Interview

Walhalla-Denkmalschefin Seidl: "Ich denke nun dreimal nach"

Rebecca Seidl steht seit 1. Januar der Walhalla und der Befreiungshalle in Kelheim vor. Ein Gespräch über die Betreuung von Gebäuden und die Frage, ob in die Walhalla mehr Frauen gehören.
| Miriam Graf
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Die Walhalla nahe Regensburg im Januar 2022. Sie wurde von Leo von Klenze entworfen und zwischen 1830 und 1842 errichtet. Vorbild war das Parthenon in Athen. In der Ruhmeshalle werden bedeutende deutsche und mit Deutschland verbundene Persönlichkeiten mit Büsten oder Gedenktafeln geehrt - überwiegend Männer bislang, was vor allem der Geschichte geschuldet ist.
Die Walhalla nahe Regensburg im Januar 2022. Sie wurde von Leo von Klenze entworfen und zwischen 1830 und 1842 errichtet. Vorbild war das Parthenon in Athen. In der Ruhmeshalle werden bedeutende deutsche und mit Deutschland verbundene Persönlichkeiten mit Büsten oder Gedenktafeln geehrt - überwiegend Männer bislang, was vor allem der Geschichte geschuldet ist. © picture alliance/dpa

Donaustauf - Die Burgen Prunn und Rosenburg in Riedenburg (Kreis Kelheim) stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die Walhalla in Donaustauf (Kreis Regensburg) und die Befreiungshalle in Kelheim aus dem 19. Jahrhundert. Letztere wurde 1863 vollendet.

"Alles andere als verstaubt"

129 Jahre später wurde Rebecca Seidl geboren. Die 29-Jährige ist seit Januar bei der Bayerischen Schlösserverwaltung für diese vier Denkmäler verantwortlich. Das ist alles andere als verstaubt, sagt Seidl, die aus Kolmberg (Kreis Cham) stammt. Sie spricht darüber, wie sie als junge Frau diesen ehrwürdigen Gebäuden gerecht wird.

AZ-Interview mit Rebecca Seidl: Die 29-Jährige ist seit1. Januar für vier Denkmäler in der Oberpfalz und in Niederbayern sowie 22 Mitarbeiter verantwortlich.
AZ-Interview mit Rebecca Seidl: Die 29-Jährige ist seit1. Januar für vier Denkmäler in der Oberpfalz und in Niederbayern sowie 22 Mitarbeiter verantwortlich. © Bayerische Schlösserverwaltung

AZ: Frau Seidl, Sie waren die rechte Hand Ihres Vorgängers Karl-Heinz Mückl in der Kelheimer Außenstelle der Schlösserverwaltung. Sie sind also bestens eingearbeitet. Jetzt sind Sie die Chefin - was ändert sich?
Rebecca Seidl: Ich dachte selbst, dass sich nicht so viel ändert. Aber ich denke jetzt über einige Sachen dreimal nach, bevor ich eine Entscheidung treffe. Als Stellvertreterin habe ich schneller mal meine Meinung dazu gegeben und eine Antwort aus dem Ärmel geschüttelt. Die Entscheidung ist dann zwar oft ähnlich wie meine erste Reaktion, aber wohlüberlegter.

Die vier Gebäude, für die Sie nun verantwortlich sind, sind in den vergangenen Jahren für viel Geld generalsaniert worden. Wird Ihnen jetzt nicht etwas langweilig?
Nein, wir sind mit den Gebäuden durch, das stimmt, aber jetzt fangen wir mit den Außenanlagen an. Sie sollen moderner werden. Man findet immer eine Aufgabe. Bei den alten Gebäuden gibt es außerdem immer Sanierungsbedarf, es müssen immer Arbeiten durchgeführt werden, damit wir die Substanz erhalten.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsgebäude von den vieren?
Das ist wie die Frage nach dem Lieblingskind. Jedes Gebäude hat seine Eigenheiten. Als zugezogene Regensburgerin habe ich zur Walhalla eine besondere Verbindung, aber in der Befreiungshalle war ich als Kind immer wieder, die gehört genauso zu mir wie aber auch die beiden Burgen.

