Schlaf als Stress-Therapie

Michael Oennings erstes Spiel als Cheftrainer: „Grundsätzlich habe ich Lust, einen Bundesliga-Verein zu trainieren." Noch keine Verhandlungen mit anderen Kandidaten. Manager Bader: "Wir lassen uns Zeit."
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Gelungene Premiere als Cheftrainer: Michael Oenning (Mitte) bejubelt mit Team-Doc Matthias Brem und Zeugwart Günter Vogt (rechts) den 2:2-Ausgleich gegen Aachen.
Wolfgang Zink Gelungene Premiere als Cheftrainer: Michael Oenning (Mitte) bejubelt mit Team-Doc Matthias Brem und Zeugwart Günter Vogt (rechts) den 2:2-Ausgleich gegen Aachen.

NÜRNBERG - Michael Oennings erstes Spiel als Cheftrainer: „Grundsätzlich habe ich Lust, einen Bundesliga-Verein zu trainieren." Noch keine Verhandlungen mit anderen Kandidaten. Manager Bader: "Wir lassen uns Zeit."

Die große Anspannung nach seinem ersten Club-Spiel als Cheftrainer war Michael Oenning nach dem 2:2 gegen Aachen am Sonntag auch noch lange nach Spielschluss anzumerken. Wahlweise die Arme vor der Brust verschränkt oder etwas steif wirkend in die Hüften gestemmt, die Augenlider mal flackernd oder den Blick starr ins Leere gerichtet, absolvierte der 42-Jährige den Interview-Marathon. Bei dem sich der Großteil um zwei zentrale Fragen drehte: Wird der „Co“ nun Nachfolger für den fahnenflüchtigen Thomas von Heesen? Und: Traut er sich diese Herkules-Aufgabe, den sofortigen Wiederaufstieg, überhaupt zu?

„Grundsätzlich habe ich natürlich Lust, einen Bundesliga-Verein zu trainieren“, sagt Oenning, der den Stress, „diesen Tunnel, in dem du noch voll auf die 90 Minuten fokussiert bist, durch ausgiebigen Schlaf“ kompensiert hat. Mit dem launigen Zusatz: „Ich bin mir auch für die Zweite Liga nicht zu schade.“ Vor einem Vakuum, das entstehen könnte, sollte nicht bald Klarheit über die Besetzung des verwaisten Cheftrainerpostens, hat Martin Bader keine Bange. „Wir lassen uns die nötige Zeit, wollen das Thema aber nicht zu lange vor uns herschieben“, versichert der Manager. Kein Geheimnis ist, dass Bader – wie auch das Gros aus Präsidium und Aufsichtsrat – mit der „internen Lösung“ gut leben könnte. „Michael Oenning ist eine sehr ernst gemeinte Option“, versichert Bader. Und: „Ich habe bislang mit keinem anderen Kandidaten gesprochen.“

Zusammenarbeit muss vernünftige Basis haben

Was Oenning natürlich freut, jedoch nichts an seinen klaren Vorstellungen ändert: „Es sind noch einige Stellschrauben zu bewegen.“ Welche? „Die Zusammenarbeit muss eine vernünftige Basis haben“, sagt er dazu nur. Wobei das Fundament schon gelegt ist. „Michael genießt in der Mannschaft und im Umfeld eine hohe Akzeptanz“, weiß Bader. Beleg: Trotz 0:2-Rückstand gegen Aachen ergaben sich die Profis nicht weiter willenlos in ihr Schicksal. Im Gegenteil. Sie ackerten und rannten, spielten die Alemannia phasenweise sogar an die Wand. Für sich. Für die Fans. Und für Oenning.

„Wir können sein Konzept sehr gut umsetzen, arbeiten sehr gerne mit ihm zusammen“, hält Torhüter Raphael Schäfer ein Plädoyer für den vermeintlichen Nobody. In der Kabine herrscht Einigkeit: „Der neue Trainer hat uns in ganz kurzer Zeit wieder Spaß am Spiel vermittelt.“ Oenning zuckt bei solchen Komplimenten nur kurz mit der Augenbraue. Wohlgemerkt: ohne erkennbare Genugtuung. Er sieht sich als Arbeiter, als Mosaikstein, als Rädchen im großen Ganzen für das eine Ziel. „Es zählt nur der Aufstieg“, weiß Oenning schon seit dem Erstliga-Abstieg am 17. Mai.

"Sieg gegen Aachen wäre nicht unverdient gewesen"

Größeren Druck, versichert der zweifache Vater – die Familie lebt in Hamburg, „ich in Nürnberg, aber nicht im Hotel“ – habe er als Chef jedenfalls „nicht verspürt“. Dennoch sei vor und während dem Aachen-Kick „einiges anders gewesen. Allein die Tatsache, alle Entscheidungen selbst treffen zu müssen“. Durchdacht, logisch nachvollziehbar und wenigstens mit einem Punkt gekrönt. „Der Sieg wäre auch nicht unverdient gewesen“, weiß Oenning.

Jedenfalls hat ihn Bader „mit allen Kompetenzen ausgestattet“. Nur vorläufig oder dauerhaft? Zwar spricht der Manager noch davon, dass in der von-Heesen-Erbfolge „alles möglich ist“. Er erklärt aber unmissverständlich: „Wir wollen uns Oennings herausragende Qualitäten auf jeden Fall erhalten.“ Im kleinen Kreis hat Präsident Michael A. Roth bereits durchblicken lassen, dass Oenning auch sein klarer Favorit ist. Zudem ein kostengünstiger. Und aufs Geld müssen sie schauen beim Club – klagt doch demnächst Ex-Trainer Hans Meyer auf Lohnfortzahlung von 150.000 Euro pro Monat vor dem Arbeitsgericht Nürnberg. Markus Löser

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