Pfusch auf der ICE-Strecke von München nach Nürnberg?

Beim Bau der ICE-Strecke München-Nürnberg ist es möglicherweise wie bei der Kölner U-Bahn zu Manipulationen gekommen. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es Hinweise auf gefälschte Ankerprotokolle bei den Bauarbeiten an der bayerischen Hochgeschwindigkeitsstrecke gebe.
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Ein ICE fährt  in der Nähe von Schwanstetten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke München - Nürnberg.
dpa Ein ICE fährt in der Nähe von Schwanstetten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke München - Nürnberg.

MÜNCHEN/KÖLN - Beim Bau der ICE-Strecke München-Nürnberg ist es möglicherweise wie bei der Kölner U-Bahn zu Manipulationen gekommen. Ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es Hinweise auf gefälschte Ankerprotokolle bei den Bauarbeiten an der bayerischen Hochgeschwindigkeitsstrecke gebe.

Die Münchner Staatsanwaltschaft kündigte an, dass die Vorwürfe geprüft würden.    Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) verlangte eine schnelle Aufklärung. Die Sicherheit habe im Bahnverkehr allerhöchste Priorität. „Ich erwarte, dass den Hinweisen unverzüglich nachgegangen wird“, sagte Zeil nach Angaben seines Ministeriums. Der Bund und die Deutsche Bahn müssten klären, ob es Baumängel gebe.

Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass beim U-Bahn-Bau in Köln an mehreren Baustellen vorgesehene Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut wurden. Bauprotokolle zu der Verwendung der Stabilisierungsanker wurden vermutlich gefälscht. Nicht eingebaute Anker wurden Berichten zufolge schwarz verkauft. Ähnliches könnte sich auch bei der bayerischen ICE-Strecke zugetragen haben.

Jetzt soll die ICE-Trasse untersucht werden

Kölner Fahnder hatten am Freitag die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen für den Kölner U-Bahnbau durchsucht. Anschließend hatte die Staatsanwaltschaft die Mannheimer Baufirma Bilfinger Berger über den Verdacht auf Manipulationen an der ICE-Trasse informiert. Das Unternehmen hat angekündigt, die Arbeiten an der ICE-Trasse zu untersuchen. „Wir wollen sicherstellen, dass alle Projekte, in denen ähnliche Technologien verwendet wurden, korrekt ausgeführt worden sind“, sagte Vorstandschef Herbert Bodner. Die Hinweise auf den möglichen Pfusch stammen nach Angaben des Kölner „Express“ (Samstag) aus der Vernehmung eines ehemaligen Bauleiters des Unternehmens.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I sagte, die Ermittlungsbehörde werde nun überprüfen, ob im eigenen Zuständigkeitsbereich etwas vorgefallen ist. Wegen der Länge der Bahnstrecke könnten allerdings auch andere bayerische Staatsanwaltschaften oder auch die Behörde am Bilfinger-Berger-Sitz Mannheim zuständig sein. Die insgesamt 171 Kilometer lange Trasse war 2006 fertiggestellt worden. An der rund 3,6 Milliarden Euro teuren ICE-Strecke wurde insgesamt acht Jahre lang gebaut.

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