig, doch das Bastenhaus in Tegernsee steht seit Frühjahr 2016 leer. Es soll als Asylheim dienen. Dafür pachtete es das Landratsamt Miesbach im Juni 2016 für die Dauer von zehn Jahren. Seitdem verursacht der Leerstand 10.000 Euro Pacht monatlich.

Im Juni 2020 werden 480.000 Euro Miete an den Eigentümer überwiesen sein, ohne dass je ein Flüchtling über die Schwelle trat. Bis zu 50 von ihnen will der Freistaat darin unterbringen.

Das große Problem: Der Brandschutz in dem Gebäude

Als Hemmschuh erwies sich der mangelnde Brandschutz, der offenbar bei den Vertragsverhandlungen nicht erkannt wurde – er wurde zum Fass ohne Boden. Ging das Landratsamt zunächst von 80.000 Euro aus, so sprach man vor einem Jahr bereits von 345.000 Euro. Inzwischen könnten es auch noch mehr werden, denn es werde "eine moderate Steigerung erwartet", sagt Pressesprecher Birger Nemitz auf AZ-Anfrage.

Das Landratsamt gehe aber "weiterhin davon aus, dass das Bastenhaus ein sehr gutes Kosten-/Nutzenverhältnis bietet, besonders bezogen auf die Nutzungsdauer oder im Vergleich zu anderen Unterbringungen wie Turnhallen oder Traglufthallen".

Da es sich um Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an einem alten Bestandsgebäude handeln würde, lasse sich laut Nemitz "der Zeitpunkt der Fertigstellung nicht konkret beziffern". Er gehe davon aus, dass die Unterkunft in etwa einem halben Jahr bezogen werden könne.

Mit anderen Worten: viereinhalb Jahre nach Pachtbeginn und Gesamtkosten bis dahin von gut 800.000 Euro für den Leerstand.

Für manche Räte im Miesbacher Kreistag ist dies ein "Skandal", schimpfte zuletzt Anastasia Stadler (CSU). "Es ist tragisch, wie hier über Jahre Steuergelder verprasst wurden."

Der "eigentliche Skandal" sei, so Martin Walch (SPD), dass trotz Pacht das Gebäude bisher ungenutzt geblieben sei. Eine vorübergehende Belegung wurde kürzlich im Tegernseer Stadtrat angeregt, um Wohnraum für Mitarbeiter der Gastronomie zu schaffen. Wenn es nicht bald belegt werde, "war es dann zehn Jahre ohne irgendeinen Nutzen gepachtet".

Bund der Steuerzahler: "Interessiert uns sehr stark"

Dies ruft auch den Bund der Steuerzahler auf den Plan. "Bezüglich der Kostenfrage werden wir weiterhin am Ball bleiben", sagt Michael Stocker. "Der Vorgang Bastenhaus interessiert uns sehr stark." Derweil verkündet Birger Nemitz vom Landratsamt nach über dreieinhalb Jahren Stillstand: "Jetzt haben die Umbaumaßnahmen begonnen", denn man habe nun "einen Bauleiter verpflichtet". Dieser müsse aber erst noch interessierte Firmen suchen, die die Arbeiten durchführen.

Angesichts der derzeitigen Marktlage im Bausektor ist dies für den Kreiskämmerer Gerhard de Biasio "eine mehr als schwierige Aufgabe".

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