Pegida darf nicht vor Synagoge demonstrieren

Pegida möchte in München gegen die Beschneidung von Kindern protestieren - ausgerechnet vor der jüdischen Synagoge. Die Stadt wollte das nicht hinnehmen und verlegte die Aktion um einige Hundert Meter.
| dpa
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München (dpa/lby) - Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung darf nicht auf dem Platz vor der Ohel-Jakob-Synagoge in München gegen Beschneidung von Kindern und Säuglingen demonstrieren. Die Versammlung am Sankt-Jakobs-Platz sei untersagt und in die Sendlinger Straße verlegt worden, teilte das Kreisverwaltungsreferat am Montag in München mit. Laut Mitteilung hatte die Organisation für Freitagnachmittag (24. Januar) vor dem jüdischen Gemeindezentrum eine Veranstaltung angemeldet zum Thema "Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten". Der von der Stadt genehmigte Veranstaltungsort liegt nur wenige Hundert Meter entfernt. Ob Pegida Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegt, war am Montagnachmittag noch nicht klar.

So manchen geht die Verlegung nicht weit genug. "Dass die Verwaltung eine Demonstration mit so deutlich antisemitischer Themensetzung in Hörweite des Jüdischen Zentrums gestattet, ist sehr enttäuschend", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Ein Verbot wäre die einzig richtige Reaktion gewesen. "Es kann nicht sein, dass ein so offener Hass und solche volksverhetzenden, die Religionsfreiheit missachtenden Inhalte im Herzen unserer Stadt öffentlich verbreitet werden dürfen". Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle (CSU) nannte die Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung. "Darüber hinaus müssen dringend Rechtsmittel geprüft werden, um diese Veranstaltung der Rechtspopulisten gänzlich zu unterbinden."

Die Stadt begründete ihre Entscheidung unter anderem mit der Sorge um die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Mit einer Verlegung könne man der Gefahr ausreichend begegnen. Der Ort für den Protest gegen eine Beschneidung scheint von der Pegida nicht zufällig gewählt worden zu sein.

Im Judentum - wie auch im Islam - ist die Beschneidung von Jungen ein wichtiges Ritual. Nach jüdischer Tradition werden Jungen am 8. Lebenstag beschnitten als Symbol des Bundes, den Gott mit Abraham schloss (Genesis 17,10-27).

Knobloch forderte die Münchner zum Besuch von Gegenveranstaltungen auf. "Ich hoffe, dass am Freitag möglichst viele Menschen ein deutliches Zeichen gegen diesen Judenhass setzen. Die Stimmen für das Miteinander, für Toleranz und Respekt müssen jetzt besonders laut sein."

Die Organisation "München ist bunt" ruft zum Protest gegen die Pegida-Aktion auf. "Das ist ein klarer Angriff auf die jüdische Identität, den wir nicht unwidersprochen lassen dürfen!", schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Für den Freitagnachmittag hat die Organisation deshalb zu einer Gegenveranstaltung eingeladen unter dem Motto "Gegen Antisemitismus - Wir stehen solidarisch zusammen". Geplant ist eine Menschenkette rund um das Gemeindezentrum.

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