SPD-Kritik wegen Impfmüdigkeit in Bayern: "Söder und Holetschek haben versagt"

Hat die Staatsregierung der Impfmüdigkeit im Freistaat zu wenig entgegengesetzt? Ja, sagt der SPD-Chef.
| Natalie Kettinger
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Florian von Brunn übt heftige Kritik an der Staatsregierung.
Florian von Brunn übt heftige Kritik an der Staatsregierung. © Matthias Balk/dpa

München - Exakt 67,3 Prozent der Bayern haben sich laut Robert-Koch-Institut bis gestern vollständig gegen Corona impfen lassen. Das sind zwar mehr als etwa in Sachsen (58,5 Prozent), Thüringen (63,2 Prozent) oder auch Baden-Württemberg (67,2 Prozent) - der Freistaat liegt aber dennoch unter dem bundesweiten Durchschnitt von 69 Prozent.

SPD sieht massive Versäumnisse bei der Staatsregierung

Die Gründe für die bayerische Impfmüdigkeit mögen vielfältig sein. Die Landtags-SPD sieht eine Ursache für die schlechte Quote jedoch in eklatanten Versäumnissen der Staatsregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und stützt sich dabei auf die Antwort auf eine Anfrage an das Gesundheitsministerium.

Fraktionschef Florian von Brunn wollte darin wissen, wie viele Covid-19-Immunisierungen seit Beginn der Pandemie im Bundesland durchgeführt wurden - und zwar aufgeschlüsselt nach Monaten. Aus der Antwort wird ersichtlich, dass die Zahl der Pikse im Sommer sukzessive zurückging und dann stark einbrach.

Zahl der Impfungen ist kontinuierlich gesunken

So wurden im Juni 2021 in Impfzentren, Praxen und Betrieben oder von mobilen Teams noch mehr als 3,7 Millionen Spritzen gesetzt. Im Juli waren es mit 2,5 Millionen bereits deutlich weniger. Im August schrumpfte die Zahl auf 1,4 Millionen - um sich dann beinahe zu halbieren: auf rund 788 000 Pikse im September und knapp 725 000 im Oktober. Erst im November ging es mit 1,8 Millionen Impfungen wieder aufwärts.

Auch die Kapazitäten der Impfzentren ging zurück

Parallel dazu fuhr man die Impfzentren zurück. "Im Zuge der Neuausrichtung der Bayerischen Impfstrategie wurden aufgrund der im Sommer 2021 deutlich gesunkenen Nachfrage die Kapazitäten der Impfzentren und ihre Anzahl zum Herbst 2021 reduziert bzw. wurden Impfzentren zusammengeschlossen", heißt es in der Antwort aus dem Hause von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Von ursprünglich 100 Impfzentren im gesamten Freistaat sind demnach aktuell nur mehr 81 (teils mit zusätzlichen Außenstellen) übrig.

Florian von Brunn wirft der Staatsregierung vor, auf den massiven Impf-Einbruch im Sommer nicht ausreichend reagiert zu haben - etwa mit niederschwelligen Angeboten oder einer breiten Informationskampagne, wie sie der Ethikrat schon im Juni gefordert habe.

von Brunn: "Die Staatsregierung hat sich einfach abgefunden"

"Die Ergebnisse der Anfrage offenbaren, warum Bayern lange auf einem der letzten Plätze bei der Impfquote lag: Im Sommer fand sich die Staatsregierung einfach damit ab, dass sich ein Teil der Bevölkerung nicht impfen lassen wollte", kritisiert der Co-Vorsitzende der Bayern-SPD.

"Aus Spargründen ließ sie Impfzentren herunterfahren, schließen und legte andere zusammen. Deswegen musste Personal entlassen werden, das jetzt fehlt. Das ist ein eklatantes Versagen von Markus Söder und seinem Gesundheitsminister Holetschek!"

Auch "Booster"-Impfungen liefen schleppend an

Auch bei den Auffrischungsimpfungen ("Boostern") wirft er der Regierung Versäumnisse vor. Denn deren Zahl wuchs zunächst sehr langsam: von drei im Juni auf 24 im Juli, 1360 im August, rund 91 000 im September auf gut 212 000 im Oktober.

Erst im November verzeichnete das Robert-Koch-Institut mit 1,25 Millionen Boostern in Bayern einen deutlichen Anstieg (was wiederum bedeutet, dass von allen Immunisierungen in diesem Monat nur rund 552 000 Erst- oder Zweitimpfungen waren).

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Aber: Bereits im August gab es Klarheit

"Im August war klar, dass im Herbst damit angefangen werden muss, die Menschen in Bayern flächendeckend mit Auffrischungsimpfungen zu versorgen", sagt von Brunn. Auch darauf habe der Ethikrat bereits im Juni hingewiesen.

Der Gesundheitsminister habe zwar Mitte August verkündet, dass die Booster-Impfungen im Freistaat nun beginnen könnten. "Die Anfrage belegt aber deutlich, dass die Auffrischungsimpfungen erst im November substanziell nach oben gingen. Für viele viel zu spät."

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