Trotz Corona zurück zur Schule: So soll es klappen

Hygieneregeln, keine Klassenfahrt – und ein Last-Minute-Aufruf für mehr Lehrer: Das sind Bayerns Maßnahmen für die Unterrichts-Rückkehr.
| Ralf Müller
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Grundschulkinder gehen mit ihren Schulranzen nach Hause. Nach den Sommerferien soll der Unterricht wieder "normal" ablaufen.
Ralf Hirschberger/dpa 2 Grundschulkinder gehen mit ihren Schulranzen nach Hause. Nach den Sommerferien soll der Unterricht wieder "normal" ablaufen.
Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister.
Sven Hoppe/dpa 2 Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister.

München - Mit so vielen Unbekannten hat wohl noch nie ein bayerischer Kultusminister das neue Schuljahr geplant wie der derzeitige Amtsinhaber Michael Piazolo (Freie Wähler). Niemand weiß, ob sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie das Ziel umsetzen lässt, nach Ende der Sommerferien mit einem regulären Betrieb ins Schuljahr 2020/2021 zu starten.

Fürs Erste rechnet Piazolo jetzt erst einmal damit, dass es keine verheerende zweite Seuchenwelle gibt. Voraussetzung für einen Regelbetrieb unter Hygieneregel sei, dass der derzeitige Mindestabstand von 1,5 Metern in den Klassenräumen sowie die damit verbundenen Klassenteilungen aufgehoben werden können, so das Kultusministerium. Eine Maskenpflicht ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen.

Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister.
Michael Piazolo (Freie Wähler), bayerischer Kultusminister. © Sven Hoppe/dpa

Für das Schuljahr sollen 4.600 neue Lehrer kommen

Piazolo verkündete am Mittwoch in München: Die etwa 1,7 Millionen Schüler an den 6.000 bayerischen Schulen seien voll umfänglich mit Lehrkräften versorgt, wenn es am 7. September wieder losgeht. Für das neue Schuljahr würden zum Ersatz ausscheidender Lehrer und zur Besetzung von zusätzlichen 1.000 Planstellen (für Informatik, Inklusion und Ganztag) 4.600 Lehrer neu eingestellt, teilte Piazolo mit.

In allen Fällen handele es sich um "voll ausgebildete" Lehrer, worin sich der Freistaat von anderen Bundesländern unterscheide. Die "errechnete Bedarfslücke" von 1.400 Lehrkräften an den Grund-, Mittel- und Förderschulen habe man "dank der verpflichtenden und freiwilligen Maßnahmen" schließen können.

Dahinter verbirgt sich ein Konzept, das im vergangenen Jahr für erheblichen Krach mit den Interessenverbänden der Lehrer gesorgt hatte, weil dies für einige Lehrer Mehrarbeit bedeutet.

Immerhin haben sich über 200 pensionierte Lehrkräfte freiwillig bereit erklärt, an Grund-, Mittel- und Förderschulen zu unterrichten, berichtete Piazolo. Die übrige Lücke hatte man überwiegend durch Reduzierung von Teilzeit schließen können.

800 zusätzliche "Teamlehrkräfte" sollen unterstützen

Weil auch das im September beginnende neue Schuljahr wegen der fortdauernden Pandemie keines wie alle anderen werden dürfte, hat man sich im Hause Piazolo noch etwas Neues einfallen lassen: Lehrkräfte, denen der geplante Präsenzunterricht wegen ihrer besonderen gesundheitlichen Risiken nicht zuzumuten ist, sollen durch 800 zusätzliche "Teamlehrkräfte" unterstützt werden.

Diese sollen in der Schule die "Stammlehrkräfte" ersetzen, die coronabedingt nicht körperlich in der Schule sein können. Dafür werden "ab sofort" ausgebildete Lehrkräfte, aber auch Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium gesucht, "die sich an unseren Schulen engagieren wollen", sagte Piazolo.

Auch im Falle einer weiteren günstigen Infektionslage im Freistaat wird das kommende Schuljahr noch ein gutes Stück von dem angestrebten "Normalbetrieb" entfernt sein. Weiterhin werden in den 6.000 Schulen des Freistaats und für die etwa 150.000 Lehrer besondere Hygieneauflagen gelten.

Schulfahrten sind bis 31. Januar 2021 untersagt

Einschränkungen seien besonders bei den Fächern Sport, Musik und Kunst weiterhin erforderlich, schilderte Piazolo. Schulfahrten sind bis 31. Januar 2021 ohnehin untersagt. Für Lehrer wird es schwieriger, sich vom Direktunterricht entbinden zu lassen.

Grundsätzlich nicht in die Schule kommen müssten nach wie vor schwangere Lehrerinnen, listete Piazolo auf. Das Überschreiten der Altersgrenze von 60 Jahren allein wird hingegen kein Grund mehr sein, fern zu bleiben. Erforderlich dazu ist die Vorlage eines ärztlichen Attestes, wonach der Betreffende dem Risiko einer Ansteckung nicht ausgesetzt werden darf.

Die betreffenden Lehrkräfte seien dann aber nicht freigestellt, sondern müssten Online-Angebote im Distanzunterricht sowie Korrektur- und Verwaltungsaufgaben übernehmen. In Fällen, in denen Schüler Krankheitssymptome zeigen, solle die Schulleitung diese umgehend zum Corona-Test schicken, so Piazolo weiter. Dazu müsse sichergestellt werden, dass das Ergebnis schon in kurzer Zeit und nicht erst in einigen Tagen vorliegt. Schnelle Tests sollen auch allen Lehrern zur Verfügung stehen.

Lesen Sie hier den Kommentar zum Thema: Schlechte Noten in Sachen digitaler Unterricht

Lesen Sie hier: Umfrage - Bayern sehen Markus Söder als Top-Kanzlerkandidaten

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren