Streik an Pfingsten: Legt er die Bahn lahm?

Claus Weselsky, Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, ist streikerprobt. Aber dieses Mal stoßen seine Forderungen auf gar kein Verständnis - es stehen Ferien an.
| Christian Grimm
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Nimmt selten ein Blatt vor den Mund: Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.
Nimmt selten ein Blatt vor den Mund: Claus Weselsky, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. © Kay Nietfeld/dpa

München - Die Auszeit von den Corona-Zumutungen könnte für Reisende über das lange Pfingstwochenende eine böse Überraschung bereithalten. Zumindest wenn sie in den Zug steigen, um ein paar Tage in die Ferien oder zu Verwandten und Freunden zu fahren.

GDL weist Angebot des Bahn-Vorstands erbost zurück

Im Tarifstreit mit der Bahn hat die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ein Angebot des Bahn-Vorstands erbost zurückgewiesen. GDL-Chef Claus Weselsky erhöhte unmittelbar den Druck auf den Staatskonzern.

"Rechtlich ist alles möglich. Ich schließe Arbeitskämpfe nicht mehr aus", sagte Weselsky. Reisende, versicherte er, würden rechtzeitig informiert, wenn einzelne Verbindungen ausfielen. Dass der Gewerkschaftsführer notfalls zu allem bereit ist, bewies er 2015, als er die Bahn mit Streiks überzog und zeitweise lahmlegte.

Streikdrohung der GDL stößt auf Ablehnung

Doch da Pfingsten nach Monaten der Entbehrungen der erste Lichtblick für viele Menschen ist, stößt die Streikdrohung der GDL auf Ablehnung. Immerhin öffnen in vielen Landesteilen Hotels und Pensionen wieder, die Corona-Zahlen sinken und Millionen sind geimpft. Hinzu kommt: Fallen Züge aus, wird es in den anderen enger. Die Pandemie ist zwar zurückgedrängt, aber noch nicht besiegt.

 "Ein Streik ist immer auch ein Streik gegen die Fahrgäste"

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält den Zeitpunkt für "etwas unglücklich", wie der Ehrenvorsitzende des Verbandes, Karl-Peter Naumann, der AZ sagte. "Ein Streik ist immer auch ein Streik gegen die Fahrgäste." Naumann ist wichtig zu sagen, dass jede Gewerkschaft das Recht zum Streiken habe. Doch die Reisenden müssten sich darauf einstellen können. "Wir erwarten, dass Gewerkschaften und Verkehrsunternehmen in Friedenszeiten Streikfahrpläne beschließen", verlangte Naumann.

Der CSU-Verkehrspolitiker Ulrich Lange hält einen Arbeitskampf in der jetzigen Lage für wenig angebracht. "Die Bahnkunden werden nicht viel Verständnis dafür aufbringen, wenn es zum Stillstand auf der Schiene kommt und gleichzeitig Hoffnung auf einen halbwegs normalen Sommer mit mehr Reiseverkehr besteht", sagte er der AZ. Er rief GDL und Bahn dazu auf, eine Einigung zu finden.

Bahn bietet der GDL eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent

Dass das gelingt, dafür stehen die Chancen schlecht. "Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dieses Angebot annehmen, liegt bei null", sagte Weselsky gewohnt energisch. Der 62-Jährige legte nach: "Dass wir darüber verhandeln, bei nahe null." Die Bahn bietet der GDL in ihrer durch die Bekämpfung des Coronavirus ausgelösten Krise eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent.

Allerdings soll der Aufschlag nicht mehr in diesem Jahr, sondern erst ab Anfang 2022 gezahlt werden. Für Weselsky ist das Angebot eine Provokation.

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Grund: In diesem Jahr dürfte die Inflation auf drei Prozent zulegen, wenn die Prognosen stimmen. Das bedeutet, dass die in der GDL organisierten Eisenbahner wegen der Nullrunde im laufenden Jahr an Kaufkraft verlieren würden. "Die Kollegen sind komplett gefahren (in der Corona-Zeit, d. Red.). Sie haben Dienst geleistet. Dafür gibt es keine Nullrunde", so der GDL-Vorsitzende. Seine Gewerkschaft verlangt deshalb 4,8 Prozent mehr Geld und 1.300 Euro Corona-Bonus.

Die Bahn ist verärgert über die Streikdrohung

Die Bahn ist verärgert über die Streikdrohung ausgerechnet jetzt, da sich die Züge wieder füllen könnten. "Die GDL-Führung nimmt mit ihren Drohungen Schaden für Kunden und Bahn in einer Zeit bewusst in Kauf, in der Deutschland wieder hochfährt und sich aufs Reisen freut", erklärte das Unternehmen.

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