So kämpft Bayern gegen Lebensmittelverschwendung

Unmengen an Lebensmitteln wandern täglich in die Tonne. Doch es gibt Menschen, die dagegen kämpfen mit FairTeilern und mehr. stron
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Eine freiwillige Helferin bringt kurz vor Ladenöffnung in Kempten übrig gebliebene und gespendete Lebensmittel in den "FairTeiler"-Laden.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa Eine freiwillige Helferin bringt kurz vor Ladenöffnung in Kempten übrig gebliebene und gespendete Lebensmittel in den "FairTeiler"-Laden.

Unmengen an Lebensmitteln wandern täglich in die Tonne. Doch es gibt Menschen, die dagegen kämpfen mit "FairTeilern" und mehr.

München - In einer halben Stunde geht es los. Schon jetzt warten mehr als ein Duzend Menschen vor der verschlossenen Tür. Im Ankergässele in der Innenstadt von Kempten sind alle gewappnet: mit Tüten, Rucksäcken oder Einkaufstrolleys.

Hinter der Tür schichten freiwillige Helfer Semmeln, Brot, Gebäck und Kuchen in eine Bäckereitheke. Der Raum erinnert an einen Tante-Emma-Laden. Auf einem Tisch türmen sich Teepackungen, Päckchen mit Maultaschen, Soja-Mehl oder Bio-Fruchtjoghurts. In Körben daneben liegen frische Salatköpfe vom Wochenmarkt, Tomaten, Champignons, Paprika. Die Gefriertruhen sind ebenso gefüllt wie die drei Kühlschränke. Heute mit einer Delikatesse: Wachteleier. Preis: kostenlos.

"Uns geht es darum, dass die Lebensmittel nicht in der Tonne landen", sagt Manfred Bauerfeind. Seit 2013 engagiert sich der 69-Jährige in der "Foodsharing Community", einer Initiative, die sich bundesweit gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. In Bayern gibt es knapp 50 solcher Läden, die sich "FairTeiler" nennen. "Vergangenen Monat hat eine Bäckerei 800 Krapfen gespendet", sagt Bauerfeind. "Je nach Tag erhalten wir zwischen 300 bis 500 Kilo Lebensmittel." Essen, das sonst weggeworfen werden würde, weil es übrig ist oder nicht mehr frisch aussieht.

Kleinere "FairTeiler" in vielen Städten

Es gibt auch "FairTeiler", die nur aus einem Kühlschrank oder Regal bestehen, das befüllt werden kann – auch in München in Haidhausen, Neuhausen, Unterschleißheim und im EineWeltHaus an der Schwanthalerstraße (weitere Info unter www.foodsharing.de).

Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Diese Zahl nennt das Bundesernährungsministerium. Die Verbraucherschutzzentrale spricht von 18 Millionen Tonnen: "Um die Lebensmittel zu transportieren, die in Deutschland jährlich auf dem Müll landen, sind 720.000 Sattelschlepper notwendig. Hintereinander gestellt, ergibt das die Strecke von Lissabon nach New York", heißt es auf der Homepage.

In Filialen der Supermarktkette Amper-Einkaufszentrum stehen hinter den Kassen Regale, gefüllt mit kostenlosem Essen. "Die Ware läuft bald ab oder hat leichte Schäden, ist aber zu schade, um sie wegzuwerfen – zum Beispiel Bananen mit braunen Flecken", sagt André Hordt, Marktleiter der Filiale Buchenau in Fürstenfeldbruck.

Seit der Einführung im Jahr 2017 seien die Müllentsorgungskosten des Unternehmens drastisch gesunken. Ein anderer Teil der Ware werde regelmäßig zur Tafel gebracht.

17 Uhr: Die Türen des "FairTeilers" in Kempten öffnen und die Tüten füllen sich. Ein Paar, beide sind im Gesundheitswesen tätig, packt Orangen, Pilze, Majoran und eine Gurke ein. "Wir kommen oft hierher, bevor wir unseren Großeinkauf machen", sagt die 52-Jährige. "Gibt es hier zum Beispiel Joghurt, müssen wir keinen aus dem Supermarkt kaufen", sagt ihr Mann. "Da wir die Zutaten anpassen, kochen wir zuhause Gerichte, die wir früher nie gekocht hätten."

Lesen Sie hier: Altfraunhofen - Familienstreit führt zu SEK-Einsatz

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