Viele Münchner kennen ihn vom Stachus: Jetzt kandidiert "Biss"-Verkäufer Dirk Schuchardt
Am Sonntag sind die Wähler in Bayern aufgefordert, ihr Kreuzchen zu machen. Auf der ein oder anderen Liste findet man dabei auch Namen, die man zunächst aus komplett anderen Bereichen als der Politik kennt. Zum Beispiel den von "Biss"-Verkäufer Dirk Schuchardt.
Der angestellte Verkäufer steht regelmäßig in München an der Rolltreppe, die am Stachus an die Oberfläche führt. Eine Stelle, an der jeden Tag Tausende Menschen vorbeigehen – Schuchardt ist deshalb längst kein Unbekannter.
Er hat selbst früher, wenn auch aus freien Stücken, auf der Straße gelebt. Vor knapp zwei Jahren erzählte er der AZ seine Geschichte. Seine Wahlheimat ist Planegg. Dort ist er Beisitzer im Vorstand des SPD-Ortsvereins. Nun will Schuchardt den Einzug in den Planegger Gemeinderat schaffen. Der Verkäufer steht auf dem siebten Platz der SPD-Liste.
Er will diejenigen vertreten, die zu wenig gehört werden
Was hat ihn dazu gebracht, zu kandidieren? "Mich hat dazu bewogen, dass ich etwas wiedergeben möchte an die Planegger und an die Bürger im Allgemeinen. Man hat mich sehr freundlich aufgenommen, als ich damals nach Bayern gekommen bin", sagt der gebürtige Westfale der AZ. "Ich habe hier Fuß gefasst, und ich möchte helfen, die Lebenssituation der Planegger und Martinsrieder zu verbessern."
Doch der 57-Jährige hat noch weitere Pläne: Bei den Kommunalwahlen an diesem Sonntag kandidiert er auf Platz 57 der SPD-Liste für den Kreistag München-Land. Welche Zielgruppe ist ihm dabei besonders wichtig? "Mir liegt jeder am Herzen, aber ganz besonders die Zielgruppe, die sich in der Politik nicht ausreichend vertreten fühlt. Und das sind diejenigen, die nicht studiert haben, die keinen akademischen Grad haben, sondern jede Woche 40 Stunden hart körperlich arbeiten müssen."
"Wer ist näher am Bürger als ich?"
Er dagegen wisse, wie es sich anfühlt, wenn man mit jedem Cent rechnen muss. "Wer ist näher am Bürger dran als ich, der jeden Tag am Stachus in der Stadt ist und ein offenes Ohr für die Menschen hat?"
Der dreifache Familienvater weiß, wie schwer es ist, wenn man mit geringerem Einkommen im Speckgürtel von München seine Miete und seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. "Ich finde, wir brauchen eine starke Sozialdemokratie, denn nur so kann man gewährleisten, dass die finanziell nicht so gut gestellten Menschen sich auch mitgenommen fühlen können."
Das wünscht er sich für München
Er wolle sich im Landkreis München für sozialen Wohnungsbau einsetzen, für Verkehrssicherheit und Mobilität. In den Planegger SPD-Ortsverein eingetreten sei er bereits im Jahr 2009, berichtet er. Seit 2014 sei er dort Beisitzer im Vorstand. Jetzt rechne er fest damit, dass er in den Gemeinderat komme, gibt sich der Planegger zuversichtlich: "Mit Platz sieben habe ich einen ganz guten Ausgangspunkt."
Und die Kreistagswahl? Um von Platz 57 aus in den Kreistag zu kommen, müsse man "schon sehr, sehr zuversichtlich" sein, sagt Schuchardt ganz offen. Doch er will die Hoffnung nicht aufgeben. "Sollte ich wider Erwarten doch in den Kreistag kommen, werde ich mich dort genauso einbringen wie im Gemeinderat", sagt er – und wünscht sich dort vor allem eine starke SPD: "Je stärker das Würmtal in den Kreistag gewählt wird, umso besser ist es."
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