OB Maly fegt Gsell weg!

Ulrich Maly, mit stolzen 64,3 Prozent wiedergewählter Nürnberger OB, wurde frenetisch für seinen Erfolg gefeiert. Im Stadtrat erreichte die SPD rund 45 Prozent. Jetzt will die SPD einen neuen Koalitionspartner und Gespräche mit den Grünen führen.
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„Maly, Maly!“-Rufe schallten durch den Festsaal des Karl-Bröger-Hauses.
dpa „Maly, Maly!“-Rufe schallten durch den Festsaal des Karl-Bröger-Hauses.

Ulrich Maly, mit stolzen 64,3 Prozent wiedergewählter Nürnberger OB, wurde frenetisch für seinen Erfolg gefeiert. Im Stadtrat erreichte die SPD rund 45 Prozent. Jetzt will die SPD einen neuen Koalitionspartner und Gespräche mit den Grünen führen.

NÜRNBERG Zehn Minuten hat er sich Zeit gelassen. Um 18.10 Uhr schritt der große Gewinner in den Festsaal des Karl-Bröger-Hauses. Ulrich Maly, mit stolzen 64,3 Prozent wiedergewählter Nürnberger OB, musste sich den Weg durch die Massen bahnen, begleitet von „Maly, Maly!“-Rufen, Händeschütteln und Schulterklopfen. Der SPDler war überrascht: „Traumhaft! Erwartet habe ich das in der dieser Höhe nicht. Ich bin ganz gerührt – vielen Dank an mein Team und an die Wähler.“

Auch Ehefrau Petra strahlte: „Ich bin überwältigt vor Freude und auch ein bisschen stolz auf meinen Mann, auf den ich so lange verzichten musste.“ Den Sonntag hat das Ehepaar mit Freunden auf dem Land verbracht – nervös waren alle ein wenig.

Malys Vor-Vorgänger, Alt-OB Peter Schönlein (SPD), jubelte über das Ergebnis: „Der Sieg wiegt umso mehr, weil Maly mit Klemens Gsell einen anerkannten Kommunalpolitiker als Gegner hatte.“

Wie es im Stadtrat weitergeht, ist noch offen. Hier erreichte die SPD rund 45 Prozent (2002: 39,5), die CSU kam nur noch auf etwa 32 Prozent – mehr als 10 Prozentpunkte weniger als 2002.

Maly: „Das Gewicht hat sich klar zu unseren Gunsten verschoben. Wir geben jetzt den Ton an – und werden Gespräche mit den Grünen führen.“ War zunächst noch die Rede davon, weiter mit der CSU zu arbeiten, sagte Nürnbergs SPD-Chef Christian Vogel später: „Wir schauen uns nach einem neuen Koalitionspartner um.“ Das sind für ihn die Grünen, keinesfalls jedoch die Links-Partei.

Das Ergebnis ist ein schwerer Schlag für CSU-Herausforderer Klemens Gsell. Er wurde von Maly förmlich hinweggefegt, holte nur 27,4 Prozent – und wurde in der bitteren Stunde allein gelassen: Ministerpräsident Günther Beckstein, auf Wahlplakaten noch mit Gsell posierend, fehlte bei der Wahl-Party im Tucher-Bräu am Opernhaus. Er kam erst um 20 Uhr. Gsell zeigte sich als überaus fairer Verlierer, der Maly beglückwünschte und sich von ihm sechs Jahre wünschte, in denen er Gutes für Nürnberg leisten möge.

Allerdings: Für Gsell ist mit dieser Wahl das Rathausbündnis mit der SPD erledigt: „Wir werden künftig unsere Positionen wieder klar formulieren.“ Und auch Europaminister Markus Söder gab sich kämpferisch: „OB Maly soll künftig alle Vorschläge der Grünen vertreten – wir machen wieder reine CSU-Politik.“

Fraktions-Chef Michael Frieser („Politik ist an solchen Abenden schwer zu ertragen.“) schaute kritisch voraus: „Wir werden in der Zukunft wieder die bürgerliche Alternative darstellen, wir werden nicht weitere sechs Jahre Malys Rechnungen zahlen.“ Doch Beckstein gab Kontra: „Wir müssen mitgestalten und dürfen Nürnberg nicht Rot-Grün überlassen.“

Der Satz des Abends: „An Gsell hat die Niederlage nicht gelegen. Er hat einen prima Wahlkampf gemacht.“ Der schönste Satz aber kam von Ehefrau Ulli Gsell. Ihr Trost: „Es gibt Schlimmeres im Leben.“ aha/kk/mir/sw

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