Stur ins Aus

Die Rente ist sicher. Rund 2,5 Millionen Euro soll Hans Meyer vom Club als Abfindung bekommen. Sein Vertrag war bis 2009 datiert, angeblich sogar mit einem Anschluss-Kontrakt mit noch nicht genau bezeichneter Funktion im Verein.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Meyer-los: Die Club-Profis bei der ersten Übungsstunde ohne den harten Hans. Die Stimmung soll nicht schlecht gewesen sein beim Fußball-Tennis.
Bayernpress Meyer-los: Die Club-Profis bei der ersten Übungsstunde ohne den harten Hans. Die Stimmung soll nicht schlecht gewesen sein beim Fußball-Tennis.

NÜRNBERG - Die Rente ist sicher. Rund 2,5 Millionen Euro soll Hans Meyer vom Club als Abfindung bekommen. Sein Vertrag war bis 2009 datiert, angeblich sogar mit einem Anschluss-Kontrakt mit noch nicht genau bezeichneter Funktion im Verein.

Makulatur seit Montag. Meyer ist in Rente, es sei denn er wird wortbrüchig. „Nürnberg ist meine letzte Station“, hat er stets betont, was allerdings bei dem 65-Jährigen nichts heißen muss. Denn Meyer will des öfteren nichts davon wissen, was er zuvor so alles erzählt hat.

Auch daran ist er als Trainer gescheitert. „Öffentlichkeitsarbeit lernt der nimmer“, so der stete Seufzer gequälter Mitarbeiter. Aber vor allem an seiner Polemik, seiner Schwäche in der Personalführung, seiner Selbstherrlichkeit, seiner Sturheit. Die verklausulierten Sprüche, die in der Öffentlichkeit gerne als „ironisch“ bis „lustig“ ausgelegt wurden, schlitterten schnell in den Bereich der Beleidigung.

Gewaltiges Aufatmen

So wie Meyer die Journalisten abkanzelte („das interessiert mich einen Scheißdreck“), so behandelte er auch die Spieler und Angestellten des Vereins. Das Aufatmen von den Katakomben bis auf die Geschäftsstelle am Tag nach Meyers Rauswurf war gewaltig. Auch die Liste der traurigen Profis beim Club war ganz schön lang geworden seit dem Pokalsieg. Mintal, Vittek, Glauber, Saenko, Mnari, Kristiansen, allesamt einst Pfeiler einer intakten Mannschaft, hatten keine Lust mehr auf Meyers Personalführung.

Schade, denn selten hatte der Club einen fleißigeren, akribischeren Coach als Meyer, noch dazu ein excellenter Fußball-Fachmann und ein wandelndes Lexikon der Kicker-Historie. Keine Statistik, die der Hans den Kritikern nicht um die Ohren hauen konnte. Zudem, und das kam beim Club besonders gut an, war er kein Trainer der ständig Verstärkungen für teuer Geld wollte, sondern sich stets an den vorhandenen Möglichkeiten orientierte. Manager Martin Bader: „Hans Meyer hat nie etwas gefordert, sondern nur auf bestimmte Dinge hingewiesen.“ Nachteil: Seine aktuelle Transferpolitik ließ gewaltig zu wünschen übrig. Mit Jan Koller kam im Winter nur eine Verstärkung – und Koller wird im März 35 Jahre alt.

Kult-Status bei den Fans

Andererseits hat Meyer, daher sein Kult-Status bei den Fans, im ersten Jahr seiner Tätigkeit beim 1. FCN abgeschriebene Profis regelrecht reanimiert, den Verein aus dem Tabellenkeller zum Pokalsieg und ins internationale Geschäft geführt, damit dem Club Millionen beschert, sich seine Rente also redlich verdient.

Nur Widerspruch verträgt der „harte Hans“ einfach nicht. So ging ein Vratislav Gresko dem Club verlustig, weil er „als Mensch behandelt werden wollte“. Ebenso Marek Nikl (Bohemians Prag), der sich zum „Standby-Profi“ degradiert fühlte. Ein Chhunly Pagenburg (1860 München), der sich trotz vorhandenem Potenzial wegen einmaligen Zuspätkommens zum Training (verschlafen) plötzlich als Dauergast in der Bayernliga-Truppe wiederfand. Ein Joshua Kennedy (KSC), der in zwei Liga-Spielen für die Badener zweimal traf, weil ihm Meyer unterstellte, er könne nicht beißen. Ein Jan Polak (RSC Anderlecht), der dem Club zwar vier Millionen Ablöse brachte, aber letztlich vor Meyer flüchtete, weil der ihn als Zirkus-Fußballer bezeichnet hatte.

Meyer eben, knallhart und brutal ehrlich in der Analyse, aber unter Druck unfähig, komplizierteren Spieler-Charakteren seine Erkenntnisse fördernd zu vermitteln. So zerbrach die Mannschaft in eine Pro- und Kontra-Meyer-Fraktion. Sportlich tödlich.

Eloquenter Zeitgenosse

Thomas von Heesen, 19 Jahre jünger als Meyer und im Gegensatz zum polternden Hans ein eloquenter Zeitgenosse, muss nun den leblosen Club-Haufen aufwecken. Lissabon, Bremen, Lissabon, Cottbus steht auf dem Programm. Keine Zeit zum Luftholen. Aber immerhin, der Co-Trainer steht fest: Michael Oenning (42), 2005 beim VfL Wolfsburg entlassen.

Die durchwegs überraschten FCN-Profis hüllten sich in Schweigen. Ausnahme Zvjezdan Misimovic, ein Pro-Meyer-Mann. „Der Trainer ist das schwächste Glied in der Kette. Man kann ja nicht die Mannschaft auswechseln. Aber letztlich liegt es an uns, dass wir so schlecht stehen. Deshalb dürfen wir den Trainerwechsel nicht als Alibi nehmen. Thomas von Heesen hat es ohnehin nicht leicht, bei dem Hammerprogramm was in den nächsten Tagen auf uns zukommt.“

Meyer hat’s hinter sich und ein sorgenfreies Rentner-Dasein mit Lebensgefährtin Maren Zimmermann vor sich. Die 39-jährige Dramaturgin am Nürnberger Theater könnte auch der Grund sein, dass Meyer in Nürnberg wohnhaft bleibt. Vorerst jedenfalls.

Eberhardt Ergenzinger

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren