Rücktritt als VdK-Landesvorsitzende in Bayern: Jetzt reagiert Verena Bentele
Es ist ein Paukenschlag, der auf einen verbandsinternen Streit folgte: Die Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern, Verena Bentele, legt ihr Amt zum 30. Juni nieder. Ebenso wie Landesschatzmeister Konrad Gritschneder. Das teilte der VdK am Freitag mit.
Die Entscheidung ist der Schlusspunkt eines Ende Mai bekannt gewordenen internen Führungsstreits, der bundesweit Schlagzeilen gemacht hatte. Acht der zehn Mitglieder des Landesvorstands hatten ein Verfahren zur Abberufung Benteles und Gritschneders angestoßen. Hintergrund waren tiefe Differenzen über Führungsstil, Verbandsstruktur und die künftige Ausrichtung des mit rund 850.000 Mitgliedern größten VdK-Landesverbands. Kritiker warfen Bentele unter anderem vor, den Verband stärker zentralisieren zu wollen. Die VdK-Präsidentin wies die Vorwürfe stets zurück und sprach von einem notwendigen Modernisierungskurs.
Um weitere Debatten über die Zukunft des Verbands zu beenden, stellen Bentele und Gritschneder ihre Ämter in Bayern zur Verfügung, heißt es nun. Auf Bundesebene bleiben beide jedoch im Amt: Bentele als Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Gritschneder als Bundesschatzmeister. Der Landesvorstand kündigte an, beide in ihren Funktionen auf Bundesebene "vollumfänglich" zu unterstützen.
Bentele meldet sich zu Wort
Am Sonntag meldete sich die VdK-Präsidentin mit einem Statement auf Linkedin zu Wort: "Ich blicke mit Zuversicht, Energie und Leidenschaft auf die kommenden Wochen und Monate", schreibt die blinde Spitzensportlerin. "Seit 20 Jahren begleiten mich in meinen Vorträgen die Themen Vertrauen, Klarheit und Zielorientierung. Diese Werte tragen mich nicht nur beruflich, sondern haben mich auch im Leistungssport immer getragen." Hier geht es zum Beitrag auf Linkedin.
Weiter schreibt die 44-Jährige, sie freue sich darauf, gemeinsam mit vielen engagierten Menschen an Themen wie verlässlicher Pflege, sicherer Altersvorsorge oder Barrierefreiheit weiterzuarbeiten und Impulse zu setzen. Zudem nennt sie auch persönliche Ziele wie etwa einen Trailrun in der Mongolei und die Teilnahme am München Marathon mit Begleitläufern. Solche Erfahrungen erinnerten sie daran, " was möglich ist, wenn man mit Vertrauen, Ausdauer und einem klaren Ziel Schritt für Schritt seinen Weg geht. Ich freue mich auf alles, was vor mir liegt, und auf die Menschen, mit denen ich diese Wege gehen darf".
"Sehr schade"
In den Sozialen Medien zeigen sich nach der Rücktritts-Ankündigung viele solidarisch mit Bentele und bedauern die Entscheidung. "Sehr schade", kommentierte etwa ein Linkedin-Nutzer unter der Mitteilung auf Benteles Profil. "Gerade in den jetzigen Zeiten des sozialen Kahlschlags wäre ein starker VdK wichtig wie selten zuvor." Eine andere schreibt: "Da hat man jemanden, die sich intensiv einsetzt und medial gut rüberkommt – und dann sägt man diese Leute ab. Ein Armutszeugnis."
Auch SPD-Chef Florian von Brunn zeigt sich solidarisch
Unter den Kommentierenden ist auch die bekannte Soziologin Jutta Allmendinger: "Liebe Verena,
für mich ist es wichtig, dass es dir gut geht und du bei deinen Visionen bleibst. Deren schrittweise Umsetzung tut uns gut, mehr noch: Wir brauchen sie ebenso wie deine bestechend mutige und starke Stimme." Interessant: der ehemalige Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Leonhard Stärk, schreibt, er bedaure diese Entwicklung sehr. Stärk, inzwischen unter anderem Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Föderation, hatte sein Amt Ende 2022 vorzeitig aufgeben müssen, nachdem er das Vertrauen einzelner Präsidiumsmitglieder verloren hatte. Hintergrund war Medienberichten zufolge Stärks Arbeitsstil, Teile des Präsidiums fühlten sich demnach übergangen.
Am Freitag hatte sich auch der bayerische SPD-Chef, Florian von Brunn, noch vor der Rückzug-Entscheidung öffentlich solidarisch mit Bentele gezeigt. "Machtkampf – oder: Warum wird eine erfolgreiche Vorsitzende demontiert" überschrieb der Politiker einen Instagram-Beitrag. "Als Mitglied sage ich klar: Den Sozialverband VdK Bayern würde es teuer zu stehen kommen, eine so engagierte und beliebte Vorsitzende zu verlieren", so von Brunn auf der Plattform. Und weiter: "Differenzen im Verband gehören an einen Tisch – durch ehrliche Gespräche und Mediation, nicht durch öffentliche Demontage. Verena kenne und schätze ich als jemanden, der rational und besonnen mit schwierigen Lagen umgeht."
Öffentliche Kritik an Bentele
Zur Wahrheit gehört, dass es in der Vergangenheit durchaus auch Kritik an Benteles Art und Weise gegeben hat, sich öffentlich zu positionieren. So hatte etwa der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Passau-Land und VdK-Ortsvorsitzende Stephan Dorn im April dieses Jahres in der "Passauer Neuen Presse" von "linken parteipolitischen Machenschaften" der VdK-Präsidentin gesprochen. Hintergrund waren Benteles Aussagen in ihrer Funktion als Bundes-Vorsitzende zum Ehegattensplitting, das sie vehement ablehnte. Dorn warf ihr vor, den einst parteipolitisch neutralen VdK zunehmend zu einem "Sprachrohr von Linksideologen" umzubauen. Vorwürfe, Bentele habe sich nicht immer an das abgestimmte Wording gehalten, wurden auch aus Verbandskreisen laut, neben zahlreichen weiteren. Interna, von denen VdK-Mitglieder und Wegbegleiter Benteles wenig mitbekommen haben dürften, was deren Wahrnehmung beeinflusst haben könnte.
"Bedauern, dass es zu öffentlichen Diskussionen gekommen ist"
In der öffentlichen Kommunikation sind der VdK und Bentele um Deeskalation bemüht: "Die Landesvorsitzende Verena Bentele und der Landesschatzmeister Konrad Gritschneder hatten Vorstellungen von einer modernen Verbandsstruktur, die von den übrigen acht Vorstandsmitgliedern nicht mitgetragen wurden", heißt es in der Pressemitteilung. "Die aufgrund dieser Auseinandersetzung erhobenen Vorwürfe und Missverständnisse wurden vollständig geklärt und ausgeräumt. Sowohl Verena Bentele und Konrad Gritschneder als auch die übrigen acht Vorstände bedauern, dass es zu öffentlichen Diskussionen darüber gekommen ist." Zum Schluss heißt es: "Der Vorstand dankt Verena Bentele und Konrad Gritschneder für ihre geleistete Arbeit."
Inwiefern die öffentlich ausgetragene und nun offenbar beigelegte Querele dem Ansehen des VdK Bayern schadet, bleibt abzuwarten. In Sozialen Medien erklärten einige Nutzer, aus dem VdK austreten zu wollen. Ob und wann Nachfolger für Bentele und Gritschneder in Bayern gefunden werden sollen, war zunächst offen.
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