"Wir sind Vermittler eines Erbes und ordnen es ein"

Die Walhalla und die Befreiungshalle sind kein ganz leichtes Erbe. Sie sind politische Bauten, die im 19. Jahrhundert Bayern, Deutschland, den Sieg über Napoleon ein Stück weit verherrlichen sollten.

Wie kann man im 21. Jahrhundert mit diesem Erbe umgehen?
Die Schlösserverwaltung - und auch ich - sieht es so, dass wir Vermittler des Erbes sind. Wir ordnen es in seinen Kontext ein und bringen es so den Besuchern näher.

Was reizt Sie denn daran, die Vergangenheit zu vermitteln?
Die Vergangenheit gehört zu uns - auch ihre Gebäude. Man sollte die Chance erkennen, die man in dieser Aufgabe hat. Die Vermittlung der Vergangenheit ist aber nur ein Teil meiner Aufgaben, nicht die Hauptaufgabe. In meiner alltäglichen Arbeit ist die Betreuung der Gebäude selbst wichtiger. Die Komplexität der Stelle ist das, was mich daran reizt. Kein Tag ist wie der andere, täglich steht man vor neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Wie zum Beispiel?
Der Besucherbetrieb ist eine Herausforderung, weil man nie weiß, wie viele Menschen kommen. Dann müssen die technischen Anlagen am Laufen gehalten werden, die wollen oft nicht so wie wir. Besonders bei der Walhalla, die fällt ja erst seit 2016 in den Zuständigkeitsbereich der Schlösserverwaltung, davor war das staatliche Bauamt zuständig. Da mussten wir uns erst einarbeiten, aber das haben wir inzwischen gut geschafft. In den Außenstellen der Schlösserverwaltung muss der Verwaltungschef einfach sehr breit aufgestellt sein.

Durch die Pandemie kamen bestimmt weitere neue Aufgaben auf Sie zu - während der Lockdowns im Frühjahr 2020 und 2021 waren die Denkmäler überlaufen, Mindestabstände wurden nicht eingehalten.
Das ist ein weiteres Beispiel für die Unvorhersehbarkeit meiner Aufgaben. Die Pandemie hat uns da natürlich vor große Herausforderungen gestellt. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen werden. Da muss man einfach versuchen, das Beste daraus zu machen, Regeln aufstellen und darauf achten, dass sie eingehalten werden.

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"Der Fokus liegt jetzt stärker auf Frauen in der Walhalla"

Bei der Walhalla kommt immer wieder die Diskussion auf, dass nicht genug Frauen gewürdigt werden. Es sind nur 13 Frauen unter 195 Geehrten. Wie stehen Sie dazu?
Das kann man nicht von der Hand weisen, rein rechnerisch sind deutlich weniger Frauen vertreten als Männer. Das ist der Geschichte geschuldet. Das ist schade, weil es viele Frauen gibt, die Besonderes geleistet haben. Aber die Zeiten haben sich ja auch geändert und nun liegt der Fokus auch in der Walhalla stärker auf Frauen. In den vergangenen Jahren sind ja merklich mehr Frauen aufgenommen worden.

Sie haben selbst für Ihr junges Alter viel erreicht. Sie sind Diplom-Verwaltungsfachwirtin, arbeiteten beim Landratsamt Starnberg, beim Bezirk Oberpfalz, haben den Master Public Management an der TH Deggendorf studiert. Nun sind Sie Chefin einer von 17 Außenstellen der Schlösserverwaltung. Reicht Ihnen dieser Posten oder planen Sie bereits den nächsten Karriereschritt?
Ich möchte die Stelle ausfüllen, die Verantwortung übernehmen und ihr gerecht werden. An Weiteres denke ich noch nicht. Mir ist bewusst, dass ich in sehr jungen Jahren eine große Chance bekommen habe.

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