"Nichts daran wird je normal" - Gedenken an Messerangriff
Ein Jahr nach der tödlichen Messerattacke eines psychisch kranken Mannes auf Kleinkinder ist in Aschaffenburg an die Opfer erinnert worden. Oberbürgermeister Jürgen Herzing (SPD) legte am Tatort im Park Schöntal einen Kranz ab.
"Viele von uns wissen noch genau, wo sie waren, als die Nachricht kam", sagte er. "Viele erinnern sich an dieses Gefühl, als der Boden unter den Füßen kurz ins Wanken geriet: Schock, Fassungslosigkeit, Trauer und auch eine Angst, die man zuvor so nie kannte. Wir trauern um zwei Menschen, die an einem ganz gewöhnlichen Tag aus dem Leben gerissen wurden."
Lob und Dank für Zusammenhalt in der Stadt
Ein Kleinkind und ein Familienvater waren bei dem Angriff getötet worden. "Nichts daran lässt sich einordnen, nichts daran wird je normal", sagte Herzing. Es sei aber wichtig, nicht in Trauer zu verharren: "Aschaffenburg war erschüttert, aber Aschaffenburg hat zusammengehalten." Dieser Zusammenhalt sei nicht laut, sondern würdevoll gewesen. Herzing rief dazu auf, die Angehörigen der Opfer auch künftig nicht allein zu lassen.
Genau um 12.00 Uhr läuteten die Glocken der Aschaffenburger Kirchen. Zum Gedenken am Mittag waren unter anderem die Opfer und ihre Angehörigen, Vertreter von Rettungsdiensten wie Feuerwehr und Polizei sowie Politiker eingeladen. Zudem wurden Musikstücke aufgeführt. Am Abend sollte es eine öffentliche Gedenkfeier in der Christuskirche geben.
Täter psychisch krank
Am 22. Januar 2025 hatte ein Afghane in dem städtischen Park eine ihm unbekannte Gruppe von Kleinkindern mit einem Messer angegriffen. Er tötete einen zwei Jahre alten, deutschen Jungen marokkanischer Herkunft und einen 41-jährigen Deutschen, der den Kindern helfen wollte. Zudem verletzte der Flüchtling ein damals zweijähriges Mädchen aus Syrien, einen weiteren Helfer (damals 72, deutsch) und eine Erzieherin (damals 59, deutsch).
Weil der Beschuldigte bei dem Angriff aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig war, ließ ihn das Landgericht Aschaffenburg in einer geschlossenen Abteilung einer forensischen Psychiatrie unterbringen.
Erinnerungsort geplant
Im Februar sollen die Pläne für einen Erinnerungsort im Park im Stadtrat vorgestellt werden. "Und wir werden dann die Ausschreibung für Künstlerinnen und Künstler zur Gestaltung des Erinnerungsorts in Auftrag gegeben", kündigte Herzing an. "Die Kriterien dieser Ausschreibung sind wohlüberlegt. Sie sollen sicherstellen, dass ein Erinnerungsort entsteht, der würdig ist und Raum lässt für Trauer, für Innehalten und für Erinnerung. Ein Ort, der zugleich aber auch in unsere Stadt hineinspricht: Wir tragen diese Erinnerung gemeinsam."
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