Steuersünder in Angst: Die Bargeldflut vom Bodensee

Der Zoll im Allgäu meldet immer mehr hohe Beträge, die aus dem Ausland eingeführt werden. Was das mit Uli Hoeneß zu tun hat.  
| Thomas Gautier
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Der Zoll im Allgäu meldet immer mehr hohe Beträge, die aus dem Ausland eingeführt werden. Was das mit Uli Hoeneß zu tun hat.

Lindau/Ulm - Uli Hoeneß ist ein heißes Thema im Vierländereck zwischen Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Seit Tagen schon. Der Bayern-Präsident wurde wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Und jetzt drehen alle durch.

Die Zöllner, die hier Autos und Zugpassagiere zwischen Bodensee und München kontrollieren, haben gerade viel zu tun. Seit Tagen ziehen sie dutzende Menschen aus dem Verkehr – die bündelweise Bargeld mit sich führen.

Jedes Jahr stellt der Zoll in Lindau 300 Millionen Euro Bargeld sicher, das bei der Einreise aus der Schweiz oder Liechtenstein nicht angemeldet wurde – seit einigen Tagen stellen die Beamten aber eine wahre Geldflut fest: „Derzeit ist jedes zweite Auto, das wir kontrollieren, ein Volltreffer“, sagt der Pressesprecher des zuständigen Hauptzollamts Ulm, Hagen Kohlmann. „Wir kommen manchmal gar nicht mehr hinterher.“

In nur drei Tagen entdeckten Kohlmanns Kollegen 140 000 Euro Bargeld – und erhielten Hinweise auf rund 1,6 Millionen Euro, die wohl schwarz auf ausländischen Konten liegen.

In Zollkreisen spricht man längst vom „Hoeneß-Effekt“. Der Druck auf Vermögende wachse, sagt Kohlmann – durch den Ankauf von Steuer-CDs, verstärkte Kontrollen auf der Straße und seit einem Jahr auch durch die Berichte über den Bayern-Boss. „Viele werden jetzt nervös“, sagt Kohlmann – und bringen Geld zurück nach Deutschland.

Dabei machen die Zöllner interessante Entdeckungen: Wer in die EU einreist und mindestens 10 000 Euro dabei hat, muss es angeben. Die meisten kratzen an dieser Grenze, sagt Kohlmann, „die Leute sind ja nicht blöd“. Wer aber 9000 Euro in Bar dabei hat, besitzt wahrscheinlich mehr – vielleicht sogar auf einem Schwarzgeldkonto. Die Zöllner suchen dann nach Bankbelegen, Kontoauszügen oder irgendwas, das einen Verdacht auf Schwarzgeld stützt. Werden sie fündig, alarmieren sie das zuständige Finanzamt.

Neulich hat’s wieder funktioniert. Ein Mann gab bei einer Kontrolle zu, ein Konto mit einem hohen sechsstelligen Betrag zu besitzen, sagt Kohlmann. So kalt erwischt, erstattete der Steuersünder sofort Selbstanzeige – ganz nach Hoeneß-Art.

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