Interview

Ranger am Spitzingsee mahnt: "Das Wissen über Tiere muss erhöht werden"

Am Spitzingsee sollen Ranger Ausflügler für die Natur sensibilisieren. Die AZ hat mit einem von ihnen über seine Aufgaben gesprochen
| Interview: Leonie Meltzer
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Der Ranger Alexander Römer
Der Ranger Alexander Römer © Florian Bachmeier

AZ: Herr Römer, wieso haben Sie sich für den Ranger-Posten beworben?
Alexander Römer:
Das liegt in meiner Vita begründet. Ich habe als Bergführer viele Reisen in die Nationalparks der Welt unternehmen dürfen. Die Schönheit der Natur in Kanada, in Alaska oder auch Namibia hat mich begeistert, genauso wie die wertvolle Arbeit der Ranger vor Ort. Vor dem Shutdown hatte ich im Oktober 2019 noch Australiens Nationalparks besuchen dürfen, als großer Vogelliebhaber ein Traum für mich. Vor zehn Jahren fing dann die Begeisterung für die heimische Tier- und Vogelwelt an.

Was fasziniert Sie daran?
Im Gegensatz zu den bunten, exotischen Tieren weltweit nehmen wir die heimischen Tiere oft gar nicht wahr. Wenn man dann ein Birkhuhn oder Auerhuhn in seltenen Momenten zu Gesicht bekommt, dann sieht man erst, was für wunderschöne Vögel hier bei uns wohnen. Sie haben zwar weniger Farben als die Vögel in Südamerika, aber das Gefieder und das Verhalten sind einzigartig. Die heimische Tierwelt erschließt sich erst auf den zweiten Blick, man muss sich nur die Zeit und Ruhe nehmen, genau hinzusehen.

Ranger setzt sich für Tierschutz am Spitzingsee ein

Sie werden sich als Ranger also besonders für den Tier- und Naturschutz einsetzen?
Ja, ich möchte mich dafür engagieren und mithelfen, dass die heimische Tierwelt wieder greifbarer wird und dadurch schützenswerter in den Augen der Menschen. Auch das Wissen über die Tiere bei uns muss erhöht werden. Bei der ATS werden wir Ranger dafür geschult und sensibilisiert. Zum Beispiel den Tourengehern, die diesen Winter vermehrt unterwegs sein werden zu vermitteln, dass es in dem Gebiet nicht nur Rotwild oder Gämsen gibt, die jeder kennt, sondern auch diese wunderbare Vogelwelt, die genauso schützenswert ist.

Nehmen die Tourengeher denn Ihre Tipps gut an?
Die meisten lassen sich total dafür begeistern und sind dankbar, wenn man sie sensibilisiert und sie dann Dinge sehen, die vorher unbekannt waren. Auf Bergtour die Augen auch für die Natur zu öffnen, gibt noch einen Mehrwert.

"Hinweistafeln werden im Enthusiasmus leider oft übersehen"

Glauben Sie nicht, die Tourengeher könnten die Vögel gefährden?
Das Grundproblem ist, dass 99,9 Prozent der Tourengeher keine Tiere zu Gesicht bekommen. Und was man nicht kennt, schützt man auch nicht. Niemand betritt in der Regel mit Vorsatz ein Rückzugsgebiet. Die meisten wissen eben gar nicht, dass auch im Winter, wo alles verschneit ist, Gämse, Rotwild, Hirsche, Schneehasen und Alpenschneehühner ihre Ruhe benötigen. Meist sitzen die Vögel in Deckung unter Bäumen und der Tourengeher ist zum Glück weit entfernt. Manchmal eben nicht, wenn der Schnee an der Stelle toll ist. Auch Hinweistafeln werden im Enthusiasmus leider oft übersehen. Wenn dort dann jemand steht und die Tourengeher aufklärt, würde das wahrscheinlich schon reichen.

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"Es werden viele Einsteiger zu Fuß, mit Schneeschuhen oder Skiern unterwegs sein"

Worauf werden Sie als Ranger besonders achten?
Meine Hauptaufgabe wird sein, mich unter bergbegeisterte Gleichgesinnte zu mischen, Gehör zu bekommen und aufzuklären. Mir ist es wichtig, auf Augenhöhe zu sprechen und zu informieren, nicht zu maßregeln. Ich werde Gespräche führen, wie man es sonst auch macht am Berg: Wo wollt ihr hin? Welche Abfahrt wollt ihr nehmen? Dann kann man ganz nebenbei erwähnen, dass es dort zum Beispiel auch Auerhühner gibt. Wir haben Bilder dabei von allen Tieren, die dort leben, um sichtbar zu machen, was geschützt werden soll. Es gibt auch Flyer, die wir austeilen können.

Wo wird man Sie antreffen können?
Ich werde vorwiegend im Taubenstein- und Rotwandgebiet unterwegs sein, also im Mangfallgebirge, ein weites Gelände. Als Ranger werde ich, je nach Wetterlage und Aufkommen, dort sein, wo die meisten Bergsportler erwartet werden. Als Bergführer weiß ich auch, was die Wetter- und die Lawinensituation zulässt.

Werden Sie, als Inhaber des Lawinencamp-Bayern, in Bezug auf die Lawinensituation bei den Tourengehern auch einschreiten?
Ich bin nicht in meiner Rolle als Bergführer unterwegs, um den Leuten zu sagen, wo sie hingehen können oder wo es ungefährlich ist. Das ist als Ranger nicht meine Aufgabe. Aber natürlich werde ich hier genauso sensibel herangehen, wie beim Naturschutz. Viele sind sehr dankbar, wenn man ihnen rät, wo es sicher ist langzugehen. Bedenken habe ich diesen Winter, weil man keine Lawinenkurse geben darf. Es werden also auch viele Einsteiger zu Fuß, mit Schneeschuhen oder Skiern unterwegs sein, die noch nichts von Lawinen wissen und auch den Lawinenlagebericht nicht lesen können. Dazu bieten wir übrigens online Theoriekurse an.

Wird es für Sie als Ranger Dinge geben, die Sie nicht tolerieren werden?

Die Wild-Schutz-Zonen zu betreten ist ein absolutes No-Go. Da sind mir allerdings als Ranger die Hände gebunden. Wir haben keine Befugnisse, Dinge zu verbieten, und soweit soll es auch gar nicht kommen. Wir packen die Bergsportler eher bei ihrer Bergsteigerehre und sagen ihnen: "Die Berge sind doch etwas Fantastisches, deshalb sind wir doch beide hier. Plakativ gesagt: Wenn das für uns die Sportstätte ist, dann lass es aber auch das Wohnzimmer der Tiere sein."

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