Seltenheit kurz vor der Wiesn: Bierpreis auf bayerischem Volksfest sinkt

Zwölf Festtage, drei Festzelte und eine Änderung, die Wiesn-Fans aus München kaum glauben dürften: Auf dem Volksfest in Pfaffenhofen an der Ilm (4. bis 15. September) zieht 2026 ein neuer Festwirt ein und der senkt zum Einstand gleich mal den Bierpreis. Um 30 Cent!
Andernorts kennt der Maß-Preis nur eine Richtung, nämlich nach oben. Auf dem Oktoberfest 2026 (19. September bis 4. Oktober) wird der Liter Bier zwischen 14,80 und 15,90 Euro kosten. Durchschnittlich bedeutet das 2,38 Prozent mehr als 2025, wie es in der Rathaus-Umschau heißt.
In Pfaffenhofen an der Ilm, rund 50 Kilometer von der Theresienwiese entfernt, läuft es anders. Der Bierpreis geht beim neuen Festwirt Andreas Widmann (44) runter auf 11,60 Euro. Ausgeschenkt wird das Bier der örtlichen Brauerei Müllerbräu.
Premiere für die Festwirtsfamilie Widmann
Die Stadt schreibt auf der Homepage: "Erstmals übernimmt die Festwirtsfamilie Andreas Widmann das große Festzelt und setzt gleich ein Zeichen: Statt den Bierpreis anzuheben, kostet die Maß dort 30 Cent weniger als im vergangenen Jahr."

Der Wechsel hat direkt etwas mit der Wiesn zu tun, wie die Stadt der AZ mitteilt: "Der bisherige Festwirt Lorenz Stiftl hat den Zuschlag für ein großes Festzelt auf dem Oktoberfest erhalten." Aus zeitlichen Gründen sei es ihm dadurch nicht mehr möglich gewesen, auch das Pfaffenhofener Volksfest wahrzunehmen. Man habe das große Festzelt (von insgesamt drei) deswegen neu ausgeschrieben und "Herr Andreas Widmann hat den Zuschlag erhalten".
Stiftl (vorher Schützenlisl) übernimmt ab 2026 das Paulaner-Zelt von Arabella Schörghuber. Von 2007 bis 2022 und dann nochmal 2025 betrieb er das große Zelt in Pfaffenhofen.
Schon die Großeltern betrieben Bierzelte
Sein Nachfolger in Pfaffenhofen ist ein absoluter Volksfest-Profi. Widmanns Firma kümmert sich um acht Volksfeste in Bayern, von Neufahrn bei Freising über Olching bis Viechtach. Zusammen mit seinem Onkel und Cousin sei seine Familie auf 20 Volksfesten vertreten, erzählt er der AZ.

Begonnen haben seine Großeltern Angela und Xaver im Jahr 1949. Andreas Widmann gehört nun zur dritten Generation an Festwirten in der Familie aus Marzling im Landkreis Freising.
Als die AZ mit ihm spricht, ist gerade das Fest in Weißenburg zu Ende gegangen, nach dem Volksfest ist bei ihm vor dem Volksfest. "Wir fangen Mitte April an und hören Mitte Oktober auf."
Zahlt er jetzt drauf? "Ich bin ein Geschäftsmann!"
Pfaffenhofen passte ihm noch in den Zeitplan. Warum senkt er zu seinem Einstand den Bierpreis? Man wolle auf die Leute zugehen, das Fest wieder für mehr Menschen erschwinglich machen. "Man hofft natürlich, dass sich der eine oder andere eine Maß mehr kauft und sich das so aufwiegt."
Widmann erklärt, dass die anfallenden Kosten in den Bierpreis eingerechnet werden: etwa der Einkaufspreis, die Mehrwertsteuer, das Personal, Auf- und Abbau. Der Wirt müsse letztlich mit dem Essen und Trinken diese Kosten decken.

Zahlt er mit dem günstigeren Bierpreis drauf? Er verneint. "Ich bin ein Geschäftsmann!" Für den oft als zu hoch kritisierten Bierpreis auf der Wiesn hat Widmann Verständnis, es seien hohe Kosten zu berücksichtigen von Hygiene bis Sicherheit.
Immer mehr Hürden in der Branche
Es ist ihm zufolge ein Balanceakt in der Branche: "Wenn du zu viel verlangst", auch wenn es angesichts der Kosten angemessen wäre, "kommen die Leute nicht mehr." Gleichzeitig gilt: "Wenn wir zu günstig sind, wird es uns irgendwann nicht mehr geben." Er sagt, dass das Geschäft immer schwieriger werde. Hohe Ausgaben und Kosten fürs Personal. Dazu Kontrollen, Auflagen, Bürokratie.

Man sei zudem viel unterwegs, aber er mag, dass er dadurch "in Bayern zu Hause" sei. Die Pfaffenhofener schätzt er als treue Volksfestgänger ein. Als Festwirt wolle er den Gästen etwas Auszeit vom Alltag schenken, eine Pause von den Sorgen.
Pfaffenhofen: Nachhaltigkeit und Bio-Bier
Die Stadt Pfaffenhofen reagiert positiv auf den fallenden Bierpreis: "Selbstverständlich begrüßt die Stadt diese Entwicklung." Man habe im Vorfeld intensive Gespräche geführt, "mit dem Ziel, die Preise familienfreundlich zu gestalten". Ein halbes Hendl mit Semmel (inklusive Bedienungsgeld) kostet in Pfaffenhofen demnach 12,40 Euro.
Insgesamt bewegt sich der Bierpreis zwischen 11,60 Euro (Widmanns Zelt) und 11,90 Euro (Traditionszelt, Klosterbrauerei Scheyern). In der Gaudi-Hütte Zum Spitz liegt der Bierpreis laut Stadt bei 6,20 Euro für eine Halbe.
Die Klosterbrauerei Scheyern, eine der ältesten Brauereien Bayerns, hat ebenfalls Neuigkeiten zum Pfaffenhofener Volksfest: Zum ersten Mal in mehr als 900 Jahren wird ein alkoholfreies Bier ausgeschenkt, wie sie bei Instagram ankündigt. Am ersten Volksfest-Samstag (5. September) könne man es probieren, von 11 bis 13 Uhr. Für 2,50 Euro pro Halbe.

Worauf Pfaffenhofen auf der Homepage explizit hinweist: "In allen Festzelten wird Bio-Bier ausgeschenkt." Daneben sind auch Backwaren, Käse sowie Pommes beziehungsweise Kartoffelprodukte gemäß den Vorgaben des Stadtrats in Bio-Qualität.
Auch auf Nachhaltigkeit setzt die Stadt aktiv: "Der Strom für das Volksfest entstammt zu 100 Prozent regenerativen Energiequellen aus Bayern. Die Volksfest-Schausteller verwenden LED-Technik, die den Energieverbrauch reduziert", heißt es im offiziellen Programm.