Segler von Olympia in Kiel überzeugt: "Bester Standort"
Im Fahrwasser von München will Kiel zum dritten Mal nach 1936 und 1972 olympischer Segel-Standort werden. "Diese Entscheidung ist fantastisch. Was für ein großartiger Erfolg und Vertrauensbeweis", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.
Der CDU-Politiker war in Baden-Baden dabei, wo München mit Segel-Partner Kiel bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes zum deutschen Kandidaten für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 gekürt wurde. Das Nachsehen hatte die Region Köln-Rhein-Ruhr und ihr Segel-Standort Rostock-Warnemünde.
"In Kiel ist der Segelsport in Deutschland zu Hause"
"Wenn die deutsche Bewerbung erfolgreich ist, werden auf der Kieler Förde wieder olympische und hoffentlich auch erstmals paralympische Segelwettbewerbe ausgetragen", sagte Günther. "Mit Kiel ist der Standort gewählt, an dem der Segelsport in Deutschland zu Hause ist."
Auch unter vielen Seglern kam die Entscheidung gut an. "Wir kennen es vom SailGP in Sassnitz. Da bebt die Tribüne, wenn wir vor heimischen Fans segeln", sagte Anne Barth, Steuerfrau im olympischen 49erFX und Strategin im deutschen SailGP-Team. "Ich glaube, dass wir ein ähnliches Feuer in Kiel entfachen können." Es werde auf jeden Fall gigantisch. "Ich glaube, Kiel ist genau die richtige Stadt, um diese Aufgabe anzunehmen."
Segler profitieren in Kiel noch heute von den Wettbewerben von 1972
Sie erinnerte daran, dass schon vor 54 Jahren Kiel an der Seite von München Olympia-Stätte war und die Segler bis heute davon profitieren. "Wir trainieren täglich am Olympia-Standpunkt, im Olympiahafen in Schilksee." Es werde jetzt langsam Zeit, "dass da noch was dazukommt, dass da vielleicht was Neues gebaut und das wieder von den nächsten Generationen weitergenutzt wird".
Freya Feilcke, Vorschoterin im 49erFX, ist ebenfalls davon überzeugt, "dass Kiel der beste Segel-Standort ist für olympische Segelwettbewerbe in Deutschland". Auch die Stadt liebe Segeln, "deswegen war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung".
"Olympia stellt unseren Traum und unser Ziel dar. Das ist es, was uns jeden Tag antreibt, weiter daran zu arbeiten", sagte 49er-Segler Frederik Schwall. "Sich vorzustellen, das Ganze womöglich sogar in der Heimat erleben zu können, verstärkt den Effekt auf jeden Fall."
Segel-Stadt mit Weltruf
Nicht nur wegen der olympischen Wettbewerbe 1936 und 1972 hat Kiel als Segel-Stadt weltweit einen guten Ruf. Die Regatten der Kieler Woche jeweils Ende Juni gelten im olympischen Segelsport als bedeutende Wettbewerbe. Auch ein Bundesstützpunkt des Deutschen Segler-Verbandes ist in Kiel.
Insgesamt gab es gute Argumente für Kiel und Rostock-Warnemünde. Erik Kosegarten-Heil gewann 2016 und 2021 zwei olympische Medaillen. Jetzt ist er Steuermann des deutschen SailGP-Teams. Für die "Ostsee-Zeitung" aus Rostock hatte der Segler aus Kiel beide Reviere verglichen und war zu dem Fazit gekommen: Sportlich bevorzugt er Rostock. Die Infrastruktur spricht für Kiel.
Im Vorfeld der Kandidaten-Entscheidung hatten sich die größten Regionalverbände im Deutschen Segler-Verband (DSV) für Kiel ausgesprochen, darunter sogar der Segler-Verband Nordrhein-Westfalen. Diese Regionalverbände würden zusammen "75 Prozent der deutschen Seglerinnen und Segler repräsentieren", hatte Schleswig-Holsteins Sportministerin Magdalena Finke gesagt.
Die Mehrheit der Bevölkerung in Kiel ist von Olympia überzeugt.
Im April hatten sich bei einem Bürgerentscheid 63,5 Prozent für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen.
MV und Warnemünde als sportliche Verlierer
Mecklenburg-Vorpommern und Rostock-Warnemünde zeigten sich am Samstag in Baden-Baden als sportliche Verlierer. "Ich gratuliere München und Kiel herzlich zur Auswahl als deutsches Olympia-Team und wünsche beiden für das weitere internationale Verfahren viel Erfolg. München und Kiel haben mit ihrer Verbindung von olympischer Tradition, internationaler Sporterfahrung und einem starken Segel-Standort ein überzeugendes Konzept vorgelegt", sagte Sportministerin Stefanie Drese, die gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (beide SPD) und einer Delegation aus Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls an der Auswahlveranstaltung im Kurhaus in Baden-Baden teilnahm.
"Natürlich hätten wir uns heute eine andere Entscheidung gewünscht. Wir waren und sind davon überzeugt, dass Warnemünde hervorragende Voraussetzungen für olympische Segelwettbewerbe bietet", sagte Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke): "Aber eine Bewerbung bedeutet immer auch, eine Entscheidung zu akzeptieren."
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