Tourismus-Bilanz: Licht und Luft statt Lockdown?

Das Gastgewerbe in Oberbayern sehnt Öffnungen herbei - und ist darauf bestens vorbereitet, versichern Verantwortliche.
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Zahlen verdeutlichen, wie hart die Lockdown-Maßnahmen das Gastgewerbe in Oberbayern getroffen haben. (Symbolbild)
Zahlen verdeutlichen, wie hart die Lockdown-Maßnahmen das Gastgewerbe in Oberbayern getroffen haben. (Symbolbild) © Roberto Pfeil/dpa

Nun dürfen also ab Montag Gärtnereien und Blumenläden öffnen, doch Biergärten bleiben weiter im Winterschlaf. Das gefällt dem Tourismusverband Oberbayern München (TOM) freilich wenig. Daher bekräftigt dessen Präsident, der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner, am Freitag bei einem "Presseclub"-Gespräch unter dem Titel "Licht und Luft statt Lockdown" erneut, dass Hotellerie und Gastronomie als Teil der Lösung im Kampf gegen die Pandemie zu sehen seien.

Zahlen belegen: Lockdown hat bayerische Tourismusbranche hart getroffen

Rückblickend betrachtete Zahlen verdeutlichen, wie hart die Lockdown-Maßnahmen das Gastgewerbe in Oberbayern getroffen haben, wie TOM-Geschäftsführer Oswald Pehel ausführt: 15,3 Milliarden Euro Bruttoumsatz machte der Tourismus dort demnach noch im Jahr 2019. "Tourismus ist nicht nur Sache von Hotels und Gastronomie, auch der Einzelhandel und Dienstleister profitieren vom Tourismus, wer übernachtet, konsumiert und löst Umsätze aus", so Pehel.

Fast 200.000 Menschen in Oberbayern stehen im Gastgewerbe in Lohn und Brot. BMW hat weltweit weniger Arbeitnehmer, vergleicht Pehel. Laut Thomas Geppert vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern befänden sich derzeit 80 bis 90 Prozent der Gastro-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Einer aktuellen Berechnung zufolge betrage der Umsatzausfall im Gastgewerbe im Jahr 2020 durch die Corona-Krise 5,7 Milliarden Euro - ein Drittel der vorherigen Umsätze also. "Der Tourismus in Oberbayern ist systemrelevant für ganze Regionen und für die treten wir ein", verdeutlicht Pehel.

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73 Tage Schließung bedeutet etwa zwei Millionen Umsatzverlust

Hotelier Johannes Lichtmannegger vom Berghotel Rehlegg in Ramsau wartet ebenfalls mit eindrücklichen Zahlen auf. Er sagt: "Das letzte Jahr war dramatisch für uns. Wir haben zweimal 73 Tage Schließung hinter uns, das bedeutet etwa zwei Millionen Umsatzverlust. Wir haben 50.000 Euro Soforthilfe für den ersten Lockdown bekommen. Das ist nicht sehr viel." Es sei für ihn unverständlich, dass man trotz ausgefeilter Hygienekonzepte nicht öffnen dürfe. Er appelliert: "Jetzt wird es eng und es muss was passieren, damit wir vernünftig durch diesen Wahnsinn kommen. Die Leute sind extrem ausgehungert, das merken wir auch."

Und weiter: "Jetzt kommt die Zeit, wo Gäste eh draußen sind, was soll da passieren? Das wäre auch für die Psyche der Menschen sehr wichtig. Mir muss jetzt irgendeiner sagen, warum ich nicht aufmachen darf." Thomas Geppert sagt: "Die Verzweiflung nimmt zu, wir brauchen dringend ein verlässliches, transparentes Öffnungskonzept, das Planungssicherheit schafft. Die entscheidende Frage ist doch: Sind Schließungen noch verhältnismäßig?"

Branche fordert Öffnungen mit schlüssigem Konzept

Das Infektionsgeschehen sei stabil niedrig. Natürlich gebe es Ungewissheiten über Mutationen, "aber die ersten Öffnungsstrategien werden ja trotzdem zugesagt", verweist er auf aktuelle Beschlüsse. "Diese Maßstäbe sollten auch an unsere Branche angelegt werden", findet Geppert. Wer ein schlüssiges Konzept habe, sollte öffnen dürfen. Gerade das letzte Wochenende zeige, "die Leute gehen raus und gehen an wenige verfügbare Punkte im öffentlichen Raum, wo es keine Regularien, Registrierungen oder Konzepte gibt". Deswegen sei es Teil der Lösung, mehr sichere Flächen zu schaffen. Dazu gehöre in jedem Fall die Außengastronomie, "die dringend geöffnet werden sollte".

"Wir könnten quasi jeden Tag aufmachen"  

Diese Beobachtungen bestätigt Franz Moderegger von der Berchtesgadener Bergbahn AG: "Unsere Pisten sind voll", sagt er. Skitourengeher und Wanderer tummelten sich dort, allerdings ohne Hygienekonzepte. "Wir könnten das Erleben der Bergwelt sicher möglich machen", ist auch seine Überzeugung. "Wir könnten quasi jeden Tag aufmachen." 

Geppert merkt an: "Offenbar hat die Politik vergessen, welche klugen Konzepte sie gemeinsam mit uns letztes Jahr verabschiedet hat." Es sei nicht alles Ischgl, nicht alle Betriebe dürften über einen Kamm geschoren werden. Betriebe hätten kluge Konzepte, teilweise freiwillig Luftfilter eingebaut, es gebe eine lückenlose Gästeregistrierung, strenge Abstandsregeln. Laut Stöttner blicke man nun voller Hoffnung auf die Öffnungsmatrix des Ministerpräsidenten, in der der Tourismus vorkommen müsse. Er sei vorbereitet.

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